Lokalaugenschein im Design Center Linz: Trotz massiver IT-Pannen bereit für Massentests im Bildungsbereich

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 04.12.2020 18:29 Uhr

OÖ/LINZ. Am Wochenende laufen die ersten Corona-Massentests in Oberösterreich an, gestartet wird mit den Beschäftigten im Bildungsbereich. Die Vorbereitungsarbeiten wurden auch in Oberösterreich von massiven Problemen mit der Bundes-IT erschwert. Dennoch, „wir bringen das hin“, versichert Brigadier Dieter Muhr, Militärkommandant von Oberösterreich. Tips hat sich vorab im Design Center angesehen, wie die Tests ablaufen.

An 20 Standorten werden die Mitarbeiter im Bildungsbereich am 5. und 6. Dezember in Oberösterreich getestet. Hauptverantwortlich für die Organisation und Durchführung dieser Tests zeigt sich das Bundesheer. „Federführend ist aber nur ein Wort. Im Prinzip sehen wir ein Ergebnis, wo alle in Oö zusammengearbeitet haben. Wir haben das gemeinsam zustande gebracht“, dankt Militärkommandant Dieter Muhr für die Zusammenarbeit.

Mit der Ankündigung von Bundeskanzler Sebastian Kurz aus den Medien erfahren hätte Muhr, dass das Bundeseehr diese Massentests hauptverantwortlich durchführen sollte. Es folgten die Planung gemeinsam mit Land OÖ, Städte- und Gemeindebund und Einsatzorganisationen. Vorab habe man sich zudem den Ablauf in Südtirol und der Slowakei angesehen. „Wichtig waren die Parameter: Wie viele Mitarbeiter brauchen wird, wie viele Personen pro Tag und Teststraße können getestet werden“, erläutert Muhr.

Beteiligt an dem Kraftakt der Massentestungen sind neben dem Bundesheer das Land OÖ, Stadt Linz, Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden, Polizei, Freiwilliger Feuerwehr, OÖ Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und viele freiwillige Helfer.

„Was wir hier im Design Center sehen, ist ein Symbol für ganz Oberösterreich, ein Symbol einer exzellenten Zusammenarbeit“, so auch Bürgermeister Klaus Luger beim Lokalaugenschein im Design Center. Und er unterstreicht: „Das sehr ambitionierte Ziel der Bundesregierung, allen Oberösterreichern einen Test anbieten zu können, dieses Ziel haben wir in Oberösterreich von 0 auf 100 in den letzten Tagen verwirklicht - nicht die, die das beauftragt und medial angekündigt haben.“

„Testlauf für nächstes Wochenende“

Militärkommandant Muhr unterstreicht, dass die Testungen der Mitarbeiter im Bildungsbereich auch der Probelauf für die Massentestung am darauffolgenden Wochenende sei, wo die gesamte Bevölkerung in OÖ aufgerufen und eingeladen ist, sich testen zu lassen. Bei den folgenden Massentests ist nicht mehr das Bundesheer federführend, sondern das Land OÖ.

LH-Stellvertreterin Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander: „Wichtig ist, dass wir lernen können für das kommende Wochenende, wo ja viel, viel mehr Menschen erwartet werden.“ Sie verweist auf die weiterhin angespannte Corona-Lage auch in den Spitälern, „wir versuchen Auswege aus dieser Pandemie zu finden. Ein Weg kann sein, dass man Menschen testet.“

 

Österreichweite Probleme mit dem IT-System des Bundes für die Testungen führten auch in Oberösterreich zu Problemen. „Diese kommenden beiden Tage sind auch für uns Lerntage“, so Luger, der bereits ankündigte, das IT-System des Bundes bei den Tests der Bevölkerung nicht verwenden zu werden. „Wir bekommen das in den Griff, wir möchten auch in erster Linie jetzt den Pädagogen sagen: Es wird funktionieren, wenn es da oder dort zu längeren Wartezeiten kommt bitten wir das zu verzeihen. Diejenigen, die hier arbeiten und testen, sind nicht diejenigen, die dafür verantwortlich sind“, so Luger.

 

Menschen standen schon am Freitag vor Design Center

Es herrsche am heutigen Tag einerseits sehr viel Freude über die Zusammenarbeit, er wolle aber „nicht verhehlen, dass es besser wäre, man würde uns einfach in Ruhe lassen. Nämlich dort in Ruhe lassen, wo Systeme zum Einsatz kommen die unausgegoren, unausgereift sind, und wo das Krisenmanagement des Gesundheitsministeriums in den letzten Tagen als inferior zu bezeichnen ist“, findet Luger erneut harte Worte.

Durch die Fehler im IT-System habe man in Linz die „charmante Situation“ gehabt, so Luger, dass Menschen schon am heutigen Freitag vor dem Design Center erschienen sind, obwohl noch Aufbautag war. 60 Personen kamen laut Muhr bereits bis Freitagmittag ins Design Center, weil ihnen Termine für Freitag zugeteilt wurden. Diese mussten aber nicht weggeschickt werden, sie konnten ihren Test durchführen lassen.

Weiteres Problem: Durch das System des Gesundheitsministeriums wurden für morgen und Sonntag doppelt so viele Termine freigeschaltet, als in Oberösterreich an diesen zwei Tagen bewältigt werden können - 60.000 statt der geplanten 28.000 Termine.

 

„Das System des Bundes hat noch gewaltiges Optimierungspotential“, formuliert es auch LH-Stellvertreterin Christine Haberlander. Sie und Luger bedankten sich beim Bundesheer und den Partnerorganisationen, die eingesprungen sind und bereits heute getestet haben sowie die Teststraßen erweitert haben, damit auch angemeldete Personen getestet werden können, die noch nicht zur Zielgruppe am ersten Wochenende gehören.

 

 

Testsystem des Bundes: Land entscheidet am Sonntag

Bürgermeister Klaus Luger hat bereits angekündigt, das IT-System des Bundes aufgrund der Pannen für die Massentests der Bevölkerung in Linz nicht zu verwenden, sondern auf ein eigenes Anmeldesystem zurückzugreifen. Ab 8. Dezember soll man sich als Linzer unter www.linz.at zum Massentest anmelden können.

Das Land OÖ will hier noch abwarten: „Wir werden die Situation in den kommenden 48 Stunden beobachten. Ich gehe davon aus, dass man im Gesundheitssystem sehr intensiv am System arbeitet. Wir werden diese Entscheidung am Sonntag treffen, auch in Absprache mit Bürgermeister Luger“, so Haberlander.

Teststation ist in wenigen Minuten durchlaufen

Die freiwilligen Antigen-Tests für den Bildungsbereich finden morgen und Sonntag jeweils von 8 bis 20 Uhr statt, an 20 Teststationen in Oberösterreich, darunter das Linzer Design Center. „Für Samstag sind bislang 2.500 Leute angemeldet, eine Zahl, die wir schaffen“, so Brigadier Muhr. Gleichzeitig schmunzelt er auch: „Ich weiß aber nicht, wie es morgen früh aussieht und ob 20 Personen oder 200 vor dem Design Center stehen“.

 

Die Teststraßen jedenfalls sind aufgebaut und vorbereitet.

Bei den Teststationen wird man bei Ankunft eingeteilt, es erfolgt Temperatur-Messung und Identitätsprüfung, der Durchlauf durch die Testsraße dauert nur rund zwei bis drei Minuten.

Sollte das IT-System nicht funktionieren, gibt es für den Notfall immer noch die analoge Erfassung der Daten über Formulare. „Wir haben auch Formulare vorbereitet und sind darauf eingestellt, parallel analog arbeiten zu können“, erläutert Muhr.

Die Pädagogen und Mitarbeiter im Bildungsbereich bekommen auf jeden Fall noch am selben Tag ihr Ergebnis mitgeteilt, versichert Haberlander, per SMS oder Mail. Sollte der Antigen-Test positiv ausfallen, folgt ein PCR-Test, jene Personen werden telefonisch kontaktiert. „Wenn der Antigen-Test positiv ausfällt, bitten wir darum, sich bis zum PCR-Test bereits vorzubereiten und die Kontaktpersonen zu überlegen, um das Contact Tracing zu erleichtern“, appelliert Haberlander gleichzeitig, die Möglichkeit, sich testen zu lassen, zu nutzen.

 

 

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