Bodyshaming: Im Kampf gegen beleidigende Posts
LINZ. Wie man mit abfälligen Äußerungen über Figur und Körper umgeht, lernten 144 Linzer Schülerinnen im vergangenen Schuljahr in Workshops – ein Thema, das im Zeitalter von Social Media immer präsenter wird.

Im Zeitalter von Instagram und Co. werden auch Teenager von einer Flut von Bildern überschwemmt. Viele davon digital nachbearbeitet: hier längere Beine, dort ein flacherer Bauch. „Dass die Bilder gefaked sind, das wird jedes Mädchen im Alter zwischen zwölf und 16 abnicken“, so Doris Formann, Geschäftsführerin von PROGES. Doch etwas wissen und das Wissen im Alltag umsetzen sind oft zwei verschiedene Paar Schuhe. „Die Mädchen orientieren sich an den idealisierten Bildern.“ 40 bis 70 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren sind mit zwei oder mehr Bereichen ihres Körpers unzufrieden, 50 bis 80 Prozent möchten dünner sein. Dafür greift mehr als die Hälfte zu ungesunden, teils gefährlichen Maßnahmen zur Gewichtskontrolle und -reduktion.
„Wäh, kannst du dir nicht die Beine rasieren?“
Neben den unrealistischen Vorbildern kommt auch noch das sogenannte Bodyshaming dazu. Es geht um beleidigende Äußerungen und Kränkungen über das Aussehen, unter anderem in Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Instagram – aber nicht nur. So nennt Formann das Beispiel einer Schülerin, die von einem Mitschüler „Wäh, kannst du dir nicht die Beine rasieren?“ an den Kopf geworfen bekam, als sie in kurzen Hosen an die Tafel ging.
Immer stärkere Entgrenzung
„Im überwiegenden Fall sind es Mädchen bzw. junge Frauen, die damit konfrontiert werden“, so Formann. Bodyshaming ist vora allem bei Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jharen ein immer stärker um sich greifende Phänomen. „Man kann sagen, dass schon immer gemobbt und gestritten worden ist. Aber jetzt ist es anonymisiert.“ Zudem sind die Äußerungen im Internet sofort einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Zudem kommt es vermehrt zu einer Vermischung von Schule und Privat. „Die Entgrenzung, wie im Arbeitsleben, ist auch bei den Jugendlichen ein Thema.“ So macht auch Bodyshaming auch vor dem eigenen Zimmer nicht mehr Halt.
Scheinwelten entzaubern
Unter dem Titel „Entzauberung 4.0 – die Illusion von Schönheit und Scham“ finanziert das städtische Frauenressort daher zwölf Workshops für Linzer Pflichtschulen. Im ersten Teil des Workshops setzten sich die Mädchen gemeinsam mit einer Psychologin kritisch mit Schönheitsidealen, Selbstdarstellung auf Social Media und deren Einfluss auf das tägliche Leben auseinander. Auch eigene Erfahrungen werden besprochen. Ein weiteres Ziel ist es Verbündete zu Schaffen, die im Fall der Fälle auch verteidigend eingreifen.
Im zweiten Teil arbeiten die Mädchen mit einer Fotografin, um die Illusionen, die durch die Bilder entstehen, selbst zu entzaubern. „Das erspart den Mädchen viel Leid“, bestätigt Frauenstadträtin Eva Schobesberger.


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