Mobbing - die Gewalt in der Schule

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Sylvia Huber Sylvia Huber, Tips Jugendredaktion, 02.08.2018 16:00 Uhr

Fast jeder Fünfte der 14- bis 18-Jährigen in Oberösterreich war schon einmal von Mobbing betroffen. Die Jugendredakteurinnen Teresa, Sophie und Sylvia haben Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ und Leiterin der KiJA OÖ, getroffen und sie zu diesem Thema befragt.

Unter Mobbing versteht man das gezielte Schikanieren einer Person über einen längeren Zeitraum. Meistens wird eine Person von einer Gruppe oder eine Einzelperson ausgegrenzt. Es gibt keine allgemeinen Ursachen für Mobbing, oft kann es ein Merkmal sein oder eine Eigenschaft einer Person, welche außergewöhnlich ist. Es kann aber auch grundlos passieren. In Oberösterreich ist unter den 14- bis 18-Jährigen fast jeder Fünfte ein Opfer. Die Meisten sind im Alter von 14 und 15 Jahren. Beim Mobbing ist jeder, der zusieht beteiligt und somit ein Mittäter. In den letzten Jahren hat sich Cybermobbing extrem verschärft. Das Gefährliche am Cybermobbing ist, dass man nicht „nur“ in der Schule gehänselt wird, sondern auch zu Hause damit konfrontiert wird. In den letzten Jahren ist die körperliche Gewalt zurückgegangen, jedoch hat die verbale zugenommen. Unter Cybermobbing fallen unter anderem verletzende Nachrichten oder auch bearbeitete Bilder, die kränkend sind.

 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Prävention ist das A und O. „Kinder haben Rechte!“, so die Kinder- und Jugendanwältin. Diese sollte bereits im Kindergarten starten, um den Eltern zu zeigen, was sie zu tun haben. KiJA bietet weiters Theatertermine an, um auf diese Art das Thema Mobbing aufzuarbeiten und darzustellen. In Schulen werden auch verschiedene Workshops angeboten, sowie das Projekt „respect@school“. Dabei handelt es sich um ein zertifiziertes Angebot vom Land Oberösterreich.  Es gibt bereits acht Schulen, die damit ausgezeichnet wurden. Lehrer und Eltern sollten immer aufmerksam sein, oft bemerken sie leider nicht, was genau mit den Kindern passiert. Aber auch die Kinder und Jugendlichen sollen sich sofort an jemanden wenden, sobald ihnen etwas seltsam vorkommt. Für die Eltern ist es ebenfalls ratsam mit ihren Kindern eine gute Beziehung und eine Gesprächsbasis aufzubauen, damit sich diese wohl fühlen und sich an ihre Eltern wenden.

 

Cybermobbing – Mobbing rund um die Uhr

Bei Cybermobbing erfolgt das Mobbing über das Internet oder Handy und verbreitet sich heute mehr denn je. Dabei werden Beleidigungen, Drohungen, Verspottungen und gemeine Fotos versendet. Das Mobbing passiert meist über persönliche Chats, Gruppenchats oder Nachrichten über Social Media-Plattformen. Auch erpressende Kettenbriefe und peinliche Videos machen immer wieder die Runde. „Früher ist man heimgegangen und konnte die Tür schließen, aber durch das Handy ist Mobbing ständig präsent“, so Winkler-Kirchberger. Nun haben die Mobber rund um die Uhr die Möglichkeit, andere zu beleidigen und zu bedrohen. Im Internet haben die Jugendlichen dann oft noch weniger Hemmungen, andere anzugreifen, da sie nur einen Bildschirm vor sich sehen und die Gefühle des anderen gar nicht wahrnehmen. Die Opfer fühlen sich ausgegrenzt, beschämt und gekränkt und Mobbing bleibt oft unerkannt, da es im Privaten passiert. In vielen Fällen gibt es auch hier Mittäter, nämlich die Mitglieder in Gruppenchats, die zwar selbst nicht mobben, aber dabei zusehen. Um Cybermobbing gleich von Anfang an zu vermeiden, sollte man beleidigende Nachrichten ignorieren und auf keinen Fall reagieren. Sollte es aber immer schlimmer werden, muss unbedingt mit einer Vertrauensperson gesprochen werden.

 

Anzeichen

Die Anzeichen dafür, dass ein Kind unter Mobbing leidet, können vielseitig sein. Betroffene sind anfälliger für psychische Krankheiten wie Depressionen, Selbstwertprobleme und Angst- und Essstörungen. Ebenso kann sich der psychische Druck in Selbstverletzung äußern. Viele Kinder und Jugendliche neigen zum Rückzug. Umso wichtiger ist es, genau auf die diversen Anzeichen zu achten. Es fällt meist schwer, sich den Eltern anzuvertrauen, deshalb ist es entscheidend, dass Angehörige, die Thematik möglichst sensibel ansprechen und verständnisvoll auf die Betroffenen eingehen. Verhaltensweisen wie nicht zur Schule gehen zu wollen oder Schwierigkeiten beim Aufstehen am Morgen können erste Anzeichen sein, dass sich jemand in seiner Schule nicht wohlfühlt.

 

KiJA OÖ – Die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes Oberösterreich

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft setzt sich seit bereits 25 Jahren für ein gewaltfreies Schulklima an Österreichs Schulen ein. Unter der Leitung von Christine Winkler-Kirchberger bietet die Beratungsstelle psychosoziale, rechtliche und therapeutische Unterstützung an, um Jugendliche in Notsituationen unter die Arme zu greifen. Ein erfolgreiches Projekt ist die Initiative „respect@school“, bei der gewaltfreier und wertschätzender Umgang in Klassen gefördert werden soll. So soll Mobbing präventiv verhindert werden. Zusätzlich bietet die Anwaltschaft Workshops mit Lehrern und Direktoren an, damit erlernt werden soll, wie man angemessen auf eine Krisensituation in der Klasse reagiert. „Besonders wichtig ist es, das Selbstbewusstsein der betroffenen Jugendlichen zu stärken“, so Winkler-Kirchberger. Der Service der KiJA ist anonym und kostenlos und alle Informationen werden vertraulich behandelt.

 

Tipps:

  • Hole dir, sobald du das Gefühl hast gemobbt zu werden, Hilfe.
  • Sprich mit jemandem, den du magst und dem du vertraust. Das können deine Eltern, Geschwister oder Freunde sein.
  • Nimm Kontakt zu Mobbing-Beratungsstellen auf.
  • Führe ein Mobbing- und Freudetagebuch.
  • Reagiere nicht auf Nachrichten, die du online bekommst.
  • Sperre Personen, die dich über das Internet belästigen.
  • Sichere deinen Chatverlauf, damit du Beweise hast.
  • Hole dir Unterstützung von Klassenkameraden, die dir helfen können.
  • Sprich mit einem Vertrauenslehrer über deine Probleme.

 

Hilfe und mehr Informationen auf http://www.kija-ooe.at/ 

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