Impfgegner belagerten Linzer Kinderhort

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Jürgen Affenzeller Tips Redaktion Online Redaktion 20.01.2022 07:59 Uhr

LINZ. Im Zuge der Demonstrationen gegen die Impfpflicht am Mittwoch in Linz wurde auch ein Kinderhort in der Wienerstraße zum Schauplatz trauriger Szenen: Mehr als eine halbe Stunde lang skandierten Demo-Teilnehmer ihre lautstarken Parolen in Richtung der Kinder im Hort. „Die Angst stand den Kindern bis zur Abholung ins Gesicht geschrieben“, so eine Mutter. „Lasst unsere Kinder in Ruhe“, fand auch Landeshauptmann Thomas Stelzer dazu deutliche Worte.

Der Demonstrationszug geriet gegen 15.30 Uhr ins Stocken, als Demonstranten einige Kinder am Fenster sahen, die neugierig waren. Daraufhin wurden Parolen der Demonstranten in Richtung des Hort-Gebäudes gerichtet. So wurde Angaben zufolge etwa auch „Eure Eltern töten euch mit der Impfung“ per Megafon skandiert.

Die Pädagogen bemerkten daraufhin, dass einige Fotos und Videos von den Kindern gemacht wurden. Daraufhin wurden im ganzen Haus die Vorhänge zugezogen. In weiterer Folge riefen die Demonstranten draußen minutenlang etwa „Vorhänge auf!“.

Laut Hort-Mitarbeitern zogen sie erst nach mehr als einer halben Stunde weiter. „Die Angst stand den Kindern bis zur Abholung ins Gesicht geschrieben - einige verbalisierten diese auch“, ist eine Mutter fassungslos.

LH Stelzer: „Lass unsere Kinder in Ruhe“

„Es ist unerträglich, wenn einzelne radikale Demonstrierende vor einem Hort aufziehen und mit ihren Parolen und mit ihrem Geschrei – wenn auch nur vielleicht unbewusst - Kinder verängstigen. Lasst unsere Kinder in Ruhe“, fordert Landeshauptmann Thomas Stelzer nach der stattgefundenen Protestaktion vor dem Linzer Hort.  

Der Vorfall sei nach den Übergriffen auf Medienvertreterinnen und -vertretern und auf das Gesundheitspersonal eine weitere eindeutige Grenzüberschreitung. „Das Recht eines jeden endet dort, wo man in die Rechte anderer eingreift. Die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht sind in einer Demokratie hohe Güter, die wir weiterhin mit aller Kraft beschützen werden. Gleichzeitig muss aber auch ein Weg gefunden werden, damit eine laute Minderheit, das Leben der schweigenden Mehrheit nicht ständig beeinträchtigt“, so der Landeshauptmann.

„Mit über einer Million geimpften Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher und rund 2,7 Millionen verabreichten Impfdosen hat sich der Großteil der Landsleute bereits die Schutzimpfung abgeholt und täglich kommen weitere hinzu. Wir werden daher weiter auf jene zugehen, die gegenüber der Impfung noch skeptisch sind und geduldig Antworten geben und aufklären. Radikalen Kräften werden wir jedoch entschlossen entgegentreten“, steht für Stelzer fest. Dahingehend begrüßt der Landeshauptmann auch die im Ministerrat beschlossene Regelung, Schutzzonen zum Schutz des Gesundheitspersonals vor Gesundheitseinrichtungen einzurichten.  

Luger: Kinderbetreuungseinrichtungen sollen zu Schutzzonen werden

„Es ist unerträglich, dass diese Demonstranten derart lautstark vor Horten oder Schulen Kindern Angst einflößen, diese filmen und fotografieren, weil sie Masken tragen“, zeigt sich der Linzer Bürgermeister Klaus Luger entsetzt. „Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, welches niemand in Frage stellt. Doch es gibt kein Recht darauf, Kinder zu verängstigen und zu verstören, sodass sie schockiert und weinend in ihren Klassenzimmern sitzen“, betont Luger.

Aufgrund der aktuellen Ereignisse veranlasste Klaus Luger die sofortige Prüfung, Schulen, Kinderbetreuungs-, Senioren- und Gesundheitseinrichtungen als Schutzzonen zu deklarieren. Damit soll gewährleistet werden, dass Demonstrationen nicht im Umfeld dieser Einrichtungen stattfinden dürfen. In solchen Fällen ist die Polizei definitiv gefordert, solche Aktionen unverzüglich zu unterbinden.

Baier: „Kindergärten, Schulen und Horte vor Demo-Eskalationen schützen“

„Die Vorkommnisse sind erschreckend und haben nichts mit Meinungsäußerung und Kritik zu tun. Solche problematischen Zwischenfälle dürfen sich nicht wiederholen. Wir brauchen Schutzzonen vor Kindergärten, Schulen und Horten, um die Sicherheit unserer Kinder zu gewährleisten“, stellt Vize-Bürgermeister Bernhard Baier klar.

Die Szenen, die sich gestern vor dem Hort in der Wienerstraße abgespielt haben sind erschreckend. Eine halbe Stunde lang wurde der Hort regelrecht belagert. Die Demonstranten wandten sich sogar mit einem Megafon mit Aussagen wie „Eure Eltern töten euch mit der Impfung“ direkt an die Kinder, die natürlich vollkommen verängstigt waren. Es zeigt sich, dass es ein besorgniserregendes Gewaltpotential unter einigen Demonstranten gibt, und dass die Organisatoren das Geschehen nicht kontrollieren können oder wollen. „Solche Vorkommnisse sind nicht zu rechtfertigen. Leider ist es notwendig, jetzt Schutzzonen einzurichten, um Kinder, Eltern und die Mitarbeiter zu schützen“, stellt Baier klar.

Gerstorfer: „Kindertränen sind nicht zu akzeptieren!“

„Überaus besorgt und erschrocken“ zeigt sich die oberösterreichische Kinderschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer nach der gestrigen „Belagerung“ eines Linzer Hortes am Rande einer Demonstration gegen die Impfpflicht.  

Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit darf nicht zu belagerungsähnlichen Zuständen rund um einen Kinderhort führen, in dem sich sechs bis zehnjährige Kinder aufhalten. Wenn diesen Kindern zugerufen wird, ihre Eltern würden sie durch die Impfung töten, dann ist neuerlich eine rote Linie überschritten.

Ruf nach Prüfung von Schutzzonen 

„Diese zur Schaustellung eines völlig verrohten Sittenbildes ist bedenklich und daher richte ich einen dringenden Aufruf zur De-Eskalation an die Organisatorinnen und Organisatoren und an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Kundgebungen“, stellt sich die Kinderschutz-Landesrätin schützend vor die Kinder, die durch diesen Vorfall verständlicher Weise völlig verängstigt wurden. „Kindergärten, Spitäler, Schulen und andere Einrichtungen sind besonders sensibel. Es ist zu prüfen, ob Schutzzonen möglich sind“.

„Die Kinder und Jugendlichen haben unter den Folgen der COVID-19 Pandemie ohnehin genug zu leiden. Hier gilt es entsprechende Hilfs- und Unterstützungsangebote auf den Weg zu bringen, wie ich es in der Kinder- und Jugendhilfe, im Jugendschutz und gemeinsam mit der Oö. Kinder- und Jugendanwältin tue. Was absolut nicht geht, ist, wenn Erwachsene ihren Frust und ihre Aggressionen über die Maßnahmen gegenüber Kindern entladen, wie das gestern passiert ist. Ich habe Vertrauen in unseren Rechtsstaat, dass es für die Rädelsführer und Mitläufer Konsequenzen geben wird.“

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Kommentare

  1. Christine B.
    Christine B.26.01.2022 23:55 Uhr

    Hortbelädtigung von Impfgegnern - Mein Nachbar, 66 J. und das 1.x in seinem Leben auf Demonstrationen, war dabei und das Einzige, was gesagt wurde, war: "Ihr könnt die Vorhängw ruhig aufmachen". Kein Wunder, dass dann bei den OÖN "Lügenpresse" gerufen und laufend Zeitungdabos gekündigt wurde(n).



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