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LINZ/OÖ. Jedes vierte Kind in Österreich ist statistisch gesehen von Gewalt in der Erziehung betroffen. Um die Gesellschaft zu dem Thema zu sensibilisieren und Gewalt an Kindern zu verhindern, wurde die Kampagne #hautnichthin ins Leben gerufen.

  1 / 2   v.l.: Theresia Schlöglmann, Abteilungsleitung Kinder- und Jugendhilfe, Land OÖ / Kinderschutz-Landesrat Michael Lindner / Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger (Foto: Land OÖ/Daniela Sternberger)

Obwohl es seit über 30 Jahren ein gesetzliches Verbot von Gewalt in der Erziehung gibt, ist Gewalt an Kindern nach wie vor ein Thema. Eine Spectra-Trendstudie aus 2022 im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ (KiJA) zeigt, dass ein Viertel der Befragten eine Ohrfeige nicht als Gewalt, sondern Erziehungsmaßnahme sehen. Grund für Gewalt in der Erziehung sind oft überforderte Erziehungsberechtigte, wobei die Corona- Pandemie Familien zusätzlich belastet hat. Im letzten Jahr wurden der Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich 5.545 Kindeswohlgefährdungen gemeldet. In ungefähr jedem fünften Fall ist eine verbindliche Unterstützung in Form einer Erziehungshilfe notwendig. Sollte es nicht gelingen, einem Kind genug Sicherheit in der Familie zu gewährleisten, wird es als letzte Konsequenz außerhalb ihres Familiensystems betreut. Im Schnitt etwa 1.600 Kinder und Jugendliche werden in Oberösterreich in Einrichtungen oder bei Pflegeeltern betreut, wobei nicht alle davon aufgrund von Gewalt fremdbetreut sind.

Jedes vierte Kind betroffen

„Statistisch gesehen ist jedes vierte Kind in Oberösterreich von Gewalt betroffen. Der Wandel bei der Einstellung geht leider nur sehr langsam voran, darum müssen wir Bewusstsein schaffen“, so Kinderschutz-Landesrat Michael Lindner (SPÖ). Es sei ein „Herzensanliegen“ für ihn, Oberösterreich zum Vorzeigebundesland beim Kinderschutz und Kinderrechten zu machen.

Gewalt kann verschiedene Formen annehmen

„Gewalt in der Erziehung hat viele Gesichter. Sie tritt in den unterschiedlichsten Formen auf und wird häufig von jenen ausgeübt, die den Kindern am nächsten stehen“, sagt Theresia Schlöglmann, die Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landes OÖ. Als Gewalt werden alle Handlungen bezeichnet, die Kindern schaden. Neben körperlicher Gewalt zählen auch seelische beziehungsweise psychische Gewalt, Vernachlässigungen und sexuelle Gewalt zu Gewalt in der Erziehung. Zu körperlicher Gewalt gehören beispielsweise Schläge jeglicher Art, Verbrennen, Verbrühen und Unterkühlen. Auch die „gesunde Watschn“ oder ein Klaps auf den Po gehören dazu.

Seelische Gewalt

„Die 'gesunde Watschn' gibt es einfach nicht“, so Kinder- und Jungendanwältin Christine Winkler-Kirchberger. „Aber auch Abwertungen, Liebesentzug oder Kommunikationsverweigerung belasten junge Menschen sehr“, so Winkler-Kirchberger. Seelische Gewalt kommt häufiger vor, ist aber schwieriger zu identifizieren. Auch ein übermäßig behütendes und fürsorgliches Verhalten, das Abhängigkeit vermittelt sowie unangemessener Leistungsdruck zählt dazu.

Ein Kind zu vernachlässigen ist ebenfalls Gewalt. Vernachlässigung heißt zum Beispiel, keine ausreichende Nahrung und Kleidung zu Verfügung zu stellen, nicht für angemessene Körperhygiene und medizinische Versorgung zu sorgen sowie dem Kind nicht genügend Zuwendung zu schenken.

Sexuelle Gewalt

Von sexueller Gewalt spricht man, wenn Erwachsene oder Jugendliche bewusst am Körper von Minderjährigen befriedigen oder befriedigen lassen. Abhängigkeit, Macht und Nähe werden dabei gezielt eingesetzt, um das Vertrauen des Kindes auszunutzen. Sexuelle Gewalt an Kindern geschieht überwiegend im Familien- und Bekanntenkreis.

Häufig wird Gewalt an Kindern auch von Personen aus dem Umfeld nicht weiter gemeldet. Wie die Tips im September des letzten Jahres berichtet, vertrauen sich Kinder, die Opfer sexueller Gewalt wurden, im Durchschnitt sieben Erwachsenen an, bis der erste aktiv wird.

Kampagne #hautnichthin

Mit Slogans wie „Eine Watschn ist weder gesund noch legal“, „Auch Worte schmerzen“ oder „Ich kann mit meinem Kind NICHT tun, was ich will“ soll die neue Kampagne #hautnichthin die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das Thema Kinderschutz lenken. Sie richtet sich sowohl an Erziehungsberechtigte und Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind und an Kinder, die Opfer von Gewalt sind, als auch an Personen, die Gewalt an Kindern beobachten. „Durch die erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilisierung der Bevölkerung wird einerseits eine präventive Wirkung angestrebt, um Gewalt an Kindern schon im Ansatz zu verhindern. Andererseits wird aber auch aufgezeigt, dass es für jene, die in der Erziehung selbst Gewalt anwenden, Hilfe gibt, und das eigene Verhalten geändert werden kann“, so Landesrat Lindner.

Bei der Kampagne wird auch mit Schulen sowie Vereinen kooperiert. So sind etwa die Fußballvereine der Oö. Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und Sportunion sowie der Bundesliga-Klub Blau-Weiß Linz mit an Bord.


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