"Wagner radelt Bruckner": neun Sinfonien in neun Minuten
LINZ. 1873 reiste Anton Bruckner extra nach Bayreuth, um seine Sinfonien dem von ihm angebeteten Richard Wagner vorzulegen. 151 Jahre später radelt nun der Wagner zum Bruckner. Das erklärte Ziel: neun Sinfonien in neun Minuten, gespielt von Oberösterreichs Bevölkerung.

„Wagner radelt Bruckner“ ist sicherlich eines der dynamischsten Projekte der OÖ KulturExpo Anton Bruckner. Bis 1. Juni ist David Wagner auf dem Rad in Oberösterreich unterwegs, um mit den Bewohnern der 63 Brucknerstraßen, -gassen und -plätze zu musizieren. Zusätzlich werden Örtlichkeiten bereist, die Bruckner im Namen tragen, wie etwa das Bruckner-Geburtshaus, die Anton Bruckner Privatuni und die Bruckner Uni, sodass am Ende 72 Stationen beteiligt sind.
Tonspenden der Bewohner
Pro Station hält der Linzer Musiker einen 15-sekündigen Ausschnitt aus den neun Bruckner-Sinfonien mit der Helmkamera fest, die Noten wurden den Musizierenden vorab geschickt. „Die Treffen sind ganz unterschiedlich, einer trommelt mit mir, ein anderer spielt Blockflöte und manchmal kommt die ganze Blasmusik zusammen oder das Kurorchester. In Neuhofen liegt zum Beispiel der Kindergarten in der Brucknerstraße, das haben wir mit Handkuss genommen“, erzählt David Wagner. Er selbst hat seine Geige dabei, „falls jemand mit mir gemeinsam spielen will.“ Teilweise wird auch gesungen, „dafür habe ich einen kleinen Text in die Sinfonie reingeschrieben.“
Ergebnis im Herbst
Im Sommer wird das gesammelte Material im Tonstudio mit einem Klangteppich unterlegt und zu einem neunminütigen Streifen geschnitten, in dem alle involvierten Bewohner zu sehen und hören sind und der einen Querschnitt durch Bruckners sinfonisches Schaffen abbildet. „Von Altheim bis Wolfern, alphabetisch geordnet, von der ersten bis zur letzten Sinfonie, natürlich stark gekürzt.“ Das Ergebnis wird dann im Herbst präsentiert.
Die Idee hinter seinem Projekt: „Ich wollte das Brucknerjahr nicht nur für Menschen greifbar machen, die sowieso ins Brucknerhaus gehen, sondern Leute ansprechen, die zwar in einer Brucknerstraße wohnen, aber bisher vielleicht noch nichts mit dem Musiker zu tun hatten.“
Auf dem Fahrrad unterwegs
Ebenso wie seinerzeit Anton Bruckner bewegt sich auch David Wagner unmotorisiert durchs Land. Obwohl man den Linzer eigentlich als Läufer kennt – 2008 stellte er den inoffiziellen Weltrekord im laufenden Klavierspielen während des Linz-Marathons auf – stieg er für dieses Abenteuer aufs Fahrrad um, selbstverständlich kein E-Bike. „Es sind doch rund 1.700 Kilometer, das wäre sich laufend nicht ausgegangen und ist schon mit dem Rad Herausforderung genug.“ Er habe zwar nicht speziell trainiert, aber „ich betreibe seit 25 Jahren Ausdauersport. Das ist zu schaffen.“
Der sportliche Aspekt ist seine geringste Sorge, die große Frage ist vielmehr das Wetter. Denn einem sonnigen Projektstart folgt eine Kaltfront. „Wenn's regnet, fahr ich trotzdem. Der ganze Zeitplan ist bis ins Detail ausgetüfelt, an dem lässt sich nicht rütteln.“
Veranstaltungen etc. auf wagnerradeltbruckner.com


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