„Lost Generation“ oder doch nur Jugendliche in einer globalen Krise

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Einen Großteil des letzten Jahres verbrachten die Schüler im Homeschooling. Foto: Geobor/Shutterstock.com
Marlis Schlatte Marlis Schlatte, Tips Jugendredaktion, 20.04.2021 13:08 Uhr

LINZ. Die Jugend ist die Zeit des Wandels von der Unselbstständigkeit zur Unabhängigkeit. Doch wie erlebt man seine Jugend- und Schulzeit während einer weltweiten Pandemie? Ist der Begriff „Lost Generation“ gerechtfertigt? Tips hat bei der Generation Z persönlich nachgefragt.

Freunde treffen, ins Kino gehen, fortgehen, Maturaball oder Abschlussreise – „das, was Junge halt so machen“, können sie momentan eigentlich gar nicht oder nur eingeschränkt machen. Viele schließen daraus, dass die Gene-ration Z also nichts macht. Dann fallen Sätze wie „Die Matura wird euch ja geschenkt!“ oder „Ihr habt ja eh das ganze Jahr jetzt Ferien gehabt!“. Aussagen, denen die Schülerin des Khevenhüller Gymnasiums, Marlene Palmetzhofer, nichts abgewinnen kann: „Ja, auch von Lehrern haben wir so etwas zu hören bekommen. Durch die vielen Aufträge sind wir anfangs aber oft bis spät am Abend dran gesessen. Immer mit dem Druck, ja nichts zu übersehen. Man konnte da auch am Wochenende nie abschalten. Man hängt irgendwie so in der Luft und weiß nicht, ob der Lernumfang reicht, den man aufgebracht hat.“

Tücken des Homeschoolings

Schwierig wurde der Unterricht von zuhause auch teilweise dann, wenn nicht nur Marlene selbst, sondern auch ihre Schwester und ihre Eltern im Homeschooling und Homeoffice waren. „Das Problem waren bei uns eher die doch recht lauten Hintergrundgeräusche, wenn zum Beispiel jemand anderer eine Videokonferenz hatte. Vom Platz her hat das bei uns gut funktioniert, aber ich weiß, dass das bei vielen nicht so einfach war, auch wegen der benötigten Geräte.“ Paul Retsch, der eine Lehre als Kälteanlagen- und Elektrotechniker macht, erfuhr in seiner Berufsschule sehr viel Toleranz der Lehrer, unter anderem bei coronabedingten Ausfällen von Tests und Schularbeiten. Auch der Klassenzusammenhalt wurde durch die Pandemie sogar noch gestärkt. „Mit Videokonferenzen hat das nach einer Zeit ja dann doch sehr gut funktioniert. Natürlich war es am Anfang total chaotisch, aber das war ja auch für alle neu.“

Selbstständigeres Arbeiten

Als positiv erwähnt Marlene vor allem die ständige Erreichbarkeit vieler Lehrer. „Und, was uns für das spätere Leben auf jeden Fall zugutekommt, ist die Selbstständigkeit, die wir uns in dieser Zeit angeeignet haben. Beim Lernen daheim ist man ja oft ganz auf sich allein gestellt. Für ein späteres Studium oder fürs Arbeiten haben wir uns dadurch sicher viel mitnehmen können.“ Im weiteren Werdegang besteht für die Maturantin und ihre Mitschüler jedoch ein großes Fragezeichen. Berufsmessen oder Schnuppertage fallen flach, Universitäten können nicht besucht werden. „Bei manchen gibt es eine Online-Vorstellung, sodass man zumindest einen kleinen Eindruck davon bekommt. Aber da werden einem schon sehr viele Möglichkeiten genommen!“, erläutert Marlene das Problem.

Erste Krisenerfahrungen

Soziale Kontakte gestalteten sich für die beiden anders als sonst. „Durch Tätigkeiten bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Sport im Freien hatte ich schon hin und wieder die Möglichkeit, Freunde zu treffen“, erklärt der 19-jährige Lehrling. Ein wichtiges Mittel, um in Kontakt zu bleiben, war auch das Videochatten bei der 18-jährigen Schülerin und ihren Freunden: „Im ersten Lockdown habe ich mit meinen Freundinnen aus der Schule teilweise bis zu fünf Stunden täglich im Videochat verbracht. Wir haben zusammen die Aufgaben gemacht und miteinander geredet. Das hat wirklich gutgetan!“ Teilweise bemerkte die Schülerin schon, dass es vielen während der Fernlehre im Lockdown oft psychisch nicht gut ging. In der Schule selbst kommt dieses Thema neben dem Unterrichtsstoff jedoch meist viel zu kurz. „Vor allem diejenigen, die schon vorher psychisch belastet waren, wie etwa durch eine Essstörung, trifft diese Situation noch stärker. Viele Jugendliche erfahren zum ersten Mal, dass das eigene Leben und das Leben geliebter Menschen verletzlich sein kann. Ihnen fehlt auch die Erfahrung, um wissen zu können, dass Krisen bewältigt werden können. Vor allem die große Ungewissheit und die Einsamkeit bereiten den Jugendlichen Sorgen und Ängste.“, weiß Silvia Breitwieser, Leiterin der Telefon Seelsorge Oberösterreich. Dort wird unter anderem auch eine Chatberatung angeboten, die vor allem von jungen Menschen genutzt wird. „Wichtig ist, sich an jemanden zu wenden und Hilfe anzunehmen, um aus seinem Gedankenkreis auszubrechen. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss, sondern ganz normal in einer schwierigen Zeit.“

Zuversichtliche Generation Z

Obwohl das letzte Jahr gerade auch für viele Jugendliche eine Herausforderung war, wollen sie sich nicht als „lost“ bezeichnen oder im Jammertal versinken. „Sicher hätte ich gerne einen Maturaball gehabt, genauso wie eine Maturafeier oder eine Abschlussreise. Aber wenn man das in Relation mit einer Pandemie stellt, komm ich mir dann blöd vor, wenn ich mich groß darüber aufrege.“, meint die 18-Jährige. Auch Paul sieht die Situation so weit es geht gelassen: „Zu uns haben sie schon teilweise gesagt: “Ihr werdet euch anschauen – euch wird die Bildung fehlen und weniger Geld bekommt ihr auch!' Aber ganz ehrlich: Die Situation ist jetzt nun mal so wie sie ist und betrifft sowieso alle. Ich mach mir da jetzt keine großen Sorgen für die Zukunft. Es kommt, wie es kommt.„

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