Der GSC-Linz feiert Jubiläum: Wie sich der Linzer Gehörlosensport in den vergangenen 55 Jahren verändert hat
LINZ. Der ASKÖ GSC-Linz feiert am 26. September sein 55-jähriges Bestehen. Was 1971 mit Fußball und Kegeln begann, führte Jahrzehnte später zu österreichischen Meistertiteln, Rekorden und internationalen Auftritten.

Fußball unter der alten Eisenbahnbrücke in Urfahr, Kegelabende im Sportcasino und später österreichische Meistertitel, Rekorde und internationale Auftritte – die Geschichte des Linzer Gehörlosensports ist geprägt von sportlichen Erfolgen, aber auch von Veränderungen abseits des Wettkampfs.
Das 55-Jahr-Jubiläum des ASKÖ GSC-Linz wird am 26. September zum Anlass genommen, auf diese Entwicklung zurückzublicken. Gefeiert wird dabei ganz im Zeichen des Sports: In Linz-Auhof findet ein internationales Badmintonturnier statt, in Blindenmarkt die International Deaf Karting Masters.
Am Abend kommen Mitglieder, Wegbegleiter und Gäste zur gemeinsamen Feier im Volkshaus in Dornach zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Titel und Rekorde, sondern auch die Anfänge des Vereins, die Entwicklung des Sportangebots und die Herausforderungen der Gegenwart.
Wurzeln reichen weit zurück
Die Wurzeln des Linzer Gehörlosensports reichen weit zurück. Bereits 1939 wurde in Linz ein Gehörlosen-Sportverein gegründet, der bis 1960 bestand. Elf Jahre später, 1971, erfolgte schließlich die Neugründung des heutigen Linzer Gehörlosen-Sportclubs.
Eine zentrale Rolle bei diesem Neustart spielten Ernst Raspotniku und Oskar Snajda. „Sie haben die Grundlage für den heutigen Verein geschaffen“, sagt Obmann Robert Brunbauer im Gespräch mit TIPS.
Ein Stück Geschichte ist weg
Die Anfänge waren noch von einfachen Bedingungen geprägt. Die Fußballer trainierten in den ersten Jahren auf einer Wiese unter der alten Eisenbahnbrücke in Urfahr, die Kegler im damaligen Sportcasino.
Was zunächst mit zwei Sportarten begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem vielfältigen Vereinsangebot. Unter anderem kamen Badminton, Bowling, Stocksport, Tischtennis, Futsal, Tennis, Schwimmen, Leichtathletik und Ski Alpin hinzu.
Ein wichtiger Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der Beginn des Mietvertrags für das eigene Vereinslokal in der Waldeggstraße am 1. September 1980. Bis zum Auslaufen des Vertrags am 31. August 2009 diente das Lokal fast drei Jahrzehnte lang als wichtiger Treffpunkt der Vereinsmitglieder.
„Oskar Snajda setzte sich damals sehr dafür ein, für die gehörlosen Mitglieder einen eigenen Treffpunkt zu schaffen. Er kümmerte sich nicht nur um das Vereinslokal selbst, sondern auch um organisatorische Angelegenheiten und die Konzession für den Buffetbetrieb“, erzählt Brunbauer.
Mit dem Auslaufen des Mietvertrags im Jahr 2009 ging nicht nur ein wichtiger Treffpunkt, sondern auch ein Stück Vereinsgeschichte verloren. Zahlreiche Fotos und Unterlagen sind heute nicht mehr vorhanden. Für das Jubiläum versucht der GSC-Linz deshalb, die verbliebenen Dokumente mit privaten Bildern und den Erinnerungen langjähriger Mitglieder zusammenzubringen.
Titel und Rekorde
Vollständig lässt sich die Geschichte des Vereins heute also nicht mehr rekonstruieren. Seine sportlichen Erfolge lassen sich dagegen sehr wohl nachvollziehen. Titel und Rekorde In den 55 Jahren seines Bestehens hat der GSC-Linz zahlreiche erfolgreiche Sportler hervorgebracht.
Zu ihnen gehört Nikolaus Kankkonen-Riemer. Der Schwimmer gewann 36 österreichische Staatsmeistertitel und stellte 25 österreichische Rekorde auf, die bis heute bestehen. Außerdem nahm er an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an den Deaflympics teil.
Auch in der Leichtathletik feierte der Verein große Erfolge. Martin Molterer gewann zwölf Staatsmeistertitel und stellte österreichische Gehörlosenrekorde im Speerwurf und Kugelstoßen auf. Weitere Meistertitel gab es unter anderem in Bowling, Tischtennis, Ski Alpin, Tennis, Orientierungslauf, Futsal und Badminton.
Probleme der Gegenwart
Heute zählt der GSC Linz 64 Mitglieder. Vor rund 15 Jahren waren es noch etwa 120. Besonders bei jungen Menschen sei diese Entwicklung spürbar, erzählt Brunbauer. „Hörbehinderte Kinder werden heute häufiger in hörenden Schulen und Vereinen integriert. Der Kontakt zu klassischen Gehörlosenvereinen ist dadurch für viele weniger selbstverständlich als früher“, so der Linzer Obmann.
Zudem würden sich viele schwerhörige Menschen und Personen mit Cochlea-Implantat hauptsächlich in der hörenden Welt bewegen und gar nicht wissen, dass sie aufgrund ihres Hörverlustes möglicherweise auch im Gehörlosensport teilnehmen könnten.
Die kleinere Zahl an Mitgliedern bringt auch sportliche Herausforderungen mit sich. „In Oberösterreich gibt es nur eine relativ kleine Zahl gehörloser Sportler, und die sind geografisch weit verstreut“, sagt Brunbauer. Gerade in einzelnen Sportarten sei es deshalb schwierig, genügend Trainingspartner auf einem ähnlichen Leistungsniveau zu finden.
Breites Sportangebot
Trotz der rückläufigen Mitgliederzahl ist das Sportangebot des GSC-Linz aber weiter breit gestreut. Besonders beliebt ist derzeit die Trendsportart Padel. Daneben gehören unter anderem Badminton, Volleyball, Leichtathletik, Tischtennis, Ski Alpin und Motorsport beziehungsweise Go-Kart zum aktuellen Angebot.
Auch hörende Menschen können Mitglied im GSC-Linz werden. Für die Teilnahme an offiziellen Gehörlosen-Meisterschaften und internationalen Bewerben gibt es allerdings bestimmte Voraussetzungen: Grundsätzlich gilt ein Hörverlust von mindestens 55 Dezibel auf dem besseren Ohr ohne Hörhilfe.
Damit sind auch schwerhörige Menschen und Personen mit Cochlea-Implantat startberechtigt. Zukunft sichern Der GSC-Linz versteht sich heute nicht ausschließlich als Wettkampfverein. Zum Vereinsleben gehören auch Seniorentreffen, gesellschaftliche und kulturelle Aktivitäten, Jugend- und Nachwuchsarbeit sowie Kurse und Weiterbildungen. In bestimmten Fällen unterstützt der Verein seine Mitglieder außerdem bei sozialen Problemen oder bei Dolmetschkosten.
Zukunft sichern
„Unser wichtigstes Ziel ist, dass es den GSC-Linz auch für die nächsten Generationen gibt“, sagt Brunbauer. Dafür möchte der Verein vor allem mehr junge gehörlose und hörbehinderte Menschen erreichen und ihnen zeigen, welche Möglichkeiten der Gehörlosensport bietet – von österreichischen Meisterschaften über Europa- und Weltmeisterschaften bis hin zu den Deaflympics.






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