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Aktuelle und künftige Herausforderungen bei der medizinischen Versorgung in Oberösterreich können laut OÖGKK nicht durch die Schaffung von noch mehr Arztstellen gemeistert werden. Vielmehr braucht es strukturelle Änderungen und besser informierte Patienten. Die Ärztekammer OÖ kritisiert die Pläne.

Ärzte sollen Aufgaben abgeben um sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren zu können. Foto:Wodicka
Ärzte sollen Aufgaben abgeben um sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren zu können. Foto:Wodicka

Tatsächlich ist die Ärztedichte in Österreich laut aktuellen Zahlen der OECD hoch. Auf 1000 Einwohner kamen 2013 im Schnitt fünf Ärzte, nach Griechenland der höchste Wert innerhalb des OECD-Raums. Zum Vergleich, in Frankreich oder den Niederlanden kommen auf 1000 Einwohner 3,3 Ärzte, in Schweden 4 und in Deutschland 4,1 Ärzte.

Dies liegt laut OÖGKK-Direktorin Wesenauer vor allem in der „Ärzteschwemme“ der 1990er-Jahre begründet, als Ärzte zunehmend Aufgaben übernahmen, die zuvor von anderen Berufsgruppen erledigt wurden. Dies zeigt sich auch im Verhältnis von Ärzten zu Pflegekräften. In Österreich kommen laut OÖGKK auf einen Arzt 1,6 Pflegekräfte, in Deutschland liegt dieses Verhältnis bei 1:3, in Finnland gar bei 1:4,7. „Ziel muss es sein, dass sich die Ärzte stärker auf ihre medizinischen Kernaufgaben konzentrieren können“, so Wesenauer.

Franz Kiesl (OÖGKK-Ressortdirektor für Vertragspartner) stellt nicht in Abrede, dass es teilweise Probleme gibt, Stellen zu besetzen. Man sehe das etwa an den teils langen Wartezeiten bei Fachärzten. „Wir haben das aber - ganz provokant formuliert -, weil wir zuviele Arztstellen haben“, so Kiesl.

Deshalb gelte es nicht nur Ärzte als Vertragsarzt zu gewinnen, sondern auch den Nachbesetzungsbedarf zu verringern. So würden etwa pro Quartal 60.000 Brillenbestimmungen von Ärzten durchgeführt, eine Aufgabe, die auch Optiker erfüllen können, nennt Kiesl ein Beispiel.

Kritik der Ärztekammer

Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer OÖ, lässt dies nicht gelten. Den Ärzten seien mehr und andere Aufgaben übertragen worden, weil ein höherer Qualitätsanspruch gestellt wurde. Wenn man das ändern wolle, müsse man auch die Qualität einschränken, betont Niedermoser. Als Beispiel nennt er die Anästhesie, die früher nicht von Fachärzten, sondern von Krankenschwestern durchgeführt wurde.

Gesundheitszentren

Bei der Etablierung von Gesundheitsszentren, in denen mehrere Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen kooperieren, sind sich Ärztekammer OÖ und OÖGKK hingegen grundsätzlich einig. Gesundheitsszentren sollen vor allem zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum beitragen. Derzeit wird in Enns ein Pilotprojekt vorbereitet. „Wenn das funktioniert, ist der Weg in die Zukunft vorgezeichnet“, so Wesenauer.


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