Caritas Krisenwohnen: „Der Bedarf ist weitaus höher“
LINZ. Anders als bei Männern ist Wohnungslosigkeit bei Frauen in der Gesellschaft ein wenig wahrgenommenes Thema. Daher macht die Caritas mit der Elisabethsammlung und dem Projekt Krisenwohnen darauf aufmerksam.

„Die typische Form bei Frauen ist die verdeckte Wohnungslosigkeit“, erklärt Franz Kehrer, Direktor der Caritas OÖ. Diese ist weniger sichtbar. Frauen versuchen, solange wie möglich ihre Notlage zu verbergen und ohne institutionelle Hilfe auszukommen. Oft auch aus Angst, tatsächlich auf der Straße zu landen oder auch der Angst, die eigenen Kinder zu verlieren. Denn in Notschlafstellen dürfen Kinder nicht übernachten und die Wartelisten für betreute Wohneinrichtungen sind oft lange. Viele Frauen versuchen daher, noch bei Bekannten unterzukommen oder gehen „Zweckpartnerschaften“ ein. Neue Abhängigkeiten sind oft die Folge.
Trennung als Grund für Wohnungslosigkeit
Der Grund für die Wohnungslosigkeit ist in vielen Flääen eine Folge von finanziellen Problemen nach Trennung oder Scheidung. „Auch wenn der Mann sagt 'Bleib du mit den Kindern in der Wohnung', ist die Wohnung oft nicht mehr leistbar.“ Hinzu kommt oft die schlechte Vereinbarkeit von Job und Kinderbetreuung. So sind zum Beispiel die Arbeitszeiten in Gastronomie oder Reinigung kaum mit den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen vereinbar. „Viele Arbeitgeber verlangen auch einen Nachweis über einen Krabbelstubenplatz und viele Krabbelstuben verlangen einen Arbeitsplatz als Voraussetzung. Das ist ein Teufelskreislauf.“
Maßnahmen notwendig
Um den Betroffenen zu helfen sei auch die Politik gefordert, so Kehrer. Er fordert eine Zweckwidmung der Wohnbauförderung zum Ausbau von leistbaren Wohnungen und einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Um die hohen Erstanmietungskosten abzufedern sei auch ein eigenmittelfreier Zugang zu Wohnraum wichtig. Auch kritisiert er die Einschränkung der Wohnbeihilfe auf sieben Euro pro Quadratmeter bei privat vermieteten Wohnungen. „Das hat vor zehn oder 15 Jahren vielleicht noch als Orientierungsmarke gepasst, heute ist das viel zu wenig.“ Auch öffentlich finanzierte „Notunterkünfte“ gibt es speziell in Linz nicht genug.
Mehr Plätze durch Spenden finanziert
So gibt es derzeit zwar ein Netz an Einrichtungen für wohnungslose Menschen, das von der öffentlichen Hand finanziert wird, jedoch zu wenige. „Wir haben gemerkt, dass in Linz der Bedarf höher ist als die vom Land finanzierten Plätze“, so Kehrer. So stellt die Caritas mit dem Projekt Krisenwohnen elf zusätzliche Wohnplätze zur Verfügung. Diese werden rein durch Spenden – wie jenen der Elisabethsammlung – finanziert.
Hilfe beim Neustart
„Wir haben schnell gemerkt, dass die Anfragen von Frauen mit Kindern stark zunehmen“, schildert Michaela Haunod, Leiterin von Krisenwohnen. So fand gerade eine Mutter mit drei Kindern Platz im Krisenwohnen. Nach Gewalt in der Familie reichte sie die Scheidung ein. Ihr Ehemann packte daraufhin ihre Koffer, stellte diese vor die Türe und ließ die Schlösser austauschen. Die Aufenthaltsdauer beträgt maximal sechs Monate und die Bewohner zahlen eine leistbare Miete, sodass sie für einen Neustart auch noch etwas ansparen können.


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