Suizidprävention: OÖ Beratungsstellen haben ein offenes Ohr

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Anna Stadler Anna Stadler, Tips Redaktion, 10.09.2020 17:59 Uhr

OÖ. Seit den 80er-Jahren ist die Suizidrate rückläufig. Dennoch sterben drei Mal so viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle. Reden und zuhorchen kann jedoch helfen und vorbeugen – dementsprechend gibt es in Oberösterreich verschiedenste Angebote und Anlaufstellen für Menschen mit Suizidgedanken und ihre Angehörige.

Zu Suiziden kann es entgegen der landläufigen Meinung jedoch nicht nur im Verlauf psychiatrischer Erkrankungen, sondern auch in der Folge schwerer Lebenskrisen, die ausweglos scheinen, kommen. „Die Ausweglosigkeit ist für die Personen nicht mehr zu ertragen“, beschreibt Thomas Kapitany, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des Kriseninterventionszentrums Wien. „Prinzipiell ist es wichtig, dass wir mit suizidgefährdeten Menschen ins Gespräch kommen. Das wir verständnisvoll reden und nicht werten.“

Betroffene in allen Lebenslagen

So eine Anlaufstelle zum Reden ist die Telefonseelsorge OÖ (Notruf 142 oder per Chat unter onlineberatung-telefonseelsorge.at). Dort spürt man auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie: „Für Menschen in einer Krise ist die Corona-Pandemie eine Verschärfung der Situation“, berichtet Barbara Lanzerstorfer-Holzner, stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge. „Seit März sind die Anrufe stark gestiegen.“ Dabei trifft die Krise Menschen in den verschiedensten Lebenslagen. So hatte ein Mann Erspartes in Aktien investiert. Das Geld ging mit der Corona-Krise verloren. Doch nicht nur das: „Die Familie hat ihn sehr geschätzt für seinen Erfolg – plötzlich war das alles weg.“ Ein anderer Anrufer war ein Student, der neben finanziellen Sorgen nun auch um seine Zukunft nach dem Studium bangt. Am Telefon und im Chat könnten Suizidgedanken offen und direkt thematisiert werden – ohne Bewertung bzw. Stigmatisierung. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe – die eigenen Ressourcen, Stärken, Möglichkeiten wieder bewusst zu machen.

Krise hält an

Einen Anstieg der Suizide aufgrund der Corona-Krise gab es bisher jedoch eher nicht: „Der Eindruck ist, dass in den ersten Monaten die Suizid-Zahlen nicht zunehmen werden. Das darf uns aber nicht beruhigen“, so Kapitany. In der Folge früherer globaler Krisen kam es nachweislich zu einem Anstieg von Suiziden. Nach der letzten Wirtschaftskrise 2008/2009 sind die Suizidraten besonders in jenen Ländern drastisch angestiegen, in denen die sozialen Auswirkungen besonders stark ausgefallen sind, wie in vielen osteuropäischen Ländern oder auch in Griechenland. „Da sind die Zahlen bis zu 13 Prozent angestiegen, in den USA waren es zehn Prozent.“ Der Großteil Männer. In Österreich kam es zwar zu keinem Anstieg gegenüber den stetig sinkenden Zahlen in den Jahren davor, aber zu einem Stagnieren der rückläufigen Entwicklung.

Hilfe in Ausnahmesituationen

Eine weitere Anlaufstelle für Menschen mit Suizidgedanken oder Angehörige, die in dieser Situation wertvolle Arbeit leistet, ist das Sozialpsychiatrische Ambulanzzentrum (SPAZ) am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums. Dort wird allen Menschen geholfen, die in einer akuten psychischen Krise Hilfe benötigen. Angeboten werden sowohl medikamentöse Behandlung als auch psychosoziale Krisenintervention und Beratung. „Wir unterstützen als multiprofessionelles Team betroffene Menschen und Angehörige in dieser schwierigen Zeit im Sinne von Stabilisierung, Entlastung und Finden von neuen Perspektiven. Zusätzliche niederschwellige und zeitnahe Unterstützung in suizidalen Krisen bietet die Krisenhilfe OÖ, die telefonisch rund um die Uhr unter 0732/2177 zu erreichen ist“, sagt Birgit Dürk, pro mente OÖ-Teamleiterin des Sozialpsychiatrischen Ambulanzzentrums, welches eine Kooperation zwischen pro mente OÖ und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin am Kepler Universitätsklinikum ist.

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