Anonyme Alkoholiker: „Es hilft nur, das erste Glas stehen zu lassen“

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Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 26.11.2020 15:05 Uhr

LINZ. Normalerweise finden in Oberösterreich wöchentlich 27 Meetings der Anonymen Alkoholiker (AA) statt, in Linz sogar mindestens ein Meeting täglich. Aber auch wenn Treffen derzeit nicht möglich sind, brauchen süchtige Männer und Frauen das Gespräch, um trocken zu bleiben. Neben Telefonaten behelfen sich die AA deshalb mit Zoom-Meetings.

„Alkoholismus ist eine schwere Erkrankung mit enormen Auswirkungen für die Familie. Alkoholismus führt irgendwann in die Psychiatrie, ins Gefängnis oder zum Tod. Daher ist jede rechtzeitige Hilfe wichtig“, erzählt Werner, er selbst ist seit 32 Jahren bei den AA und seither trocken. „Mir hat geholfen, dass man Klartext mit mir gesprochen hat.“

Warum jemand alkoholkrank wird, ist nicht erforscht. „Ich selbst bin ganz sicher, dass ich zu keiner Zeit normal trinken habe können. Weder mit zwölf Jahren beim Sternsingen noch später als Jugendlicher oder junger Erwachsener. Es gibt auch keine wirksamen Medikamente. Es hilft nur, das erste Glas stehen zu lassen.“

Der Alkohol als gemeinsames Problem

Und genau das hört man in den Meetings der AA, „dass eine der Grundvoraussetzungen für die Nüchternheit Ehrlichkeit ist. Man lernt, dass es eine Krankheit ist, dass man das erste Glas stehen lassen soll, dann folgen auch keine weiteren.“

Das Hauptziel jeder Gruppe ist, nüchtern zu bleiben und anderen zur Nüchternheit zu verhelfen. „Innerhalb unserer Gemeinschaft sind Frauen und Männer jeden Alters und jeder sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Herkunft zu finden. Einige von uns tranken viele Jahre, andere hatten das Glück, frühzeitig zu erkennen, dass sie ihr Leben nicht mehr meistern konnten. Wir alle sind vereint durch unser gemeinsames Problem Alkohol“, erzählt Werner.

Schleichender Prozess

Die Tücke der Krankheit würde im schleichenden Beginn liegen, Alkohol gehört zum gesellschaftlichen Leben, gerade in jungen Jahren ist es lustig, mal besoffen zu sein. „Aber nicht jeder kann mit Alkohol umgehen, nach zwei oder drei Gläsern aufhören. Es wird zur Gewohnheit und/oder zum Problem. Dann folgen Jahre des Leugnens, der Beschwichtigung“, so Werner: „Viele Betroffene glauben, nach einer Zeit der Abstinenz wieder normal trinken zu können. Das ist aber nicht so: einmal Alkoholiker heißt immer Alkoholiker.“

Die Rückfallhäufigkeit ist enorm, es helfe nur, „sich die Krankheit durch regelmäßige Meetings warm zu halten“, sich der Krankheit bewusst zu sein.

Drei Zoom-Meetings pro Woche

Gerade jetzt während des Lockdowns sind viele Menschen einsam oder überfordert, auch alkoholkranke Menschen. Ohne den regelmäßigen Austausch mit anderen besteht eine erhöhte Rückfallgefahr. „Nicht alle Menschen bei AA telefonieren gerne oder sind Internetprofis. Speziell am Anfang haben Suchtkranke oft keine Arbeit, wenig soziale Kontakte, die Familie ist zerrüttet und die Freunde waren Saufkumpane. Daher versuchen wir, trotz der Anonymität Kontakt zu den Neuen zu halten. Dabei helfen auch die Zoom-Meetings.“

Die Hilfe der AA steht allen Betroffenen ohne Gebühren oder Beiträge zur Verfügung. Die Gruppe erhält sich durch Spenden.

Zoom-Meetings der Anonymen Alkoholiker:

Mittwoch & Samstag um 19 Uhr

Dienstag um 18 Uhr

Meeting-ID: 716365691

Passwort: AAonline

ooe@anonyme-alkoholiker.at

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