„Linzer Naherholungsgebiet droht die Zerstörung“

Jürgen Affenzeller Tips Redaktion Jürgen Affenzeller, 07.07.2022 16:45 Uhr

LINZ. Mit der Eröffnung einer dauerhaften Baumplattform im Linzer Bergschlösslpark haben Klima-Aktivisten am Donnerstag ein Zeichen des Widerstandes gegen den Bau der Westring-Autobahn A26 gesetzt. Bis Herbst sollen zudem die nötigen Unterschriften für die Einleitung einer Volksbefragung zum Bau der A26 gesammelt werden.

„Ab 2024 soll die A26-Bahnhofsautobahn errichtet werden. Diese Autobahn würde nicht nur zehntausende zusätzliche Autofahrten mitten ins Linzer Stadtzentrum bringen, es droht auch die Zerstörung der Bergschlösslparks, eines wunderbaren Naherholungsgebietes am Fuße des Froschbergs“, so der Tenor bei der Eröffnung.

Laut Asfinag-Plan führen ins bzw. aus dem Bahnhofsgebiet drei große Tunnelportale mit insgesamt sieben Fahrspuren.

Ausgehend vom Klimacamp Ende Juni haben Klima-Aktivisten daher eine dauerhafte Baumplattform an der südlichen Grenze des Bergschlösslparks errichtet, die am 7. Juli der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Diese Baumplattform soll ein ständiges Zeichen des Widerstandes sein: gegen die drohende Zerstörung dieses historischen Naherholungsgebietes und gegen die geplante A26-Autobahn, die die Lebensqualität nicht nur rund um den Bahnhof, sondern in ganz Linz dauerhaft beeinträchtigen würde.

Offene Baugrube zerstört Bergschlösslpark

Günter Eberhardt von der Linzer Baumrettungsinitiative: „Zwischen Ziegelei-, Sophiengut- und Waldeggstraße sowie Ziegeleipark und den Verkehrsinseln vor dem Wissensturm ist der gesamte Baumbestand mit 140 Bäumen zur Fällung vorgesehen, zusätzlich noch ca. 25 Bäume im südlichen Bereich des Bergschlösslparks.“ Dazu kommt: „Durch Probebohrungen wurde der problematische Untergrund bekannt: Im Bereich Waldeggstraße 16 m Lehm mit Mergel und im Bereich der Froschbergstraße 40 m Lehm mit Mergel und gespannten Wasser. Somit ist ein Tunnelvortrieb im Portalbereich nicht möglich und es werden offene Baugruben erforderlich sein, die zu einer weiteren Zerstörung der Reste der Parkanlagen führen wird.“

Eberhardt weist außerdem darauf hin, dass die A26 „eine funktionelle Fehlplanung größter Dimension“ darstellt, da sie Megastaus in der Kärtnerstraße und im Bindermichel- und Niedernhartertunnel provozieren wird: „Entsprechend der jetzt schon täglichen Staus ist eine Anbindung an die drei Endpunkte des Freinbergtunnels zu den Stoßzeiten nicht mehr möglich. 7 Fahrspuren münden beim Bahnhofsknoten in die 4-spurige Kärntnerstraße – eine Groteske!“.

Dem Baumbestand wird „das Wasser abgegraben“

Der Anrainer Hans Stiasny, aktiv bei der Initiative Verkehrswende jetzt!, einem Netzwerk von 20 Bürgerinitiativen und Vereinen, ergänzt: „Dem anspruchsvollen, alten Baumbestand des Bergschlösslparks droht nun das Ende durch das Tunnelprojekt A26. Denn die für den Tunnelbau notwendigen Entwässerungsbohrungen in die Tiefen der Linzer Sande und die 30 m tiefe Baugrube für die Tunnelportale, die zum Großteil im gespannten Grundwasser gebaut werden müssen, graben dem Baumbestand im wahrsten Sinn des Wortes das Wasser ab“.

Stiasny weist auf die Verantwortung der Politik hin: „Die Asfinag hat ihre Gutachten gewissenhaft durchgeführt und hat Gefahren und Schwierigkeiten für die Bevölkerung für die Bau- und Betriebsphase der A26 aufgezeigt. Es waren die Politiker und Funktionäre des Landes und der Stadt, die wie Lobbyisten ihren Wunsch „Westring–Linz“ durchsetzten und UVP und SUP ‚durchwinkten‘ gegen alle Einwendungen.“

„Oase erhalten“

Klimaaktivist Christian Leckschmid hat die Baumplattform am südlichen Ende des Bergschlösslparks im Rahmen des Klimacamps Ende Juni errichtet. Sein Beweggrund: „Es wäre ein herber Verlust würde dieses innerstädtische Kleinod einer riesigen Betoneinfassung zum Opfer fallen. Von den positiven Effekten wie Bindung von Schadstoffen, Speichern von CO2, Kühlung und dem Rückhalten von Wasser ganz zu schweigen. Für die Stadt und ihren Bewohnern sind solche Oasen genauso essenziell wie eine menschenfreundliche, sozial verträgliche und ökologische Mobilität. Ein Autobahnkonzept aus dem vorigen Jahrhundert würde nicht nur unsere Lebensqualität mindern, sondern auch den weltweiten Klimawandel massiv befeuern. Mit den wissenschaftlichen Fakten unserer Zeit darf ein solch energieverschlingendes Projekt, das den KFZ-Verkehr noch erhöht nicht umgesetzt werden. Ich wünsche mir, dass die enorme Summe, die für dieses Projekt veranschlagt ist in nachhaltige und barrierefreie Mobilität investiert wird. Wir sind jetzt dafür verantwortlich, ob die Zukunft lebenswert wird oder in ein globales Drama schlittert.“

Mögliche Volksbefragung in Linz

Alle drei Initiativen rufen zum Widerstand gegen den Bau der A26-Bahnhofsautobahn auf: „Dieses natur- und klimaschädliche Autobahnprojekt kann noch verhindert werden. Denn: Der Bau der Tunnel-Autobahn A26 noch nicht fix ist! Die Detailplanung der Phase 2 des Westrings, hat noch nicht begonnen – die Ausschreibungen für den Bau werden vielleicht noch 2022 eher 2023 erfolgen – europaweit.“

Die Initiativen unterstützen daher die Einleitung der Volksbefragung „Kein Geld der Stadt Linz für die A26-Bahnhofsautobahn.“ Die Volksbefragungs-Betreiber wollen bis zum Herbst 2022 die notwendigen 6.100 Unterschriften sammeln, dann muss es eine Volksbefragung geben.

 

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