Neue Hinweiskarte soll vor Hangwasser-Gefahr schützen
OÖ. Nicht nur Hochwasserereignisse, sondern auch Überflutungen durch Hangwasser nach Starkregen sind eine Gefahr für bestehende Siedlungen, aber auch die Landwirtschaft. Um die Situation besser einschätzen zu können, wurde 2020 vom Land OÖ der Beschluss gefasst, eine Hangwasserhinweiskarte für das gesamte Landesgebiet zu erstellen. Diese Karte kann nun von allen Interessierten über DORIS eingesehen werden und wird den Gemeinden und Ortsplanern zur Verfügung gestellt.

Die EU, der Bund und das Land OÖ haben Fördermittel im Rahmen des LE Programms aufgebracht. Die nun verfügbare Hangwasserhinweiskarte OÖ stellt die zu erwartenden Hangwasserabflussbereiche sowie die Fließgeschwindigkeiten des Wassers dar. Der Simulation liegt ein Starkniederschlagsereignis mit einer Auftrittswahrscheinlichkeit von 100 Jahren und einer Dauer von 30 Minuten zugrunde. In einer Auflösung von 1:10.000 ist die Karte über DORIS zur Verfügung. Eine Expertenanwendung für die Gemeinden, WLV, Ortsplaner und Land OÖ ist in Vorbereitung. Sowohl die Hangwasserhinweiskarte OÖ für Interessierte als auch die Expertenanwendung basieren auf den gleichen Berechnungen.
Zusätzliches Informationsangebot - Gefahrenbewusstsein schärfen
Bereits bisher wurde in den Verfahren das Thema Hangwasser mitbehandelt. Die neue Karte ist ein zusätzliches Informationsangebot, das erstmalig eine einheitliche und standardisierte Darstellung des Abflussgeschehens bietet.
Ziel ist es, mit der Hangwasserhinweiskarte das Gefahrenbewusstsein zu verbessern. Die Kenntnis über die Hangwassergefährdung ist Voraussetzung für das Ergreifen geeigneter Maßnahmen. Die Karte eignet sich auch für präventive Maßnahmen. Insbesondere bei Raumordnungs- und Bauverfahren bietet die Karte objektive, auf Fachgrundlagen aufbauende Berechnungsergebnisse. Damit liegen wichtige Fachgrundlagen für die notwendigen wasserbautechnischen Projekte vor.
Für Raumplaner, Häuslbauer
„Mit den Hangwasserhinweiskarten schließen wir eine längst überfällige Lücke. Das Spezielle an diesen Hinweiskarten ist, dass sie auf mehreren Ebenen informativ und hilfreich sind. Für die Raumplanung und Baulandentwicklung sind sie eine wichtige Informationsquelle für eine vorausschauende Planung zur Entwicklung von Regionen und Gemeinden. Für Bauträger und Häuslbauer bieten sie wertvolle Informationen darüber, wo entsprechende Maßnahmen zum Schutz vor Hangwasser einzuplanen und zu budgetieren sind, um nicht sprichwörtlich auf Sand zu bauen“, sieht LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) einen weiteren „wichtigen Knoten im oberösterreichischen Sicherheitsnetz“. Sicherheits-Landesrat Wolfgang Klinger (FPÖ) ergänzt: „Auch die Raumordnung kann in einem hohen Maße von diesen Karten profitieren und Widmungen an die Gefährdungslage anpassen. Dort, wo durch die Hangwasserhinweiskarte eine Gefährdung bestehender Siedlungsgebiete oder Häuser erkennbar wird, kann durch gezielte Kleinmaßnahmen die Gefahr eines Schadens durch Hangwasser massiv verringert werden.“
Vermeidet Abschwemmung in der Landwirtschaft
Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP): Sowohl aus Sicht der Landwirtschaft als auch aus Sicht der Gemeinden sind verlässliche Information über mögliche Hangwässer entscheidend. So erleichtert die Hangwasserkarte die Vermeidung von Abschwemmungen in der Landwirtschaft. Gesunde, humusreiche Böden sind als Produktionsgrundlage der Landwirtschaft schließlich unersetzbar. Aber auch für die Gemeinden sind die enthaltenen Informationen zentral. Sie erhöhen die Planungssicherheit und sichern die Infrastruktur.
Für Gemeindebund OÖ-Präsident Hans Hingsamer ist wichtig, dass im Besonderen die Bürgermeister als Baubehörde ein optimales Handwerkzeug für Bauverfahren bekommen. Dies heißt in der Folge, dass die Gefahrenhinweiskarte-Hangwasser eine Grundlage für Auflagen im Baubescheid sein wird. Auf etwaige Gefahren ist damit schon im Bescheid hinzuweisen. Das ist die eine Seite. Das bedeutet aber auch, dass die Bürgermeister durch die öffentliche Karte geradezu auf Gefahren hingewiesen werden und eine große Verantwortung damit verbunden ist. Damit sind Gefahren für die Baubehörde unbestritten bekannt. Auflagen im Baubescheid sind damit für erfasste Risikobereiche erforderlich und in diesen Fällen zwingend notwendig.“
Informationsveranstaltungen
Bei Bedarf gibt es auch eine Informationsveranstaltung für Gemeinden und Magistrate. Anmeldung dazu unter hw.ww.post@ooe.gv.at mit dem Betreff „Hangwasser Gemeindeinfo“.


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