Anrainer starten Petition gegen Wohnprojekt am Linzer Auberg
LINZ. Ein geplantes Wohnprojekt Am Teich am Auberg sorgt derzeit für Verunsicherung und Ärger bei den Anrainern. Nur durch Zufall hätten sie erfahren, dass ein Grundstück mit Garagen für ein dreistöckiges Wohnprojekt samt Tiefgarage umgewidmet werden soll.

Die direkt betroffenen Anrainer seien über das Ansuchen von der Stadt Linz nicht informiert worden. „Wir haben davon nur zufällig erfahren“, so Familie Hirnschrodt. Sie hätten daher nicht die Möglichkeit gehabt, Einwände zur Bebauungsplanänderung zu erheben. „Die Anlage ragt mit drei Geschossen unmittelbar vor unseren Gärten in die Höhe.“ Ein wertvoller alter Baumbestand würde ebenfalls dem Bau zum Opfer fallen, darunter ihre eigenen. Im Hintergrund werde das Projekt angeblich sogar schon gehandelt.
Auch Anwohnerin Andrea Schrenk hat vor ein paar Wochen rein zufällig erfahren, dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein dreistöckiges Investorenprojekt errichtet werden soll. „In unserer Straße nur wenige Meter entfernt, wird zum Glück seit Jahrzehnten jede kleine bauliche Veränderung des Ortsbildes akribisch kontrolliert. Und nun soll plötzlich auf Wunsch eines Investors ein viel zu großer Klotz auf einem dafür nicht geeigneten Platz, kraft einer eigens dafür eingeleiteten Bebauungsplanänderung, ins Viertel betoniert werden?”
Für Andrea Schrenk wiederholt sich die Geschichte. Vor über 50 Jahren seien die Hochhäuser hinter den Gärten gebaut worden, ohne Vorabinformation der Reihenhausbewohner. „Nach dem Beschluss im Gemeinderat hat es angeblich keine Möglichkeit mehr gegeben, Einspruch zu erheben. Wie die Hochhäuser in das Wohngebiet, bzw. das Stadtbild passen, darf jeder für sich beurteilen“, so die Anwohnerin.
Petition gestartet
„Um das Spekulationsobjekt zu stoppen und um alle zu informieren, haben wir eine Petition gestartet“, so Nachbar Klaus Schmitt. „Direkt am Grünzug und neben wertvollen städtischen Biotopen ist kein Platz für ein großes Wohnhaus.“
Potocnik: „Denkt eigentlich irgendwer an die Nachbarn?“
„Am Auberg ist offenbar eine Bebauungsplan-Änderung im Gange, aber nicht, wie man es erwarten dürfte, nämlich im öffentlichen Interesse, sondern nur für ein einziges Projekt. Dort wo jetzt Garagen stehen und eigentlich eine Entsiegelung und Erweiterung der Grünflächen angesagt wäre, soll ein dreistöckiges Gebäude auf Wunsch eines Immobilienentwicklers entstehen“, ist Lorenz Potocnik, Stadtentwickler und Plus-Fraktionsobmann, erzürnt. „Hören denn diese Spekulationen und Anlasswidmungen in Linz nie auf? Denkt eigentlich irgendwer an die Nachbarn, die plötzlich ein bis zu elf Meter hohes Bauwerk direkt vor die Nase betoniert bekommen sollen?“
Potocnik bestätigt, dass der Wohnbau bis vor wenige Stunden bereits auf einer Immobilienseite beworben wurde. Dabei sei das Projekt weder im Gemeinderat beschlossen, noch je im Gestaltungsbereit begutachtet worden.
Bürgermeister und Planungsreferent Dietmar Prammer sei gut beraten, endlich echte Stadtentwicklung zu betreiben. „Selbstbewusst und im öffentlichen Interesse. Nicht auf Zuruf von Maklern und Immo-Dealern, die das Projekt schon online anpreisen und verkaufen wollen, bevor noch irgendetwas beschlossen wurde.“
VP Linz fordert: alle Fakten auf den Tisch
Auch die VP Linz sieht in erster Linie Bürgermeister und Planungsreferent Dietmar Prammer gefordert, rasch zu handeln und für Transparenz zu sorgen. Nur durch eine vollständige Offenlegung der Planungen und eine ehrliche Einbindung der Anrainer könne das notwendige Vertrauen geschaffen werden.
„Die Menschen am Auberg haben ein Recht darauf zu wissen, was konkret geplant ist. Die derzeit kursierenden Informationen führen zu großer Unsicherheit. Deshalb müssen jetzt alle Fakten und Planungsunterlagen unverzüglich auf den Tisch“, stellt Gemeinderätin Victoria Langbauer klar, die gemeinsam mit Landtagsabgeordneter und Ortsparteiobfrau Elisabeth Manhal auf eine Informationsveranstaltung vor Ort pocht. Manhal: „Gerade bei sensiblen Projekten wie diesem ist eine offene und nachvollziehbare Kommunikation entscheidend. Die Bevölkerung darf nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“
Prammer: „Vorhandene Flächen sinnvoll nutzen“
Auf Tips-Anfrage reagiert Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ): „In einer wachsenden Stadt wie Linz ist es unsere Aufgabe, vorhandene Flächen verantwortungsvoll zu nutzen. Gerade dort, wo heute Garagen oder andere wenig effiziente Nutzungen bestehen, ist es sinnvoll zu prüfen, ob diese Flächen künftig für Wohnraum eingesetzt werden können. Im konkreten Fall wurde bereits im Sommer 2023 eine Anregung zur Änderung des Bebauungsplans eingebracht und fachlich positiv beurteilt. Es braucht dafür keine Änderung des Flächenwidmungsplans. Hier geht es um eine maßvolle Nachverdichtung. Die Fläche ist bereits versiegelt, es werden also keine neuen Flächen verbraucht. Gleichzeitig schafft dieses Projekt zusätzlichen Wohnraum. Genau solche Lösungen brauchen wir: vorhandene Flächen sinnvoll nutzen, statt neue Flächen zu verbauen.“


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