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OÖ. Knapp zwei Jahre hat die Corona-Pandemie Oberösterreich, wie auch den Rest der Welt, fest im Griff. Auch wenn am 5. März ein Großteil der Maßnahmen fallen, sei die Pandemie aber nicht vorbei, mahnt Gesundheits-Landesrätin LH-Stv. Christine Haberlander. In OÖ setzt man auch in Zukunft auf die Impfung. Genauso brauche es aber auch eine neue bundesweite Teststrategie. Corona-Experte Bernd Lamprecht pocht auf den Immunitätsgrad, nur dieser ermögliche die lang ersehnte Normalität.

 (Foto: Land OÖ/Stinglmayr)
(Foto: Land OÖ/Stinglmayr)

5.858 Neuinfektionen wurden von gestern auf heute in Oberösterreich verzeichnet, insgesamt sind 36.837 Oberösterreicher aktuell infiziert. „Zahlen, mit denen wir mittlerweile gelernt haben zu leben, die uns sogar an Öffnungsschritte denken lassen. Vor einem oder gar zwei Jahren wäre das unmöglich erschienen“, so Haberlander, sogar Anfang Jänner habe man noch von einem möglichen weiteren Lockdown gesprochen. Von einer entspannten Situation sei man aber trotzdem weit entfernt. „So zuversichtlich wir auch den nächsten Wochen und Monaten entgegenblicken, dürfen wir nicht glauben, dass die Pandemie vorbei ist“, mahnt die Gesundheits-Landesrätin.

Bundesweit einheitliche Teststrategie

Ein aktuelles Thema sei, wie es mit dem Testen weiter geht. „Das ist eine Aufgabe, die sich die Bundesregierung zu eigen gemacht hat, die rasche Ausarbeitung einer bundesweiten Teststrategie, die auch finanzierbar ist“, so Haberlander. Insgesamt wurden in OÖ mittlerweile rund 17 Millionen Antigentests und fast 5,1 Millionen PCR-Tests durchgeführt. Alleine im Jahr 2021 wurden dafür mehr als 170 Millionen Euro ausgegeben.

OÖ setzt weiter auf die Impfung

Das wichtigste Mittel in OÖ bleibt das Impfen - auch wenn die Impfpflicht selbst aktuell von einer Kommission neu bewertet wird und man in OÖ am letzten Wochenende einen Tiefstand mit 27 Erstimpfungen verkraften musste. Mit punktgenauen Kampagnen will man jene Menschen abholen, die sich bisher noch nicht impfen haben lassen. „Wir haben zum zweiten Mal eine Studie durchgeführt, wo wir genau die Motivgründe abgefragt haben. So haben vor allem junge Frauen Sorgen und Ängste, die wir versuchen wollen zu nehmen“, so Haberlander. An Impfstraßen des Landes werden ab kommenden Freitag etwa auch persönliche Beratungsgespräche angeboten. Aber auch notwendige Auffrischungsimpfungen sollen forciert werden.

Auch Bernd Lamprecht, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie am Kepler Universitätsklinikum, betont erneut die Wichtigkeit der Impfung für den weiteren Verlauf. Dass bei 7-Tages-Inzidenzen zwischen 2.000 und 2.500 Lockerungen durchführbar sind, habe mit der Impfung zu tun. „Ein großer Teil der Bevölkerung ist zumindest vor einer schweren Erkrankung geschützt. Natürlich nicht vor einer Infektion oder der Entwicklung von Symptomen, aber zumindest ist die Gefahr gebannt, dass sehr viele Menschen im Spital behandelt werden müssen“, so Lamprecht. Aktuell werden in OÖ 31 Patienten auf Intensivstationen und 226 auf Normalstationen behandelt, damit liege man sehr genau in den Prognosen.

Normalität hängt von Immunität ab

Hält das an, was die letzten Monate versprochen haben, könnte heuer für Lamprecht die viel herbei gesehnte Normalität einziehen, „nämlich wenn die Übersetzung von Infektionszahlen in Hospitalisierungszahlen nicht mehr in dieser dramatischen Weise erfolgt, sondern in einem immer günstigeren Verhältnis“. 2022 könnte das Jahr sein, in dem die Verwandlung von Pandemie in eine Endemie gelingen könnte.

Eine wichtige Rolle spielt dabei aber der Immunitätsgrad der Bevölkerung. „Die Normalität, nach der sich alle sehnen, kommt nur mit der Immunität und mit dieser verschwindet sie auch wieder“, so Lamprecht. Aktuell würde in etwa Dreiviertel der oö. Bevölkerung einen teilweisen bzw. vollständigen Schutz genießen, sei es durch Impfung oder durch den Kontakt mit dem Virus. „Damit sind wir aber von der Quote, die wir uns als Mediziner wünschen noch ein Stück weit entfernt. Wir hätten gerne 80, 85 oder gar 90 Prozent, dann wären wir sicher, dass Spitäler auch bei sehr aktivem Infektionsgeschehen nicht unter erheblichen Druck kommen würden.“ Zwar habe er keinen Zweifel, dass Oberösterreich beim Immunisierungsgrad in den nächsten Wochen noch einige Prozentpunkte zulegen werde, zwar mehr wegen einer Infektion als einer Impfung, aber bei 90 Prozent wäre man dann immer noch nicht.

„Erst wenn wir einen großen Teil der Bevölkerung vor einer schweren Erkrankung schützen können, dann werden wir auch auf diese belastend empfundenen Maßnahmen wie Maske, Abstand, Personenobergrenzen etc. verzichten können, aber eben nur dann. Sonst bleiben diese Maßnahmen ein notwendiges Flickwerk, um Löcher in unserem Schutzschirm zu stopfen und diese Löcher sind vorhanden“, betont Lamprecht.

Im Hinblick auf künftige Auffrischungsimpfungen gehen Experten davon aus, dass man zumindest dem vulnerablen Teil der Bevölkerung, also den Älteren, chronisch Kranken oder Immungeschwächten diese Möglichkeit anbieten müsse, zumindest vor dem Winter. „Nachdem etwa bei älteren Menschen das Immunsystem insgesamt Schwächen zeigt und ein Schutz von Impfungen insgesamt nicht so lange anhält, gehen wir davon aus, dass zumindest jene das Angebot brauchen werden.“ Generell gebe es aber allerhand Bemühungen, nur angenommen müssen sie halt dann auch werden. So könnte eine Kombiimpfung von Grippe und Corona kommen, vielleicht auch in Form eines Nasensprays. „Wir werden wohl noch viel mehr erklären und überzeugen müssen, als wir eh schon tun“, so Lamprecht.


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