Gregor Baumgartner: „Linz muss sich erst wieder etablieren“

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Gregor Baumgartner im Tips-Interview. Foto: Weihbold
Gregor Baumgartner im Tips-Interview. Foto: Weihbold
Victoria  Preining Victoria Preining, Tips Redaktion, 14.09.2021 15:46 Uhr

LINZ. Am kommenden Freitag starten die Black Wings um 19.15 Uhr zuhause gegen Red Bull Salzburg in eine neue Saison. Tips hat sich vorab mit Manager Gregor Baumgartner getroffen und über die aktuelle Situation des Clubs nach dem durchwachsenen Vorjahr gesprochen.

Tips: Wie zufrieden sind Sie mit den Spielern, die heuer verpflichtet werden konnten?

Gregor Baumgartner: Ich glaube, dass man immer in einem gewissen Rahmen arbeiten kann und muss. Sei es ein Budget oder die Möglichkeiten, die mir in dem Jahr gegeben werden. Letztes Jahr war es ein anderer Rahmen, heuer ist es ein neuer, der ist sicher anders. Linz muss sich erst wieder etablieren als Topclub, wo Ruhe im Hintergrund ist. Und das war dann durchaus heuer noch ein bisschen herausfordernder, den einen oder anderen für Linz zu gewinnen. Aber in Summe glaube ich, sind wir zufrieden mit dem, was wir bekommen haben. 

Tips: Hätte Ihnen jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass Rafael Rotter einmal nach Linz kommen wird, hätten Sie das geglaubt? 

Baumgartner: Grundsätzlich habe ich Rafael Rotter so gesehen, wie gewisse Spieler bei Vereinen zugehörig sind - sei es in Linz ein Lebler, in Klagenfurt vielleicht ein Koch - wo man einfach diesen Gedanken gar nicht hat, dass diese Spieler jemals irgendwo anders hingehen werden oder wechseln, geschweige denn in der eigenen Liga. Das einer einmal ins Ausland geht, ist durchaus denkbar. Rafael ist ein Spieler, den ich seit sehr langem kenne. Damals, als er in die Bundesliga geschnuppert hat, war ich bei den Capitals. Und ich hab das schon ein bisschen im Voraus gesehen, dass es in diese Richtung gehen könnte, dass es in Wien Probleme geben könnte und habe dann einfach einmal die Fühler ausgeworfen. Das hat sich dann einfach so entwickelt. Dass wir ihn tatsächlich kriegen, habe ich ehrlich gesagt nicht gedacht - weil ich mir nicht gedacht habe, dass die Wiener so weit sind und da nicht nachziehen oder nicht versuchen, ihn unbedingt zu halten. Für uns war es umso besser. 

Tips: In einem Beitrag in einem anderen Medium steht, dass Sie kein konkretes Ziel für die neue Saison definiert haben. Können Sie etwas genauer ausführen, warum? Oder gibt es doch Ziele, die Sie erreichen möchten?

Baumgartner: Ich bin immer sehr vorsichtig mit diesen klaren Saisonzielen. Logischerweise, jede Mannschaft die antritt, spielt auch um den Meistertitel und jeder will ins Playoff, dass diese Chance gegeben ist. Da würde ich lügen, wenn das nicht so wäre. Das ist klar unser Ziel, dass wir dort hinkommen. Ich glaube, wir sind in einer Position, wo wir uns vom letzten Jahr her nur steigern können. Die Saison war letztes Jahr sehr durchwachsen, nur das Ende war eher positiv, als wir dann in den letzten 13 Runden zehn Spiele gewonnen haben. Ich glaube, in die Richtung wollen wir anschließen. Das Saisonziel wird einfach sein, dass wir uns in Summe als Organisation und mit dem Team verbessern. Ich denke, dass wir eher schon zusätzlich einen Plan haben, wo wir in den kommenden Jahren hinwollen. Und deswegen, wenn wir heuer besser abschneiden als vielleicht erwartet, dann ist es ein Bonus. Aber wir zwingen uns nicht dazu, da jetzt Saisonziele auszustecken, die vielleicht unrealistisch sind. Über die Zeit im Herbst werden wir sehen, wie weit das mit dieser Mannschaft gehen kann, wir werden immer unser Bestmögliches tun, dass wir auch heuer ganz vorne mitspielen. Ob das jetzt schon umsetzbar ist, werden wir dann sehen.

Tips: Wie wichtig wird es sein, dass in diesem Jahr das Publikum konstant in der Halle sein darf?

Baumgartner: Naja, es hat mehrere Gründe. Der erste Grund ist, dass es budgetär enorm wichtig ist. Das ist, was den Verein wirtschaftlich betrifft. Für die Spieler ist es in Wahrheit essenziell, weil Sport ohne Zuschauer keinen Spaß macht. Wir haben den Bonus in Linz, wenn wir die Stimmung in die Richtung bringen können, wie sie früher war, dass es Extra-Energie freigibt für die Spieler. Es macht irrsinnigen Spaß hier zu spielen, ich habe selber da gespielt und weiß, dass es ein riesen Unterschied ist. Und wir sind auch da bemüht, auch mit den Fanclubs, dass diese Stimmung wieder erzeugt wird. Coronatechnisch wissen wir nicht, wie viele Leute trotzdem in die Halle kommen. Die Testspiele haben aber gezeigt, dass die Tendenzen trotzdem gut sind.

Tips: Wie geht es dem Verein jetzt wirtschaftlich gesehen?

Baumgartner: Der Verein ist sicher noch am Kämpfen, dass wir wirtschaftlich alles wieder auf die Reihe kriegen. Wir haben einen Neustart gemacht. Wir sind gerade dabei, das auseinanderzutrennen, es überschneiden sich noch ein paar Punkte mit dem alten Club. Aber man muss das anders sehen: Wir haben zwar einen Namen den man kennt, aber wir haben neu gestartet und deswegen wird vieles neu aufgebaut und das passiert nicht in einer Minute. Wir sind bemüht, viele Bereiche zu optimieren. Wie lange das dauern wird, wird auch abhängig von den Zuschauern sein, wie viele Leute uns unterstützen wollen. Wir sind bemüht, Vertrauen zu gewinnen bei Sponsoren und dem restlichen Umfeld von der Stadt Linz und überall. Das wird einen maßgeblichen Anteil daran haben, wie gut es uns wirtschaftlich geht.

Tips: Wie sieht es aus mit der Stadt Linz? Wie sind die Gespräche hier gelaufen?

Baumgartner: Die Gespräche sind positiv und sehr gut. Wir sind guter Dinge, dass wir da wieder etwas gescheites zusammenkriegen. Aber das Hauptziel ist, einfach einmal aufzuzeigen, dass wir gut arbeiten und dass wir Vertrauen gewinnen. Denn ich glaube, dass letztes Jahr in der Situation einfach sehr viel Vertrauen verloren gegangen ist: in den Club, in die Organisation, in das ganze Umfeld und vor allem auch in Eishockey an sich. Es hat ja auch Nebenschauplätze gegeben, die nicht unbedingt positiv für den Sport waren. Das ist eigentlich unsere Hauptaufgabe. Und da kann man immer nur sagen: Das Hauptprodukt ist der Eishockeysport an sich. Und die Resultate können da viel Reparaturarbeit leisten und das wird eigentlich das Ziel sein: dass wir die Mannschaft in den Vordergrund stellen und dass diese gute Resultate abliefert. Das müssen nicht immer Siege sein, aber die Leistung muss passen.

Tips: Jetzt gibt es ja, wenn man sich die Fangemeinde anschaut, durchaus noch jene, die sehr zwiegespalten sind und Zweifel haben. Wie will man diese Fans überzeugen? 

Baumgartner: Ich glaube da gibt es mehrere Ansatzpunkte. Wir haben schon einige Gespräche gehabt, die waren sehr positiv. Wir haben die Zusicherung, dass alle Fanclubs wieder präsent sein werden. Auch da wird es genauso sein, dass wir Vertrauen gewinnen müssen. Sei es mit Abmachungen, die wir einhalten, mit den Leistungen der Mannschaft, und einfach in dem man aufzeigt – so wie wir da jetzt diese Kampagne gestartet haben, „Black ist Back“ zum Beispiel, – wo man einfach sieht, dass wir auch die Fans bei diversen Aktivitäten mit einbinden. Das Ziel kann ja nur sein, dass man mit Eishockey hauptsächlich punktet. Denn Fakt ist, Fanclubs gibt es wegen dem Eishockeysport.

Tips: Wenn sie jetzt den Fans etwas ausrichten könnten, die jetzt noch zweifeln, was wäre das? 

Baumgartner: Ich glaube, dass auch ich persönlich unglücklich in diese Situation letztes Jahr hineingeraten bin und wir jetzt bemüht sind, das mit der neuen Führung so gut wie möglich aufzustellen. Und ich glaube, dass ich den Fans einfach sagen würde: Schenkt uns einmal das Vertrauen und lasst euch überzeugen, dass wir gute Arbeit leisten und möglicherweise euch soweit bringen, dass ihr seht, dass es ähnlich wie früher ist und man gerne wieder in die Halle gehen kann.

Tips: Abschließend noch eine Frage zu den Steel Wings: gibt es da schon eine Zusammenarbeit oder eine Vereinbarung, wie man das in Zukunft mit den Spielern machen wird? 

Baumgartner: Egal ob mit der Akademie oder den Steel Wings, für mich sind das im Hintergrund Namen und der Sportler und der Athlet soll im Vordergrund sein. Wir haben den ein oder anderen Spieler jetzt schon bei der Vorbereitung mit eingebaut. Der eine oder andere hat schon Eiszeit bekommen, der eine oder andere hat nur trainiert. Wobei Training für einen jungen Spieler genauso wertvoll sein kann, wie ein Spiel. Lustiger ist es natürlich, wenn man bei einer gefüllten Halle einmal dabei sein darf. Wenn die handelnden Personen in allen Organisationen den Eishockeysport wieder in den Vordergrund rücken, dann sollte es keine Probleme mit Kooperationen geben. Da sind wir eben dran, auch da gilt es, genau wie in allen Bereichen, das man bemüht ist, zu kommunizieren und die Sachen auf den Tisch zu bringen und sich dann mögliche Kooperationen auszusprechen. 

 

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