Mittwoch 10. Juli 2024
KW 28


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Nachfrage nach gespendeten Eizellen steigt, das Angebot nicht: Linzer Arzt fordert Reform

Marlis Schlatte, 10.07.2024 11:36

LINZ. Immer mehr Paare bzw. Frauen entscheiden sich aufgrund persönlicher oder beruflicher Gründe erst später im Leben Kinder zu bekommen – das beobachten Christine und Leonhard Loimer auch in ihrem Kinderwunsch Institut in Linz. In höherem Alter könne man aber oftmals nur mit einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) mit gespendeten Eizellen schwanger werden. Mit der Nachfrage ist jedoch das Angebot an gespendeten Eizellen nicht mitgestiegen, so Loimer, der eine Reformierung des Gesetzes fordert.

Das Spenden von Eizellen ist in Österreich seit 2015 erlaubt. (Foto: ktsdesign/stock.adobe.com)
Das Spenden von Eizellen ist in Österreich seit 2015 erlaubt. (Foto: ktsdesign/stock.adobe.com)

Mit steigendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit der Frau, insbesondere ab 35 Jahren, erklären Christine und Leonhard Loimer, Geschäftsführer des Linzer Kinderwunsch Instituts Dr. Loimer (Kiwi). Dann muss häufig auf eine gespendete Eizelle für eine Befruchtung zurückgegriffen werden.

Die Situation sei derzeit folgendermaßen: Allein bei Loimer in Linz stehen über 70 Paare auf der Warteliste für gespendete Eizellen, wöchentlich kämen sieben bis zehn Patientinnen dazu. Jedoch stehen zu wenige Spenderinnen zur Verfügung, um den steigenden Bedarf zu decken. „Die Zeit drängt, denn so manche Patientin steht kurz vor ihrem 45. Geburtstag. Danach ist die Spende nicht mehr erlaubt, da der Gesetzgeber ein Alterslimit für die Empfängerin der Eizellen festgelegt hat“, so der Linzer Gynäkologe und Reproduktionsmediziner Leonhard Loimer.

Höhere Schwangerschaftsrate

Eine Altersbegrenzung gibt es nicht nur für die Empfängerin der Eizelle, sondern eben auch für die Spenderin. Eine Frau kann im Alter von 18 bis 30 Jahren Eizellen spenden. Damit sei eine gute Qualität der Eizelle gegeben – die Schwangerschaftsrate bei Eizellspende liegt pro Behandlungszyklus bei knapp 69 Prozent, bei einer spontanen Schwangerschaft ist diese deutlich niedriger.

Reformierung gefordert

Die Eizellspende ist seit einer Reformierung der Gesetzgebung im Jahr 2015 in Österreich erlaubt. In den vergangenen neun Jahren habe sich der Bedarf jedoch vervielfacht, weshalb Christine und Leonhard Loimer nun eine erneute Anpassung des Gesetzes fordern. Das Alter, um zu spenden, solle von 30 auf 32 Jahre angehoben werden. So hätten Frauen länger die Möglichkeit, ihre Eizellen zu spenden, womit Paare mit Kinderwunsch schneller zu einer Schwangerschaft verholfen werden könne.

Außerdem appelliert das Ehepaar Loimer, ein österreichweites Melderegister für Eizellspenden einzuführen, da es seit der Legalisierung keine offiziellen Statistiken über die Anzahl der durchgeführten Spenden in Österreich gibt.

Kein Werben um Spender

Eine weitere Hürde, um mehr Frauen zu einer Spende zu motivieren: Im Fortpflanzungsmedizingesetz ist verankert, dass um Spender von Eizellen, ebenso wie um Samenspender, nicht geworben werden darf, sprich: Für eine Spende bekommt man kein Geld, lediglich eine kleine Zeit-Aufwandsentschädigung. Auch wenn diese Regelung dazu dient, aus der Eizellspende kein Geschäftsmodell zu machen, ist es für Leonhard Loimer doch völlig unverständlich: „Wie und wo sollen die goldenen Zellen beschafft werden, wenn der Gesetzgeber ein Gesetz erlässt, das jegliches Werben und Aufwandsentschädigungen für die Spende verbietet?“

Einziges Eizellspende-Institut in Oberösterreich

Die Kinderwunschklinik Dr. Loimer hat ihren Sitz seit 2020 in Linz an der Promenade, zuvor waren die Loimers viele Jahre in Wien tätig. Es ist das einzige Institut in Linz bzw. in Oberösterreich, wo Eizellen in dieser Art gespendet werden können. Seit die Eizellspende nun im „Kiwi“ in Linz angeboten wird, wurden etwa 200 Spendebehandlungen durchgeführt. Die Möglichkeit, zu spenden, verbreitet sich derzeit nur über Mundpropaganda, so Christine Loimer, viele Frauen wüssten schlicht und einfach nicht darüber Bescheid.

Dabei können die Gründe, um zu spenden, vielfältig sein, so Christine Loimer: „Viele wollen keine eigenen Kinder haben, ihre Gene aber trotzdem weitergeben. Oder aber die Frau hat bereits Kinder und möchte das nun auch einer anderen Frau ermöglichen.“

So wird gespendet

Bevor gespendet werden kann, werden mehrere Gesundheitschecks durchgeführt. Außerdem müssen 14 Tage Bedenkzeit gegeben werden, bevor die Frau wirklich spenden darf. Inklusive der hormonellen Stimulation dauert die Spende selbst dann weitere 14 Tage. Die Eizellen werden unter leichter Narkose entnommen. Die Spenderin wird außerdem darüber aufgeklärt, dass ihre Daten ab dem 14. Geburtstag des Kindes weitergegeben werden können. Erfahrungen dazu gebe es noch nicht, da die ältesten Kinder seit der Legalisierung erst acht Jahre alt sind.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden