Pensionssplitting und Vorsorge gegen Frauen-Altersarmut
OÖ. Altersarmut ist vorwiegend ein Frauenproblem. Die Gründe, warum vor allem Frauen betroffen sind, sind vielfältig: Beginnend vom Gender-Pay-Gap über Karenzzeiten und Arbeit in Teilzeit bis zu schlechter geführten Gehaltsverhandlungen, wie Umfragen zeigen.

Seit der Pensionsreform 2003 werden zur Berechnung alle Erwerbsjahre hinzugezählt, zuvor wurden nur die besten 15 Jahre mit dem höchsten Einkommen zur Bemessung herangezogen. Dies fällt nun vor allem Frauen auf den Kopf und wirkt sich negativ auf die Höhe ihrer Pension aus. Laut Frauen-Finanz-Studie der VKB-Bank ist es so, dass Frauen zwar die Finanz-Hoheit in der Familie haben, dabei aber oft auf die eigene Vorsorge vergessen. Unerwartetes wie Scheidung, Trennung oder Jobverlust mündet in Herausforderungen, die schwierig zu bewältigen sind.
Pensionssplitting als Teil der Lösung
Im Zeitraum 2010 bis 2019 nahmen insgesamt 329 Personen das freiwillige Pensionssplitting in Anspruch. Eltern können derzeit für die Jahre der Kindererziehung ein freiwilliges Pensionssplitting vereinbaren. Einer aktuellen IMAS-Studie zufolge wünschen sich drei Viertel der Oberösterreichinnen ein attraktiveres Pensionssplitting-Modell, also die gerechte Aufteilung von Kinderbetreuungszeiten zwischen Männern und Frauen. 65 Prozent der Männer stimmen dem zu. Auf Bundesebene fehlt noch der Konsens der Parteien, im derzeitigen Regierungsprogramm der Bundesregierung ist das Pensionssplitting verankert.
Zudem besteht mehrheitlich der Eindruck, dass es neuer Karenz- und Ausbildungszeitmodelle für Familien bedarf, dass die Väterkarenz attraktiver gemacht werden sollte und die öffentliche Kinderbetreuung noch immer an der Flexibilität der Öffnungszeiten und Ferienregelungen leidet.
Vorsorge als Absicherung
Die Oberösterreicherinnen zwischen 16 und 65 Jahren messen einer selbständigen und unabhängigen Lebensführung eine enorm hohe Bedeutung bei: Mehr als acht von zehn befragten Frauen erachten es als sehr wichtig, ihr Leben selbständig und unabhängig von anderen zu führen. Spezialisten empfehlen, sich bereits in jungen Jahren mit der eigenen Vorsorge zu befassen: Der frühe Vogel fangt den Wurm. Auch Kleinstbeträge wachsen mit den Jahren und können wesentlich dazu beitragen, in Zukunft finanziell unabhängig und selbstbestimmt zu sein.
Laut VKB-Finanz-Studie schätzen über ein Drittel der befragten Frauen ihre Finanzkompetenz skeptisch ein. Auf Nachfrage von Tips bei Elke Ebner, Finanz-Beraterin der VKB im Innviertel, sind Werte wie Verantwortung, Nachhaltigkeit, Gesundheit sowie selbstbestimmte Unabhängigkeit für Frauen ein besonderes Anliegen. Dies spiegelt sich auch in ihren Ansprüchen, wie sie ihr Geld veranlagen möchten, wider.
Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass Frauen sich in schwierigeren Märkten oft besser schlagen als Männer. Ein wesentlicher Grund für das gute Abschneiden der Frauen ist das sicherheitsorientierte Denken. Wenn Frauen Geld anlegen, dann sammeln sie in der Regel ausführliche Informationen und treffen ihre Entscheidungen nach reichlicher Überlegung. Frauen gelten als risikoscheu und treffen erst nach ausreichender Aufklärung risikofreudigere Entscheidungen.


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