Jugendcoaching: Kostenlose Hilfe, wenn's gerade schwierig ist
OÖ/LINZ. Junge Menschen (15–25 Jahre), die gerade keine Ausbildung machen oder in die Schule gehen und nicht wissen, wie es mit ihrer beruflichen Zukunft weitergehen soll, finden im außerschulischen Jugendcoaching der Sozialen Initiative kostenlose Unterstützung.

2022 wurden 1.884 junge Menschen oö-weit begleitet, aktuell sind 602 in Betreuung.
Was die jungen Menschen eint, ist die Frage, wie es bei Ausbildung bzw. Arbeit weitergehen kann. Die Hintergründe des Strauchelns sind vielfältig. Manchmal erschweren Problemlagen wie etwa Armutsgefährdung, Konflikte in der Familie, chronische Erkrankungen oder Straffälligkeit das Weiterkommen.
Soziale Ängste überwiegen
Der überwiegende Teil kämpft aber mit psychischer Instabilität. Negative Erfahrungen und Druck können Schulverweigerung oder Lehrabbruch zur Folge haben. Auch die Pandemie spielt eine entscheidende Rolle, die Auswirkungen zeigen sich vielfach erst jetzt. „Einige sind einfach daheimgeblieben. Oftmals waren vorher schon soziale Ängste vorhanden, etwa wegen Mobbings. Wäre Corona nicht gewesen, hätten diese Jugendlichen ihre Ausbildung wahrscheinlich einfach durchgezogen, weil sie in der Maschinerie drinnen waren. Aber nach der Isolation wieder in das System einzusteigen haben sie nicht geschafft“, weiß Jugendcoachin Barbara Kinast.
So individuell die Hintergründe, so individuell auch die Pläne, die gemeinsam entwickelt werden. „Wer bin ich, was kann ich, wo will ich hin und was braucht’s dafür?“, fasst Bereichsleiterin Birgit Stockhammer zusammen. Das kann auch die Begleitung zu therapeutischen Beratungsstellen sein: „Jugendcoaching ist immer auch Entwicklungscoaching. Erst wenn vorherrschende Probleme bearbeitet sind, kann der nächste Schritt gemacht werden.“
Manchmal geht’s aber auch einfach darum, den Jugendlichen aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie überhaupt haben, oder sie in den Tagesrhythmus zurückzuholen. „Ich brauche mich nicht zu bewerben, wenn ich es nicht schaffe, pünktlich zu sein. Das passiert vielmals Jugendlichen, die gamen oder sich in Social Media verlieren“, erklärt Kinast.
Wenn ein Traum wahr wird
Eine, die es dank Jugendcoaching geschafft hat, ist Theresa. Die 22-Jährige wusste schon bald, dass sie nach der Pflichtschule arbeiten gehen möchte, sie träumte davon, Konditorin zu werden. Doch wo die Familie lebte, fand sich keine Stelle. Letztendlich begann sie eine Lehre im Büro, „obwohl ich das nie wollte. Ich war absolut unglücklich während meiner Lehrzeit. Auch Mobbing kam hinzu.“ Doch Abbrechen kam für sie nicht infrage. „Also habe ich es durchgedrückt.“ Im September 2022 schloss sie die Lehre ab, mit Auszeichnung. Parallel dazu begann sie, die Matura nachzuholen.
Der Traum von der Konditorin blieb. „Ich wollte noch mal neu anfangen, aber wenn du eine eigene Wohnung hast, muss sich das auch finanziell ausgehen.“ Also ging sie wieder ins Büro – und brach zusammen. „Ich stand jeden Tag in dem Wissen auf, etwas zu machen, das ich überhaupt nicht will.“ Das war zu viel.
Im Neuromed Campus erfuhr sie vom Jugendcoaching. „Ich wusste, was ich will, aber ich brauchte Hilfe bei der Umsetzung.“
Gemeinsam mit Jugendcoachin Barbara Kinast fand sie schließlich einen Weg, ihren Traum wahr werden zu lassen. Seit 17. April arbeitet sie in einer Linzer Bäckerei. „Endlich weiß ich, wie es ist, wenn man gerne aufsteht, weil man einen Beruf ausübt, der einem Spaß macht. Ich bin so dankbar, dass ich diese Unterstützung bekommen habe.“


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