Anlaufstelle für pflegende Angehörige: „Der Austausch ist sehr heilsam“

Hits: 114
Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 26.11.2020 11:41 Uhr

OÖ. Die Corona-Pandemie hat die Sorgen der pflegenden Angehörigen verstärkt. „Viele haben aktuell mehr denn je Angst, in der Pflege und Betreuung auszufallen und die pflegebedürftige Person unversorgt zurück zu lassen“, weiß Helene-Kreiner-Hofinger von der Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige in Linz. Über die Situation zu reden schafft Erleichterung. Die Beratung ist kostenlos und findet per Telefon, Videochat oder bei einem persönlichen Termin statt. Infos unter 0676/8776 2448. 

„Mal gibt es gute Tage, da funktioniert alles und man ist eingespielt. Und dann denkst du dir wieder ‚Wie man es macht, ist es falsch‘, zumindest habe ich immer das Gefühl es wäre so“, schilderte Frau M. die seit drei Jahren ihre Schwiegermutter zu Hause betreut.

Statistisch gesehen ist jede vierte Familie einmal in ihrem Leben mit Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit von Angehörigen konfrontiert. Dabei geht es zwangsläufig nicht immer um Tätigkeiten wie die direkte Körperpflege. Vielmehr unterstützen Angehörige in der Bewältigung des Alltags und begleiten in vielen Bereichen. „Während die Organisation von Unterstützungsangeboten aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten für viele zermürbend ist, ist es doch meist die Achterbahn der Gefühlslagen und das Zwischenmenschliche, das für Angehörige viel kräfteraubender ist“, weiß Caritas-Mitarbeiterin Helene Kreiner-Hofinger.

Verständnisvoll gegenüber sich selbst

Der Begleiter für viele Angehörige sind vor allem die Sorge, der pflegebedürftigen Person zu wenig Zeit zu widmen, falsche Entscheidungen zu treffen, die eigene Familie oder Freunde durch die Pflege zu vernachlässigen, die Sorge die Pflege und Betreuung könnte noch intensiver werden und vor allem die Sorge darüber, was denn wäre, wenn man einmal nicht mehr kann.

„Mit den Sorgen nicht alleine bleiben ist hier entscheidend“, weiß Helene Kreiner-Hofinger. Oft sind es die eigenen hohen Ansprüche, die diese Sorgen verursachen. Hier ist wichtig nicht nur Verständnis für die pflegebedürftige Person zu zeigen, sondern auch verständnisvoll mit sich selbst zu sein. „Ich bin überzeugt, dass alle Angehörigen stets das Bestmögliche in ihrer Situation zu tun versuchen. Das sollte den Angehörigen bewusst sein und sie sollten eine versöhnliche Haltung zu sich selbst haben“, so die Caritas-Mitarbeiterin.

Kostenlose und vertrauliche Beratung

Wenn man kaum mehr schläft, sich nur mehr mit der pflegebedürftigen Person über Wehwehchen und die immer gleichen, oft schon stark eingeschränkten Themen, unterhalten kann und keine anderen Kontakte mehr hat, da kann es schon passieren, an die Grenzen zu kommen. Über die Situation zu reden schafft hier bereits Erleichterung. Die kostenlose und vertrauliche Beratung kann persönlich in der Beratungsstelle in Linz, telefonisch, per Videochat oder bei Angehörigen zu Hause stattfinden.

„Die Überwindung, ein Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen, ist im Vorfeld zwar oft groß. Doch nach einer Beratung hören wir oft, ‚Wenn ich gewusst hätte, wie gut es tut, mit jemandem darüber zu reden, der die Situation versteht, dann hätte ich schon viel früher angerufen‘“, ermutigt Helene Kreiner-Hofinger sich an sie zu wenden. Auch der Austausch mit Personen in ähnlichen Situationen und die Erkenntnis, dass es vielen so geht, ist sehr heilsam. Dazu bietet die Caritas-Servicestelle während der Corona-Pandemie das Online-Gruppentreffen „Wegzehrung“ an. Informationen dazu sowie zu Beratungsterminen erhält man bei der Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige unter 0676/8776 2448.

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



KPÖ fordert sofortiges Ende von Ferienfahrplan

LINZ. Noch bis 7. Februar gilt für die meisten öffentlichen Verkehrsmittel in Linz ein ausgedünnter Ferienfahrplan. Vor allem die Fahrzeuge der Linz Linien sind aber in den Stoßzeiten sehr oft überfüllt. ...

Offizielle Staffelübergabe im OÖVP-Landtagsklub

OÖ/STEINBACH AN DER STEYR/NEUHOFEN AN DER KREMS. Mit der morgigen Sitzung des Oö. Landtags (28. Jänner) übernimmt Christian Dörfel offiziell die OÖVP-Klubführung von Helena Kirchmayr.

Virtueller Gedenkspaziergang durch Linz

LINZ. Vor 76 Jahren, am 27. Jänner 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Das Vernichtungslager steht bis heute für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Zu diesem Anlass laden ...

„Einstimmiger Beschluss für Kälberprämie klares Bekenntnis zur regionalen Landwirtschaft“

OÖ. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) begrüßt die im Landwirtschaftsausschuss des Landtages einstimmig beschlossene Resolution für eine nationale Unterstützung der Kälbermast: „Der einstimmige ...

Neiyla mit zweiter Single „Losing you“ am Start

LINZ. Nach „Good Thing“ hat die Linzer Sängerin und Songwriterin Neiyla ihre zweite Single am Start: „Losing you“ wird am Donnerstag, 28. Jänner, auf allen Online-Musikplattformen präsentiert. ...

Netzwerk kreativer Hubs reicht von der Tabakfabrik bis Wien

LINZ/WIEN. Tabakfabrik-Direktor Chris Müller ist neues Mitglied im ehrenamtlichen Stiftungsbeirat von „Cape 10 “ - Haus der sozialen Innovation in Wien. Mit dem Haus der sozialen Innovation ein weiterer ...

Eishockey-Fans appellieren an die Liga für EHV-Aufnahme

LINZ. In einem offenen Brief an die Liga sprechen sich Vertreter der Linzer Eishockeyszene für eine Aufnahme des EHV Linz in die bet-at-home ICE Hockey League aus. Dabei betonen die Fanvertreter auch, ...

Eberhard-Zeitler-Medaille an Manfred Gschwendtner

LINZ. In Medizinerkreisen trägt er längst den Titel „Vater der interventionellen Radiologie in Österreich“, nun wurde Manfred Gschwendtner für seine Leistungen von der Deutschen Gesellschaft für ...