Schwierige Kunden, große Sorgen: Caritas-Beratungsstelle „Lena“ Anlaufstelle für Sexarbeiterinnen
LINZ. Die Caritas-Beratungsstelle „Lena“ ist seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind oder waren. Allein im Jahr 2025 wurden 3.347 Kontakte in Linz und Oberösterreich verzeichnet. Für ihr Engagement sowie für die Aufklärungskampagne „Alles, was Spaß macht“ erhält das „Lena“-Team den Frauenpreis der Stadt Linz 2026

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die aufsuchende Sozialarbeit. Die Mitarbeiterinnen besuchen Bordelle, Clubs und Laufhäuser in Linz und ganz Oberösterreich und kommen direkt vor Ort mit den Menschen ins Gespräch. So können sie niederschwellig informieren, beraten und bei Bedarf rasch unterstützen.
„Viele wenden sich mit ganz konkreten Fragen an uns“, heißt es seitens der Beratungsstelle zu Tips. Im Jahr 2025 standen vor allem sicheres Arbeiten und Gesundheitsfragen im Vordergrund. Darüber hinaus ging es häufig um finanzielle und wirtschaftliche Probleme, Existenzsicherung oder berufliche Neuorientierung.
Zunehmend berichten Sexarbeiterinnen auch von schwierigen Preisverhandlungen. Kundschaft trete immer öfter sehr offensiv und mitunter respektlos auf. Solche Entwicklungen erhöhen den Druck auf die Betroffenen zusätzlich.
Stigmatisierung als Problem
Ein zentrales Problem bleibt die gesellschaftliche Stigmatisierung. Diskriminierung und teils auch Kriminalisierung prägen nach wie vor den Alltag vieler Sexarbeiterinnen.
Doppelleben fordert
Aus Angst vor Ausgrenzung oder negativen Konsequenzen verschweigen viele ihre Tätigkeit gegenüber Familie und Freundeskreis. Dieses „Doppelleben“ kann psychisch stark belasten. Zudem steigt das Risiko für digitale Gewalt oder Erpressung – etwa, wenn jemand mit der Veröffentlichung der Tätigkeit droht. Die Beratungsstelle unterstützt auch in solchen Fällen.
Frauenpreis der Stadt Linz
Für ihr Engagement gegen Stigmatisierung und für die Rechte und Selbstbestimmung von Personen, die in der Sexarbeit tätig sind, sowie für die Aufklärungskampagne „Alles, was Spaß macht“ erhält das „Lena“-Team um Elke Welser den Frauenpreis der Stadt Linz 2026.
Die prämierte Kampagne nutzt Visitenkarten mit dem Slogan „Alles, was Spaß macht“, die an Kunden verteilt werden. Diese Karten erwecken zunächst den Eindruck, dass ungeschützter Sex möglich sei. Wählt man jedoch die angegebene Telefonnummer, wird man mit einer Mailbox verbunden, die ein fiktives Gespräch zwischen einer Sexarbeiterin und einem Kunden wiedergibt. In diesem Hörspiel versucht der Kunde, die Sexarbeiterin zu überreden, auf ein Kondom zu verzichten, während sie ihre Entscheidung für geschützten Sex argumentiert. Der Jingle endet mit einem Hinweis auf das kostenlose und anonyme Test- und Beratungsangebot der Aidshilfe OÖ.
„Sexarbeiterinnen sind in besonderem Maß von Stigmatisierung, Gewalt und Kriminalisierung betroffen. Ihre Arbeit macht sie vulnerabel für sexuell übertragbare Infektionen sowie HIV. Mit der Kampagne werden Kunden angesprochen und informiert, dass sie Verantwortung für Safer Sex tragen und übernehmen müssen“, betont Frauenstadträtin Eva Schobesberger.
Verliehen wird der Preis am 26. Februar.


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