Covid-Frühwarnsystem: Erste Ergebnisse aus dem Oö. Abwasser-Monitoring

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Karin Seyringer Tips Redaktion Karin Seyringer, 29.07.2022 14:20 Uhr

OÖ. Mit 3. Juli hat das Land OÖ sein eigenes OÖ Abwassermonitoring gestartet, um einen Überblick bzw. ein Frühwarnsystem zur aktuellen Covid-Situation im Bundesland zu haben. Zeigten die Ergebnisse zu Beginn, dass die Zahl der „fiktiven Ausscheider“ deutlich höher als die tatsächlich gemeldeten positiven Fälle waren, hat sich die Zahl nun angeglichen. Es werde aktuell keine hohe Dunkelziffer übersehen. Am Freitag wurden die ersten Ergebnisse in Linz präsentiert.

Mit dem Monitoring kann man die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten im Vergleich zu den positiven Testergebnissen abschätzen. Am 5. Juli lag die Zahl der positiv Getesteten bei etwas über 1.000, die Zahl des Monitorings zeigte knapp 2.500.

Dunkelziffer wird niedriger

„In weiterer Folge setzte sich eine Abflachung ein, die sich mittlerweile auch an der Zahl der neuen aktiv positiven Fälle ablesen lässt“, zieht Primar René Silye, Leiter der Pathologie am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck, wo die Abwasserproben ausgewertet werden, eine erste Bilanz nach einem Monat. Die Zahl der „fiktiven Ausscheider“ glich sich jenen der positiven Tests an, „momentan schaut es danach aus, als wäre ein Plateau erreicht“. Bei einzelnen Bezirken gebe es aktuell keine Ausreißer, OÖ sei relativ gleich belastet.  

„Fiktive Ausscheider“

Um eine Kennzahl für die Krankheitswahrscheinlichkeit im Einzugsgebiet einer Kläranlage zu haben, wurde das Konzept der „fiktiven Ausscheider“ entwickelt. Infizierte Personen – egal ob mit oder ohne Symptomen – scheiden RNA-Bruchstücke des Virus aus. Diese Bruchstücke lassen sich im Abwasser nachweisen – es wird eine „Copy Number“ ermittelt. Diese wird mit Abwassermenge der Kläranlage und Anzahl der Einwohner im Einzugsbereich kombiniert und so die „fiktiven Ausscheider“ berechnet. Wichtig sei dabei die Beachtung des Verlaufs – „wie eine Zeitraffer-Aufnahme“, so Silye.

Landes-Krisenstabs-Mitglied und Geschäftsführer Ordensklinikums Linz, Stefan Meusburger ergänzt: Mit dem Screening habe man eine Art Tachometer, mit dem man die Lage überwachen könne. „Wir sind damit in der Lage, noch weiter nach vorne zu blicken, beim Abwasserscreening kommt, anders als bei Tests, auch niemand aus. Wir haben keine Aussagen über Individuen“, aber man wisse dadurch, wie die Gesamtlage aussehe.

Trends erkennen

Der große Vorteil des Abwasser-Monitorings: Trends lassen sich frühzeitig erkennen. Da Virus RNA sowohl von asymptomatischen, symptomatischen, präsymptomatischen und genesenen Personen ausgeschieden wird, sind Anstiege im Abwasser schon vier bis zehn Tage vor dem tatsächlichen klinischen Anstieg zu erkennen. „Am 5. Juli gab es einen Anstieg im Abwasser, gefolgt von einem Abfall. Die 7-Tages-Inzidenz für OÖ weist diesen Anstieg am 14. Juli aus. Danach sehen wir ein Plateau, wie zuvor schon im Abwasser“, erläutert Silye.

Flächendeckend für Oberösterreich

Aktuell von zehn Standorten in Oberösterreich werden zweimal pro Woche Proben genommen und am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck ausgewertet, Ende August kommen die 16 Schulstandorte (Bezirke mit hoher Schuldichte), die bislang vom Bund ausgewertet wurden, zum OÖ-Monitoring hinzu. Oberösterreich ist neben dem bekannten Abwasser-Monitoring in Tirol das erste Bundesland, dass selbst ein flächendeckendes Monitoring einführt. Zusätzlich gibt es noch das Ballungsraumscreening des Bundes (Linz, Wels, Steyr), wo auch auf Virusvarianten hin untersucht wird.

Teil es Instrumentenkoffers

„Somit haben wir 450.000 Haushalte in Oberösterreich umspannt“, erläutert Landeshauptmann Thomas Stelzer, der sich auch erfreut über die aktuellen Entwicklungen zeigt. „Momentan lässt das Monitoring den Schluss zu, dass wir keine großen Massen an Infizierten übersehen.“ Das Abwasser-Monitoring sei auch eines der probaten Mittel für eine Vorausschau, „weil die Testungen nicht mehr in dieser Breite da sind.“ Durch dieses Frühwarnsystem könnten, gemeinsam mit anderen Indikatoren wie der Spitalsbelegung, Entscheidungen über etwaigen Handlungsbedarf getroffen werden. 

„Wir haben mittlerweile den dritten Pandemiesommer, erstmals ist es ein Hochinzidenzsommer. Gleichzeitig ist ein Leben weitgehend ohne Einschränkungen möglich. Ein Überblick über das Geschehen ist trotzdem wichtig, den bekommen wir mit dem Monitoring. Die Daten daraus werden mit weiteren Daten verwoben und interpretiert, etwa mit der harten Währung der Spitalsbetten“, ergänzt LH-Stellvertreterin, Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander.

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