Kunstuni Linz benennt Hof nach Comiczeichnerin Lily Renée
LINZ. Im Zuge einer offiziellen Inauguration wird der Hof der Kunstuniversität Linz im Brückenkopfgebäude West am Hauptplatz 8 am Mittwoch, 25. Oktober, nach der Comiczeichnerin Lily Renée benannt, die einst vor den Nationalsozialisten mit einem Kindertransport nach England flüchten musste. Mit Tafeln im Hof und Bannern an der Fassade sollen Passanten auf die bewegte Geschichte der Künstlerin aufmerksam gemacht werden.

1921 in Wien geboren und 2022 in New York gestorben, trug Lily Renée in den 1940er-Jahren zum sogenannten Goldenen Zeitalter des Superheldencomic bei. Konkret begann sie Ende 1942 in New York bei dem Comicstrip-Verlag Fiction House als Zeichnerin, wo sie schon bald ihre eigenen starken Frauenfiguren entwickeln konnte und auf künstlerischer Ebene Nazis gejagt hat: Ihre Pilotin Jane Martin kämpfte etwa auf US-amerikanischer Seite gegen die Nazis und die Japaner im 2. Weltkrieg. Ihre Señorita Rio wiederum war eine brasilianische Nachtclubbesitzerin, die als Spionin in Südamerika die Nazis bekämpfte.
Mitte der 1950er Jahre wurde Lily Renée Mutter von zwei Kindern, sie beendete ihre Karriere als Comiczeichnerin und wurde Kinderbuch-Illustratorin und Autorin. In den 1980er Jahren studierte sie nochmals Philosophie und Literaturwissenschaft und schrieb Theaterstücke. Sie verstarb im August 2022 mit 101 Jahren. Im Jahr davor nahm Lily Renée noch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik entgegen.
Hof soll jedes Jahr umbenannt werden
Der Hof der Kunstuniversität Linz soll nun jedes Jahr nach einer anderen Persönlichkeit benannt werden. Hintergrund: Die Brückenkopfgebäude der Kunstuniversität sind während des Nationalsozialismus von dem NS-Architekten Roderich Fick im Zuge der Umgestaltung von Linz nach NS-Vorstellungen erbaut worden. Die Tafel, die Roderich Fick ehrt, ist erst unlängst entfernt worden. Die universitäre Arbeitsgemeinschaft zur Gebäudegeschichte empfahl, die Innenhöfe der Brückenkopfgebäude nach Personen zu benennen, die verfolgt wurden oder im Widerstand gegen den Nationalsozialismus tätig waren.
Rektorin Brigitte Hütter dazu: „Als Mieterin von zwei Gebäuden mit NS-Vergangenheit tragen wir besondere Verantwortung im Umgang mit Österreichs Geschichte. Mit der Benennung des Innenhofes nach Lily Renée erinnern wir an Menschen, die aufgrund der Gräuel und Verfolgung während der Zeit des NS-Regimes flüchten mussten und setzen uns mit deren Lebensweg auseinander.“
Zum Ablauf
16.45 Uhr: Treffpunkt AG für Gebäudegeschichte vor dem splace, Galerie der Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6. Mit Schildern zieht man über den Hauptplatz und versucht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen.
17-18 Uhr: Eintreffen im Innenhof des Kunstuni-Gebäudes Hauptplatz 8, es reden Rektorin Brigitte Hütter sowie Universitätsprofessorin Angela Koch von der AG Gebäudegeschichte. Danach werden Comics von Lily Renée vorgelesen und mit einem Beamer auf die Fassade projiziert.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden