Damit die Straße nicht zum Zuhause wird

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Nora  Heindl Tips Redaktion Nora Heindl, 28.06.2022 18:05 Uhr

LINZ. Nina* ist 18, als sie nach ständigen Streitereien mit ihren Eltern auf der Straße landet. Als alle Wohngelegenheiten bei Freunden ausgeschöpft sind, kommt sie ins UFO. Als sie dort aufschlägt, ist sie arbeitslos, nimmt Drogen, hat weder eine Meldeadresse noch Anspruch auf Sozialleistungen. Heute, zehn Jahre später, hat sie einen Job, eine Wohnung und ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie.

2002 öffnete die Jugendnotschlafstelle UFO (Unterkunft für Obdachsuchende) ihre Pforten in Linz-Urfahr für 14- bis 24-Jährige, die kein Dach über dem Kopf haben. Seither haben 1.800 Bewohner in der Einrichtung, die täglich von 18 bis 9 Uhr geöffnet hat, genächtigt, 19.000 junge Menschen haben die zusätzliche abendliche Beratung in Anspruch genommen. Der Andrang ist groß und doch ist das UFO, das im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe arbeitet, immer noch die einzige Notschlafstelle für junge Menschen in OÖ.

Die häufigsten Gründe, warum junge Menschen Zuflucht suchen, sind familiäre Konflikte, oft verbunden mit Arbeitslosigkeit, Gewalterfahrungen und Drogenmissbrauch. „Das wichtigste Ziel der Jugendnotschlafstelle ist es, jungen Menschen einen sicheren Schutzraum zu bieten, in dem sie Beziehung und Begleitung erleben“, erklärt UFO-Leiter Wolfgang Waldburger: „Natürlich ist auch die Versorgung mit dem Notwendigsten wie Essen, Kleidung, medizinischer Versorgung und schlichtweg die Tatsache, ein Dach über dem Kopf zu haben, ein wesentlicher Grund, warum sie zu uns kommen.“ Der Aufenthalt ist freiwillig und kostenlos.

Ein Schlafplatz auf Zeit

Das UFO ist aber keine dauerhafte Wohnlösung: Die Anzahl der Nächtigungen ist auf 90 Nächte pro Lebensphase (14-18, 18-21 und 21-24 Jahre) beschränkt. Jeweils fünf Schlafplätze stehen geschlechtergetrennt zur Verfügung. Hinzu kommen sechs Notfallschlafplätze.

„Die Jugendlichen werden punktuell jünger. Ein Zwölfjähriger kommt aber selten von selbst, sondern wird meist aufgegriffen. Wir versuchen dann gleich am nächsten Tag einen Wohnplatz in einer Tagesstruktur zu finden. Wir sperren sicher nicht in der Früh einfach hinter ihm zu“, so Waldburger. Weil Jüngere immer vorgehen, kann es notwendig sein, ältere in andere Einrichtungen zu vermitteln. Auch hier gilt: „Wir stellen niemanden auf die Straße, wir finden immer eine Lösung.“

Willkommen sind alle, so wie sie sind, ob mit Suchterkrankung oder Haustier. „Das ist mir auch wichtig, dass das die Kids draußen weitergeben“, betont Waldburger. Lediglich drei Regeln gelten: Keine Gewalt, auch nicht ausgesprochen. Keine Waffen. Und keine Drogen oder Alkohol. Wer konsumiert hat, darf aber herein. „Die Regeln sind einfach, funktionieren aber sehr gut. Wir sind ein gewalt- und drogenfreier Ort, an dem man mit Respekt miteinander umgeht, egal wie jemand gerade im Leben steht.“

„War unendlich erleichtert“

Nina blieb die vollen 90 Nächte im UFO: „Ich war unendlich erleichtert, einfach mal irgendwo durchgehend bleiben zu können und wo man immer einen Betreuer hat, mit dem man reden kann.“ Für sie war es der erste Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sie nach dem Aufenthalt erneut zwischen Freunden hin und her pendelte, bis sie sich wieder ans UFO wandte. „Mir wurde bewusst, dass ich es alleine nicht schaffe“, blickt sie zurück.

Sie wurde eine der ersten Kandidatinnen für Housing First, einem Folgeangebot, das jungen Menschen Zugang zu leistbarem Wohnraum ermöglicht. Nachdem Nina ihre erste eigene Wohnung bezogen hatte, fand sie rasch eine Lehrstelle zur Einzelhandelskauffrau. Mit Hilfe ihrer Betreuer regulierte sie ihre Schulden, kam von den Drogen los und baute das Verhältnis zu ihrer Mutter wieder auf. Mittlerweile hat sie eine zweite Lehre zur Bürokauffrau abgeschlossen, ist Lehrlingsausbildnerin in ihrem Betrieb und hat mit ihren zwei Katzen eine größere Genossenschaftswohnung bezogen.

„Ich hatte wirklich eine tolle Betreuerin, die jedes meiner Dramen mitgemacht und immer ein offenes Ohr hatte. Habe ich etwas falsch gemacht, hat sie mir das Gefühl vermittelt, dass es okay ist, Fehler zu machen.“ Tatsächlich fand sie es sogar ein „bisschen naiv“ von ihrer Betreuerin, so sehr an sie zu glauben, „denn ich selbst habe nicht daran geglaubt, dass ich mein Leben zum Positiven ändern kann. Aber ich wurde eines Besseren belehrt.“ Ihre Botschaft an junge Menschen in ähnlicher Situation: „Nehmt diese Chance an und zieht es durch, es kann euer Leben verändern.“

Vielleicht nicht gleich nach dem UFO-Aufenthalt, aber sicher über 90 Prozent würden letztendlich den Weg zurück in ein eigenständiges Leben finden, so der UFO-Leiter stolz.

*Name von der Redaktion geändert

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