Jugendarbeit in Linz: was sich nach der Halloween-Nacht ändern muss
LINZ. Der Verein Jugend und Freizeit (VJF) leistet mit seinen Jugendzentren, der Streetwork und den Teenieclubs umfassende Jugendarbeit in Linz. Tips hat nach den Ausschreitungen in der Halloween-Nacht mit dem Geschäftsführer Erich Wahl gesprochen.

Zur Situation der Jugendlichen generell sagt Wahl, der VJF merke einen Anstieg an Beratungsbedarf, Jugendliche würden sich auch vermehrt wegen Gewalt in der Familie melden. Hinzu kämen Angst und eine steigende Verunsicherung aufgrund des Krieges in der Ukraine. Die wiederholten Warnungen seitens der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Kinderfreunde bestätigen diesen Trend.
„Die Integration in kleineren Gemeinden funktioniert gut“
Bei Jugendlichen mit Migrations- oder Fluchthintergrund kämen noch weitere Problematiken hinzu, wie die Entwurzelung und traumatisierende Erlebnisse im Herkunftsland oder auf der Flucht. Hier seien Integrationsmaßnahmen gefragt. „Die Ballungen müssten aber vermieden werden, gerade die Integration in kleineren Gemeinden funktioniert gut.“
Jugendbanden im städtischen Gebiet
Die Jugendarbeit im städtischen Gebiet oder bestimmten Stadtteilen bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich. In Ebelsberg etwa formierte sich eine Jugendbande, die im November 2021 einen Brandanschlag auf ein Polizeiauto verübt hatte. Ein Teil dieser Gruppe soll laut Medienberichten auch an den Randalen zu Halloween beteiligt gewesen sein. Der VJF sei mit einzelnen Jugendlichen aus der Jugendbande in Kontakt, mit diesen werde seit einem Jahr gearbeitet.
Gründe für Aggressionen vielschichtig
Wo sieht Erich Wahl die Gründe für eine solche Aggression, wie zu Halloween in Linz? Diese seien sehr vielschichtig meint er, „Kinder werden oft zu wenig Grenzen gesetzt.“ Zudem hätten Jugendliche aus Ländern wie Afghanistan, in denen seit Jahrzehnten Krieg herrscht, Probleme mit der Identitätsbildung. „Hier fehlt die Perspektive, wobei das auch österreichische Jugendliche trifft, der während und aufgrund der Corona-Pandemie die sozialen Kontakte fehlen.“
Jugendarbeit erreicht nicht alle Jugendlichen
Was er einräumt: „Nicht alle Jugendlichen können erreicht werden“. Er schätzt, dass der VJF mit seiner Jugendarbeit etwa 30-40 Prozent der Jugendlichen erreiche, dies führt er zum Teil auf die Corona-Pandemie zurück. „Dadurch sind viele in die Isolation geraten, sie schlagen dann in den sozialen Medien auf. Über die Jugendzentren kann man nicht mehr an alle Jugendlichen kommen.“ Hier wird es vermutlich eine neue Form der Jugendarbeit brauchen. Ebenfalls ein Effekt der Pandemie: die Jugendgruppen hätten sich vereinzelt, in Bezug auf Jugendbanden sei das eine positive Entwicklung, da die Hierarchie aufgebrochen worden wäre und die Grüppchen sich verkleinert hätten.
Seine Forderungen sind keineswegs unrealistisch: in Folge des Landessicherheitsrats wurde eine Evaluierung der Integrationsarbeit angekündigt. Der SP-Landesparteivorsitzende Michael Lindner kündigte Gespräche mit Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) über niederschwellige Jugendarbeit im Online-Bereich an, mit der die Mitläufer und Trittbrettfahrer der Halloween-Randale erreicht werden sollen.


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