Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Teach For Austria-Fellow Alexander Wecht: „Wir sind selbst dafür verantwortlich, für Veränderung zu sorgen“

Nora Heindl, 14.01.2020 08:05

LINZ. Teach For Austria hat sich zum Ziel gesetzt, dafür zu sorgen, dass 2050 jedes Kind die Chance auf ein gutes Leben hat – unabhängig von Einkommen oder Bildung seiner Eltern. Zentrales Instrument dafür ist das Teach For Austria-Fellowprogramm. Dieses zweijährige Leadership-Programm bringt besonders engagierte Hochschul-Absolventen an herausfordernde Mittelschulen und ermöglicht ihnen den Quereinstieg in den Lehrerberuf. So auch Alexander Wecht aus Linz.

Teach For Austria-Fellow Alexander Wecht. Foto: Teach For Austria/David Blacher
Teach For Austria-Fellow Alexander Wecht. Foto: Teach For Austria/David Blacher

Schon an der JKU hat der Magister der Rechtswissenschaften mit Studienkollegen das Legal Literacy Project Linz gegründet, in dem Studenten an Schulen rechtliches Grundwissen verständlich vermitteln. „Die Workshops haben mir immer großen Spaß gemacht und so war der Schritt zu Teach For Austria eine hervorragende Gelegenheit, mehr Zeit im Klassenzimmer zu verbringen“, erzählt Wecht. Der Fellow unterstützt derzeit Schüler einer 4. Klasse an der NMS6 Vogelweide in Wels als Klassenvorstand 

Hohe Quote an Jugendlichen, die Ausbildung abbrechen

In Linz, Wels und Steyr liegt die Quote der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, die ihre Ausbildung abbrechen, weit über dem österreichischen Durchschnitt. In Wels bricht gar mehr als jeder fünfte Jugendliche die Ausbildung nach der Pflichtschule ab (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2015). Teach For Austria will daran etwas ändern. „Bei Teach For Austria kommen Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Erfahrungen – von Jus über Wildtierökologie, BWL, Psychologie oder Technische Physik – zusammen, um an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Unsere Vision ist, dass 2050 jedes Kind die Chance auf ein gutes Leben hat, egal wie viel Geld oder Bildung seine Eltern haben. Bildung macht das möglich. Dazu sucht Teach For Austria Studienabsolventen aus den verschiedensten Fachbereichen. Denn wir dürfen nicht nur über Bildung diskutieren, sondern sind selbst dafür verantwortlich, für Veränderung zu sorgen.  Nur durch Bildung werden wir zu unabhängigen mündigen Menschen“, betont der 28-Jährige.

Kein Tag ist wie der andere

Besonderen Spaß als Fellow macht Alexander Wecht, dass kein Tag in der Schule wie der vorige ist. „Die Tätigkeit in der Schule ist sehr abwechslungsreich und es wird nie langweilig. Es macht unglaublich viel Spaß, Einblick in ein System zu bekommen, in dem es in Österreich scheinbar unzählige Experten gibt. Ich sehe es als Privileg, nun selbst eigene Erfahrungen aus einer anderen Perspektive zu sammeln.“

Besonders beeindruckt hat ihn ein Erlebnis mit  einem  künstlerisch  sehr  talentierten  Schüler  aus Ghana, der gerade sein drittes Schuljahr in Österreich absolvierte. „Er durfte eine Unterrichtseinheit für eine der unteren Klassen planen. Er hielt einen großartigen Workshop zum Thema „Anime zeichnen – Proportionen und Figuren“. Die Schüler und auch ich waren mehr als begeistert“, erinnert sich der Linzer.

Herausforderung alles unter einen Hut zu bringen

Als größte Herausforderung empfindet er, die Interessen aller unter einen Hut zu bringen. „Mein Ziel ist es, einen spannenden, lehrreichen und lustigen Unterricht für die Schüler zu gestalten. Eltern, Kollegen, Direktion und auch die Bildungsdirektion haben dazu jedoch durchaus eigene Vorstellungen. Nach meinem ersten Schuljahr kann ich sagen, dass Fellows viel Flexibilität mitbringen sollten und keine Scheu, Pläne auch mal wieder über den Haufen zu werfen. Der Schulalltag, soweit es einen solchen überhaupt gibt, erfordert beides in hohem Maße. Ich nehme mir nach dem Unterricht auf der Heimreise daher immer etwas Zeit, den Schultag zu verdauen und für Selbstreflexion: Wie haben die Unterrichtseinheiten geklappt? An welchen Stellen besteht Entwicklungspotential? Wie kann ich meine Schüler noch besser motivieren?“

Mehr zur Person Alexander Wecht

Alexander Wecht hatte schon als Kind einen starken Gerechtigkeitssinn, machte sich in der Schule für andere stark, die ungerecht behandelt wurden. Nach der Schule war er Kaderathlet im österreichischen Flachwasser  Nationalteam  und  trainierte  in  Linz.  Daher  kam  ein Ortswechsel nicht in Frage und er entschied sich für die Johannes Kepler Universität. Er war Studienassistent und studentischer Mitarbeiter einer Linzer Wirtschaftskanzlei. In seiner Freizeit hält sich der 28-Jährige mit Laufen, Radfahren und Krafttraining fit und fährt nach wie vor Kajak.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden