Hilfe in sehr schwierigen Zeiten bietet die Krebshilfe Oberösterreich
LINZ/OÖ. Maria Sauer ist Geschäftsführerin der Krebshilfe Oberösterreich. Im Tips-Gespräch betont sie die Wichtigkeit der Eigenverantwortung und erzählt, welche Unterstützung sie mit ihrem Team für Krebsbetroffene leistet.

Tips: Geben Sie uns bitte zu Beginn einen kurzen Überblick über die Mission und die wichtigsten Ziele der Oberösterreichischen Krebshilfe.
Maria Sauer: Die Oberösterreichische Krebshilfe ist ein gemeinnütziger Verein und wurde gegründet, um außerhalb des medizinischen Settings eine Art Interessensvertretung und Hilfsorganisation für an Krebs erkrankte Menschen zu sein. Hinzugekommen ist dann im Laufe der Arbeit die Unterstützung der Angehörigen, die sich oft noch hilfloser fühlen als die Patientinnen und Patienten selber. Teilweise sind wir auch Mediator zwischen den Betroffenen.
Welche Ansätze verfolgt die Krebshilfe, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern?
Der Ansatz ist sehr niederschwellig, um schnell dort helfen zu können, wo man uns braucht. Das ist sehr häufig im psychologischen Bereich, weil dort natürlich die Ängste und Unsicherheiten massiv auftreten. Viele können und wollen sich nicht eingestehen, dass man ansteht. Da ist auf der einen Seite natürlich das Medizinische, das Körperliche, aber auch die psychische Gesundheit und Stärke gilt es aufrechtzuerhalten. Es ist wichtig, fit in eine Therapie zu gehen. Hier beraten wir zu Themen wie Bewegung und biologischer Ernährung. Wir geben auch Tipps aus der Komplementärmedizin. Wenn eine Therapie abgeschlossen ist, stehen wir für die Nachsorge, das Nebenwirkungsmanagement und für sozialrechtliche Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Wir wollen die Menschen nicht von Pontius zu Pilatus schicken müssen. „Nein, dafür sind wir nicht zuständig“ – diesen Satz gibt es bei uns nicht. Gerade in so einer Situation ist für viele die Kraft enden wollend, und die Nerven fehlen, um sich dann noch mit anderen Themen zu beschäftigen.
Wie finanzieren Sie das Angebot?
Die Leistungen werden über einen sehr moderaten Satz abgegolten. Unser Angebot ist rein spendenfinanziert, wir bekommen keine öffentlichen Gelder. Ohne Spenden geht es nicht. Ich muss 800.000 Euro im Jahr aufstellen, damit ich diesen paar tausend Menschen, die uns brauchen, helfen kann. Wir sind ein Dienstleister in Sachen Unterstützung rund um das Thema Onkologie. Um nahe bei den Menschen zu sein, sind wir in fast jedem Bezirk vertreten. Weite Fahrten sind oft nicht zumutbar. In den Krankenhäusern werden die Betroffenen sehr gut betreut, auch psychologisch, aber wenn sie dann aus der stationären Betreuung herausfallen, dann stellt sich oft eine Leere ein.
Wie gehen Sie mit diesen emotionalen Herausforderungen um?
Das Leben ist einfach kein Wunschkonzert, da passieren leider Gottes dramatische Sachen. Darum versuchen wir rasch, unbürokratisch, empathisch und kompetent zu helfen. Wenn die Menschen dann sagen, dass wir geholfen haben, dass sie das Schicksal gut annehmen können, dass es ihnen den Umständen entsprechend gut geht und dass sie damit klarkommen, dann ist das eine schöne Bestätigung für die Arbeit. Diese vielen positiven Rückmeldungen, die wir bekommen, die machen schon einen Riesenunterschied. Wir sind da, wenn man uns braucht. Und das sagen wir auch denen, die uns nicht brauchen: Leute, bitte unterstützt unsere Arbeit, unterstützt diesen Unterschied. Wir investieren auch sehr viel in Richtung Vorsorgeaktivitäten, weil wir eben wollen, dass man uns möglichst nicht braucht. Und es gibt genug Dinge, die man tun kann, damit man uns nicht braucht.
Welche Dinge sind das konkret?
Je früher ich eine Krebserkrankung erkenne, desto höher sind die Heilungschancen. Der Oktober war der „Brustkrebsmonat“. Statistisch gesehen erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs. Ich weiß aus den Brustkompetenzzentren, dass manche Frauen erst zur Untersuchung kommen, wenn die Brust schon monatelang offen ist. Die Vogel-Strauß-Politik, wenn ich es nur lange genug ignoriere, ist tödlich. Und dasselbe gilt natürlich auch für Männer. Jetzt im November läuft die Loose Tie-Aktion zur Vorsorge und Früherkennung von Prostatakrebs. Wir haben nach wie vor eine erschreckend niedrige Inanspruchnahme dieser Untersuchungen. Ein Riesenanliegen ist uns auch die bis zum 30. Geburtstag kostenlose HPV-Impfung und die Koloskopie (Darmspiegelung, Anmerkung der Redaktion).
Was raten Sie jemandem, der gerade erfahren hat, dass er an Krebs erkrankt ist?
Der erste Schritt ist immer, ein gutes Gespräch mit den behandelnden Ärzten zu führen, sich auch aufzuschreiben, was man fragen will. Man hört in einer so dramatischen Situation sehr vieles nicht. Und sich Hilfe zu holen und bei der Krebshilfe anzurufen. Oft einmal ist ein Gespräch ganz gut, um sich wieder ein bisschen Orientierung zu verschaffen.
Haben Sie einen persönlichen Tipp für unsere Leserinnen und Leser?
Man kann selbst sehr viel tun. 150 Minuten Bewegung in der Woche, mit ein bisschen Anstrengung, das ist nicht viel, senkt aber das Risiko, an Krebs zur erkranken, um 25 Prozent. Viel tun kann man bei der Ernährung: frisch, regional, saisonal, Ballaststoffe, nichts oder wenig Hochverarbeitetes. Ich sage bei meinen Vorträgen immer, für mich macht es keiner, für mich muss sich keiner impfen lassen, aber es wäre schön, wenn man es tut, damit man uns dann in der Krebshilfe nicht braucht. Es brauchen uns eh noch genug.


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