Corona: Verschwörungstheorien von Linzer Studenten beleuchtet
LINZ. Mit dem Thema „Corona und Verschwörungstheorien“ haben sich 26 Studierende der Sozialwirtschaft zwei Semester lang intensiv beschäftigt. Bei der Präsentation des Endberichtes war auch Tips mit dabei.

„Bill Gates will uns allen Mikrochips implantieren“, „Es gibt eine elitäre Gruppe, die im Hintergrund die Weltherrschaft an sich reißt“, „Manipulierte Fledermäuse haben das Corona-Virus übertragen“ – nur drei der vielen Verschwörungstheorien, die rund um die Corona-Pandemie weltweit kursieren und in den Social-Media-Netzwerken hitzig diskutiert werden. Dazu kommt das aktuelle Streitthema der Impfpflicht, wo viele die „Wahrheit“ für sich gepachtet sehen.
In einer zweisemestrigen Lehrveranstaltung haben Studierende der Sozialwirtschaft verschiedene Aspekte dazu erforscht, bis hin zu möglichen Gegenstrategien, um gegen Verschwörungstheorien vorzugehen. „Gleich vorweg: Den typischen Verschwdörungsgläubigen gibt es nicht, weder ein bestimmtes Alter, die Religion oder der Bildungsstand sind dafür generell ausschlaggebend“, betont Studentin Theresa Lendlmaier. Vielmehr seien Personen anfällig, wenn sie in einer persönlichen Krise stecken und wenn etwas passiert, was nicht vorhersehbar für sie war. „Ein Einzelunternehmer, der durch die Corona-Pandemie zusperren musste, sucht und findet vielleicht schneller einen Schuldigen für diese Situation“, so Lendlmaier.
Gefahr der Spaltung
Theresa Lendlmaier ergänzt: „Verschwörungstherorien an sich gibt es schon seit über hundert Jahren, sie tun an sich auch keinem weh. In manchen Fällen, wo das Potenzial der Spaltung besteht, ist es jedoch eine Gefahr für die Gesellschaft und können gewaltsam werden. Ein Maskenverweigerer hat etwa in Deutschland einen Tankstellen-Angestellten erschossen.“
Angetretene Gegenbeweise, selbst von der Wissenschaft, sind für Verschwörungstheoretiker oft erst recht „Beweis, dass etwas verheimlicht wird“. Tendenziell wird durch die Kommunikation im Internet in der eigenen „Blase“, wie auf Reddit, Twitter oder Telegram, die eigene Meinung dazu noch verstärkt. „Meldungen, die nicht in das eigene Weltbild passen, werden als irrelevant angesehen“, weiß Tobias Stabel. Manche zweifelhafte Online-Stars wie Eva Herman (200.000 Follower, 40.000 Personen rufen ihre Nachrichten regelmäßig auf), streuen in ihren Plattformen auch persönliche Beiträge über ihren Alltag ein, dadurch wird der Auftritt auch persönlich, glaubwürdig und sehr nahe.
„Zivilcourage“ digital zeigen
Doch wie kann man selbst aktiv auf solche Diskussionen reagieren, wo sind Staat und Medien gefordert? Natalie Metzger und ihre Gruppe haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt: „Die Medienkompetenz an der Schule ist zweifellos wichtig, um jungen Menschen beizubringen, wie man mit Informationen umgeht. Die Problematik betrifft aber auch die Generation 50 Plus, die nicht genau weiß, wie sie mit Online-Medien umgehen sollen. Dazu kommt die immer wichtiger werdende Zivilcourage im digitalen Raum, sprich in Online-Foren und bei Kommentaren sollte man klar seine Meinung auch äußern und kommunizieren. Schweigen wird in Online-Diskussionen oft als Zustimmung verkannt.“
Doch wie kann selbst aktiv auf solche Diskussionen reagieren und wo sind Staat und Medien gefordert? „Demokratie setzt ein gewisses Grundvertrauen der Bürger in staatliche Institutionen aus. Das Zusammenleben kann nur dann funktionieren, wenn der Rechtsstaat grundsätzlich funktioniert. In dem Bereich werden diese Dinge derzeit laufend in Frage gestellt“, so Natalie Metzger.
Und Thomas Küllinger ergänzt: „Wenn man jemanden im eigenen Umfeld kennt, sollte man nicht in Panik verfallen oder ausfällig werden, sondern der Person weiter wertschätzend gegenübertreten.“


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