„Ich mache vor jedem Match eine Videoanalyse vom Gegner“

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Yannik Bogensperger Tips Redaktion Yannik Bogensperger, 22.06.2021 12:25 Uhr

LINZ. Karoline Mischek lebt ihren Traum. Sie spielt bei Froschberg professionell Tischtennis und feiert laufend Erfolge. So auch vor einer Woche – da holte die 23-Jährige gemeinsam mit ihrem Team den 21. Damen-Bundesliga-Meistertitel in der Vereinsgeschichte. In Tokio ist sie im Reserve-Team dabei und im Falle eines Ausfalls der Stammkräfte bereit. Über Olympia, ihren Weg zur Profisportlerin, ihren Trainingsalltag und vieles weitere spricht die Tischtennis-Spielerin mit Tips.

Tips: Warum haben Sie sich als Kind für diese Sportart entschieden?

Karoline Mischek: Wir hatten in der zweiten Klasse Volksschule einen Tischtennis-Schnupperkurs. Nach dem Training haben sie Einladungen für Hobby- und Profi-Trainingsgruppen ausgeteilt - je nach Talent. Ich habe eine Einladung für die Profi-Trainingsgruppe bekommen und habe mich darüber sehr gefreut. Ich habe ohnehin nach einer anderen Freizeitbeschäftigung neben Klavier, Tanzen und Ballett gesucht und irgendwann sind die anderen Sachen weggefallen. Dann habe ich zweimal täglich Tischtennis trainiert.

Tips: Wie lange spielen Sie bereits professionell Tischtennis?

Mischek: Der Übergang war ziemlich fließend. Als ich mit 17 Jahren nach der Schule nach Linz gezogen bin und beim Heeressport angestellt war, habe ich begonnen, richtig professionell Tischtennis zu spielen - mit zwei Trainings pro Tage.

Tips: Was fasziniert Sie so am Tischtennissport?

Mischek: Die Sportart an sich ist faszinierend, weil so viele Komponenten zusammenkommen, in denen man gut sein muss. Man muss sehr schnell sein, richtig gute Nerven haben, taktisch gut sein, die Schwächen der Gegner erkennen können. Zudem muss man körperlich fit sein und eine sehr gute Technik haben. Jeder Spieler hat seine ganz eigene Art und ist in seinem Spiel einzigartig. Sich immer wieder neu auf die Gegner einstellen zu müssen, ist spannend.

Tips: Welche taktisch-strategischen Überlegungen gibt es vor einem Tischtennis-Match?

Mischek: Ich mache vor jedem Match eine Videoanalyse vom Gegner und schaue mir vorherige Matches an. Dabei versuche ich herauszufinden, wo seine Schwächen liegen. Zum Beispiel, ob die Vorhand oder die Rückhand schwächer ist. Ob er den ersten Ball tendenziell eher diagonal oder parallel spielt, ob er eher kurz oder lang serviert wird. Auf welche Services der Gegner wiederum Schwierigkeiten hat. Auch die Beinarbeit spielt eine Rolle – ob eher in der Mitte oder in der Ecke Probleme auftreten. Und dann lege ich mir meine eigene Taktik, meinen Matchplan zurecht.

Tips: Das heißt, taktische Details spielen eine große Rolle im Tischtenns-Profisport?

Mischek: Ja, eine sehr große Rolle.

Tips: Ist Tischtennis Ihrer Meinung nach trotzdem eine sehr Technik-zentrierte Sportart?

Mischek: Ja auf jeden Fall. Sicherheit und Qualität bei den Schlägen sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Wenn die Technik nicht ganz sauber ist, kann aber noch einiges durch Stärken in anderen Bereichen, zum Beispiel der Taktik oder Schnelligkeit, ausgeglichen werden. 

Tips: Was zeichnet Ihren Spielstil aus?

Mischek: Meine Stärken sind ein sehr gutes Service und ein sehr guter Rückschlag. Ich gehe nicht auf lange Ballwechsel, sondern versuche gleich in den ersten zwei, drei Bällen den Punkt zu machen. Das ist prinzipiell mein Spiel. Zudem sehe ich die Schwächen der Gegner sehr gut. Ich spiele Bälle dorthin, wo sie den Ball nicht erwarten.

Tips: Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Ihnen aus?

Mischek: Ich stehe in der Früh auf, frühstücke, dann meditiere ich, danach habe ich zwei Stunden Training. Mittags mache ich eine Pause und um 15.30 Uhr ist dann das zweite Training, da spiele ich nochmal zwei Stunden und 30 Minuten Tischtennis. Abends, wenn ich nicht schon zu müde bin, lerne ich noch ein wenig für das Psychologie-Studium. Zusätzlich habe ich zwei bis dreimal pro Woche Fitness-Training. Ich habe einen Fitness-Trainer, mit dem ich je nach Fokus unterschiedliche Schwerpunkte trainiere. Zudem habe ich alle zwei Wochen Mentaltraining, dazu kommen Physiotherapie bei Verletzungen und Massagen.

Tips: Welche Rolle spielt Mentaltraining für Sie?

Mischek: Wenn ein Wettkampf ansteht, hilft es mir zur Vorbereitung auf diesen, indem wir mögliche Probleme durchgehen. Wir arbeiten daran, wie ich in meinen optimalen Zustand kommen kann.

Tips: Wie viele Trainer haben Sie?

Mischek: Mein Haupttrainer ist mein Nationalteam-Trainer. Zusätzlich habe ich einen Vereinstrainer. Wobei das Nationalteam und der Verein immer zusammen trainieren. Dazu kommt noch ein Fitness-Trainer. Mit dem Mentaltrainer habe ich alle zwei Wochen eine Stunde.

Tips: Was würden Sie Nachwuchsspielern, die zukünftig ebenfalls professionell Tischtennis spielen wollen, raten?

Mischek: Erstens würde ich ihnen sagen: Sie sollen sehr früh mit professionellem Training anfangen. Lernt man als Kind eine falsche Technik, hat man als Erwachsener Probleme, sich die falsch eingelernte Technik abzugewöhnen. Die richtige Technik einzulernen, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Da ist es halt viel sinnvoller, gleich mit der richtigen Technik zu beginnen. Auf eine gute Beinarbeit zu achten, ist auch sehr wichtig. Und Gas geben. Konsequent durchziehen. Tischtennis ist eine Sportart, die sehr trainingsintensiv ist. Zudem würde ich ihnen empfehlen, bereits als Jugendliche mit Fitnesstraining zu beginnen. Stabilisations- und Kräftigungsübungen zu machen. Das Verletzungsrisiko ist ansonsten sehr groß. Es sind immer die gleichen Bewegungen. Da ist eine Basis-Fitness sehr wichtig.

Tips: Was waren Ihre größten Erfolge bis dato?

Mischek: Mein allergrößter Erfolg war 2019 – da habe ich Gold bei der U21-EM im Doppel gemacht. Davor habe ich eine Bronze-Medaille bei der U18-EM im Mixed-Doppel geholt.

Tips: Was sind Ihre Ziele?

Mischek: Ein Ziel von mir war die Teilnahme an den Olympischen Spielen, heuer bin ich als Reserve-Spielerin dabei. Mein größeres Ziel ist es, mich für die nächsten Olympischen Spiele in Paris 2024 als fixes Teammitglied und fürs Einzel zu qualifizieren. Zudem will ich in der Weltrangliste in die Top-100 kommen.

Tips: Spüren Sie Druck aufgrund dessen, dass Sie bei einem Profi-Verein spielen und auch aufgrund der Bundesheer-Anstellung Ergebnisse erwartet werden?

Mischek: Prinzipiell ja, als Profisportler musst du Ergebnisse bringen, das ist einfach so. Das ist in jeder Sportart so. Da hat man einen gewissen Druck. Aber der meiste Druck kommt von mir selber. Weil ich sehr hohe Erwartungen an mich selbst habe. Mit meinem eigenen Druck besser umzugehen, muss ich erst lernen.

Tips: Wie gehen Sie mit dem Druck um? Haben Sie ein Rezept dagegen gefunden?

Mischek: Ich arbeite noch daran, das optimale Rezept zu finden. Ich versuche direkt vor dem Wettkampf, wenn ich merke, dass ich nervös werde, ganz zurückzugehen und mir zu sagen: Im Prinzip ist das jetzt ein Spiel - ich spiele Tischtennis. Und auch wenn es mein Beruf ist und mit existenziellen Fragen zusammenhängt, versuche ich, wenn ich am Tisch stehe, mich wieder darauf zu besinnen, dass es ein Spiel ist und ein Spiel soll Spaß machen. Und dass ich auch im Match diesen Spaß wiederfinde.

Tips: Wie würden Sie sich als Mensch beschreiben?

Mischek: Ich bin sehr ehrgeizig, arbeite sehr hart im Training und versuche das konsequent durchzuziehen, auch wenn ich müde bin. Andere würden sagen, dass ich intelligent bin. Ich war sehr gut in der Schule, übersprang in der Volksschule eine Klasse, daher war ich bereits mit 17 Jahren mit der Schule fertig. Dadurch gewann ich ein Jahr und konnte früher mit dem Profi-Dasein beginnen.

Tips: Geht Ihnen Ihre Heimat Wien ab?

Mischek: Ja, schon. Die meisten meiner Freunde kommen aus Wien. Meine ganze Familie ist aus Wien. Daher fahre ich jedes zweite Wochenende nach Hause, um Freunde und Familie zu besuchen.

Tips: Was sind Ihre Hobbies?

Mischek: Ich koche ganz gern, auch immer für mich zuhause. Ich reise sehr gerne, komme durch das Tischtennis aber ohnehin viel herum, das macht mir Spaß, ansonsten versuche ich meine Freizeit mit meinen Freunden zu verbringen.

Tips: Was schätzen Sie an Linz AG Froschberg am meisten?

Mischek: Ich bin sehr dankbar, dass sie mich aufgenommen haben, als ich hierhergekommen bin. Dass sie mich seit Tag eins unterstützen. Ich weiß, dass sie zu 100% das Beste für mich wollen.

Tips: Ärgert es Sie, dass Sie als Tischtennis-Profi-Sportlerin in der Öffentlichkeit keine so große Aufmerksamkeit erhalten wie es zum Beispiel bei Skifahrerinnen der Fall ist?

Mischek: Ja, schon. Tischtennis ist natürlich nicht die einzige Sportart, die sehr wenig Aufmerksamkeit bekommt. Wir haben ein sehr starkes Team, eine Europameisterin, eine dreifache Medaillen-Siegerin. Die Herren haben Gold als Team geholt. Wir sind wirklich gut, auch international. Da finde ich es wirklich schade, dass wir wenig Aufmerksam bekommen. Wir bekommen zwar mehr als andere Randsportarten. Aber es ist trotzdem nicht so präsent.

Tips: Was wäre Ihrer Meinung nach wichtig zur Stärkung von Randsport im Generellen?

Mischek: Eine größere Medienpräsenz. Und gerade im Tischtennis muss man die Turniere, die in Österreich stattfinden, besser verkaufen und den Zuschauern auch etwas bieten. Die Tischtennis-Events werden jetzt immer interessanter gemacht und professioneller aufgezogen. Aber es muss auch an die Öffentlich kommen. Man muss bei den Leuten die Begeisterung für diesen Sport entfachen.

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