OÖ: Impfungen für Hochrisikopatienten bei Hausärzten startet

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 25.02.2021 13:22 Uhr

OÖ. Die Forderung nach einer raschen Covid-Impfung von Hochrisikopatienten, unabhängig vom Alter, ist laut: Ab 9. März werden die ersten Hochrisikopatienten in Oberösterreich bei niedergelassenen Ärzten geimpft. Die betroffenen Patienten werden dabei direkt vom Hausarzt kontaktiert. 14.400 Dosen stehen zu Beginn zur Verfügung.

„Der Start der Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten für diese besonders gefährdete Gruppe ist ein großer Schritt, damit wir den Impfstoff rasch und unkompliziert verabreichen können“, so Gesundheitsreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander. „Ich bedanke mich ausdrücklich für die Mithilfe der Ärzte und der Ärztekammer für OÖ. Uns ist bewusst, dass die Lieferung und Lagerung des Impfstoffes viel Flexibilität verlangt.“

Haberlander betont, dass sich Oberösterreich konsequent an den Impfplan des Bundes halte. Bei den Impfungen der über 80-Jährigen außerhalb der Heime sehe man, dass sich die Zahl der Infizierten schon verringert habe. Die gute Nachricht aktuell: Nur 14 Intensivbetten sind in Oberösterreich mit Covid-Patienten belegt.

Start ab 9. März

Die Erstimpfungen der ersten Patienten der Hochrisikogruppe (wer dazu zählt, siehe unten) werden ab 9. März in den Kalenderwochen 10, 11 und 12 stattfinden. Rund 600 Ordinationen sind bereit, die Impfungen durchzuführen, verwendet für die Impfung der Risikopatienten wird aktuell Biontech/Pfizer. Geliefert wird der Impfstoff vom Pharmahandel direkt an die Ordinationen. Zu Beginn (bis KW 12) stehen nach derzeitigem Stand gesamt 14.400 Impfdosen zur Verfügung.

Personen der Zielgruppe werden direkt von ihren Hausärzten über die Möglichkeit der Impfung informiert.

Hausärzte informieren Patienten

„Wir werden uns streng an die Risikopriorisierung des Bunds halten, aber es gibt niemanden, der besser weiß, als der Hausarzt, welche Patienten welches Risiko tragen“, erklärt Wolfgang Ziegler, Kurienobmann-Stellvertreter der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer für OÖ.

Nur ganz wenige Ärzte im niedergelassenen Bereich nehmen nicht teil, weil es etwa aus Platzgründen nicht möglich ist. Hier gibt es laut Ziegler eine Vereinbarung: „Diese Hausärzte werden sich Partner-Ordinationen suchen in naher Umgebung, die die Impfungen übernehmen und das entsprechende Kontingent an Impfdosen erhalten.“

Auch sei laut Ziegler sichergestellt, dass die Impfdosen tatsächlich an Hochrisikopatienten gehen, und nicht andere drankommen. „Wir halten die Priorisierungen des Gesundheitsministeriums ein, wir haben bei den Abfragen der Impfdosenbestellung die Kollegen auch unterschreiben lassen, dass sie den Impfstoff ordnungsgemäß verwenden“, so Ziegler.

Sollten bei einem Arzt, aus welchen Gründen auch immer Dosen, übrigbleiben, ist organisatorisch vorgesorgt, mit Listen von Hochrisikopatienten, die spontan kontaktiert werden. „Es ist für jede Liste eine Reserveliste vorrätig, das sollte hoffentlich gut funktionieren.“

Etwas Geduld haben 

Es können aber nicht sofort alle 90.000 Hochrisikopatienten in Oberösterreich geimpft werden, es wird um Geduld gebeten: „Natürlich wird es hier, gerade weil der Impfstoff immer noch ein knappes Gut ist, auch zu Enttäuschungen kommen. Seitens des Bundes wurde dem Land Oberösterreich allerdings zugesagt, dass die Lieferungen ab April in größeren Mengen und kürzeren Abständen erfolgen sollen“, so Haberlander. „Wir werden mit einigen 1.000 beginnen und dann konsequent bis Ende April weiterziehen, es wird aber einige Wochen brauchen, bis wir die Erstimpfungen durchgeführt haben werden. Wir sind extrem darauf angewiesen, was geliefert wird.“

Ebenso Ärztekammer für OÖ Präsident Peter Niedermoser: „Das Warten kann frustrieren und macht unsicher, aber wir haben noch zu wenig Impfstoff, in den nächsten Wochen wird das hoffentlich deutlich besser.“ Ziegler: „Wir führen in den Ordinationen schon länger eine Liste mit jenen Hochrisikopatienten, die sich impfen lassen wollen. Wir werden aber bestimmt niemanden vergessen, bitten um Geduld und tun unsere Bestes.“

Impfungen weiter auch in Spitälern

„Gleichzeitig zum Impfstart bei den Hausärzten werden in den Krankenhäusern wie bereits seit einigen Wochen ebenfalls weiterhin Hochrisikopatienten geimpft. Durch diese zwei Schienen hoffen wir, es möglichst rasch zu schaffen, dass alle Impfwilligen der geschätzt etwa 90.000 Hochrisikopatientinnen in Oberösterreich einen sicheren Schutz erhalten“, so Haberlander.

In den Spitälern wurden bis Donnerstag 600 Dialysepatienten geimpft, ab dieser Woche stehen in den Krankenhäusern weitere 1.200 Dosen für Transplantatempfänger, Mukoviszidosepatienten, Langzeitbeatmete, Immunsupprimierte und Menschen mit Trisomie 21 zur Verfügung.

Im Gesundheitsbereich fast durch

Niedermoser unterstreicht zudem: dass bis spätestens Anfang März der Gesundheitsbereich mit den Mitarbeitern in Spitälern und im niedergelassenen Bereich abgeschlossen sei. „Ich bin sehr stolz, dass das so gegangen ist“, so Niedermoser. „Seit März beschäftigt uns Covid rund um die Uhr, man schläft mit diesem Wort ein und wacht damit auf. Aber wir schaffen das miteinander in Oberösterreich, ich danke für gemeinsamen Weg mit allen Playern.“

Neue Termine für über 80-Jährige

Derzeit würden in OÖ wöchentlich 20.000 Erstimpfungen und 10.000 Zweitimpfungen durchgeführt. „In den letzten beiden Wochen gab es fast ausschließlich Zweitimpfungen bei über 80-Jährigen. Kommende Woche werden bei diesen die letzte Gruppe kontaktieren für einen Termin“, so Impfkoordinator Franz Schützeneder.

Hochrisikogruppe laut Nationalem Impfgremium

  • Trisomie 21
  • Personen mit Demenz, intellektuellen oder körperlichen Behinderungen in Betreuungseinrichtungen
  • Fortgeschrittene funktionelle oder strukturelle chronische Lungenkrankheit, welche eine dauerhafte, tägliche, duale Medikation benötigt, wie pulmonale Hypertonie, Mucoviscidose/zystische Fibrose sowie COPD im fortgeschrittenen Stadium GOLD III ab Patientengruppe C
  • Chronische Herzerkrankung mit Endorganschaden, die dauerhaft therapiebedürftig ist, wie ischämische Herzerkrankung sowie Herzinsuffizienz
  • Aktive Krebserkrankung mit einer jeweils innerhalb der letzten sechs Monate erfolgten onkologischen Pharmakotherapie (Chemotherapie, Biologika) und/oder einer erfolgten Strahlentherapie sowie metastasierende Krebserkrankung auch ohne laufende Therapie
  • Erkrankung, die mit einer dauerhaften und relevanten Immunsuppression behandelt werden muss, wie Knochenmarkstransplantation innerhalb der letzten zwei Jahre oder unter einer immunsuppressiven Therapie oder mit Graft vs Host Disease, Organtransplantation innerhalb des letzten Jahres oder unter einer immunsuppressiven Therapie oder mit Graft vs Host Disease, Immunsuppression wie zum Beispiel mit Cyclosporin, Tacrolimus, Mycophenolat Azathioprin, Methotrexat Tyrosinkinaseinhibitoren, laufender Biologikatherapie (bei nicht onkologischer Diagnose) sowie HIV mit hoher Viruslast
  • Chronische Dialyse, fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung wie chronische Niereninsuffizienz mit glomerulärer Filtrationsrate < 45 ml/min, bei Nierenersatztherapie sowie bei St.p. Nierentransplantation
  • Chronische Lebererkrankung mit Organumbau und dekompensierter Leberzirrhose ab Childs-Stadium B
  • Ausgeprägte Adipositas ab dem Adipositas Grad III mit einem BMI >= 40
  • Diabetes mellitus Typ I mit regelmäßig erhöhtem HBA1c > 7,5%, Typ II mit regelmäßig erhöhtem HBA1c > 8,5% sowie Typ I oder II mit Endorganschäden
  • Arterielle Hypertonie mit bestehenden Endorganschäden, insbesondere chronische Herzoder Niereninsuffizienz, oder nicht kontrollierbarer Blutdruckeinstellung
  • Sonstige schwere Erkrankungen mit funktionellen oder körperlichen Einschränkungen, die einen ebenso schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 wie bei den hier gelisteten Krankheitsbildern annehmen lassen.
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