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OBERÖSTERREICH. „Kleine“ Rücksichtslosigkeiten haben auf Autobahnen oft große Wirkung. Die ASFINAG widmet diesem Problem nun eine eigene Kampagne und gibt Tipps.

V.l.n.r.: ASFINAG-Vorstand Alois Schedl, Bundesminister Gerald Klug, ASFINAG-Vorstand Klaus Schierhackl und Wolfgang Berger (BOKU) Foto: ASFINAG

Fairplay sollte nicht nur im Sport - wie bei der kommenden Fußball-Europameisterschaft in Frankreich - gelten, sondern auch auf Österreichs Straßen gelebte Praxis sein. Ausreichend Abstand halten, andere einordnen lassen, rechts fahren, rechtzeitig blinken: alles das wird als faires Fahrverhalten empfunden.

Rücksichtnahme steht als Gebot sogar in der Straßenverkehrsordnung. Seit 2011 ist der Vertrauensgrundsatz um den Satz „die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme“ ergänzt.

Laut der neuesten ASFINAG-Umfrage schreiben sich neun von zehn Autofahrern dieses Verhalten auch selbst zu. Nur jeder Zehnte gesteht offen ein, sich nicht oder nicht immer fair zu verhalten und sich einen „Vorteil“ im Straßenverkehr verschaffen zu wollen.

Das „faire“ Eigenverhalten passt allerdings nicht zum Fremdbild, das die Österreicher von „den anderen“ Autofahrern haben. Zwar glauben eben 90 Prozent - laut Eigeneinschätzung – rücksichtsvoll zu fahren. Fragt man danach, ob der Fahrstil der anderen Lenker auch so fair wie der eigene ist, dreht sich das Bild um: Jeder zweite Verkehrsteilnehmer gilt demnach nämlich als unfair. Das Verhalten anderer wird also als eher nervend oder gefährdend eingestuft.

Mehr Fairness im Straßenverkehr sorgt aber nicht nur für entspannte Lenker, sondern auch für mehr Sicherheit. Der Schwerpunkt der ASFINAG Verkehrssicherheits-Kampagne 2016 ist daher das Thema Fairness in all seinen Facetten. Vom Drängeln über (zu) spätes Einordnen bei Abbiegespuren bis hin zum Fahren ohne Licht reichen die Ärgernisse im Verkehr. Die Ärgernisse sind bekanntlich auch gefährlich. Allein bei den Unfällen, bei denen ein zu geringer Abstand die Mit-Ursache war, kamen 2014 zwölf Menschen ums Leben, mehr als 400 wurden verletzt.

DIESES VERHALTEN IST UNFAIR

Es gibt große Unterschiede zwischen der Einschätzung von Fairness und Gefährdung durch andere und der Einschätzung der eigenen Gefährlichkeit für andere sowie der eigenen Fairness. Bezeichnet wird das als „Actor-Observer-Effekt“: Eigenes Fehlverhalten wird oft externen Faktoren zugeschrieben (zum Beispiel, dass man es eilig hat), das Fehlverhalten anderer wird jedoch auf Persönlichkeits-Faktoren zurückgeführt (“der kann nicht fahren“). Dieses Phänomen ist übrigens nicht typisch für Österreicher, sondern länderunabhängig.

Neben den „Klassikern“ wie Linksfahren, Drängeln, Rasen wird als unfair auch folgendes Verhalten empfunden:

· Verzicht auf Blinken

Wenn man selbst auf das Anzeigen eines Fahrstreifenwechsels verzichtet, hat man nicht das Gefühl, jemand anderen zu gefährden. Selbst fühlt man sich womöglich aber dadurch gefährdet, wenn jemand anderer nicht blinkt.

· Spätes Einordnen bei einer Ausfahrt- oder Abbiegespur:

Wer zuerst anderen vorfährt und sich dann noch schnell in eine Lücke quetscht, nur um ein paar Meter weiter vorne zu sein, löst nicht nur Ärger und Bremsmanöver bei Nachkommenden, sondern eventuell auch Staus und Auffahrunfälle aus.

· Slalom fahren:

Permanente Fahrstreifenwechsel in Kolonnenverkehr, nur um schneller voran zu kommen, stressen den Fahrer und alle anderen betroffenen Verkehrsteilnehmer. Der „Zeitgewinn“ beträgt selbst auf längeren Strecken nur wenige Sekunden, wie Versuche ergaben.

Die häufigsten „kleinen Fehler“ sind:

SCHLECHTE PLANUNG DER FAHRT

Das reicht von „keine Pausen einlegen“ bis hin zum blinden Vertrauen aufs Navigationsgerät. Trifft man dann auf neue Verhältnisse, die das Navi nicht kennt, etwa weil Streckenteile gesperrt sind oder eine neue Baustellen-Verkehrsführung, kann das zu unvermuteten Bremsmanövern oder anderem Fehlverhalten führen – und in Folge zu Unfällen und Staus.

MÜLL AUS DEM FAHRZEUG WERFEN

Für unmittelbar nachkommende Lenker ist das nicht nur Ärgernis, sondern auch Gefährdung – ganz abgesehen vom Ärgernis der Umweltverschmutzung.

SCHLECHT BEFESTIGTES LADEGUT

Ob Schnee oder Eis oder eine Kletterwand, wie erst jüngst auf der A 9 im Gratkorntunnel – verrutschendes oder gar herunterfallendes Ladegut sorgt auf der Autobahn für Gefahr. Im harmlosesten Fall ist das Material leicht, wie zum Beispiel die Styroporplatten, die im April für Ärger und Stau auf der S1 beim Tunnel Vösendorf gesorgt haben. Lautner: „In erster Linie ist so etwas natürlich gefährlich, aber es ist auch rücksichtslos, weil durch diese Gedankenlosigkeit immer andere den Schaden haben.“

SCHLECHTER FAHRZEUGZUSTAND GENERELL, FALSCHES LICHT

Falsch eingestellte Scheinwerfer, eine kaputte Leuchte, die falsche Verwendung von Nebelschlussleuchte, Fahren ohne Licht in der Dämmerung oder mit Fernlicht bei Gegenverkehr - alles das kann andere Verkehrsteilnehmer ärgern und vor allem irritieren. Wer rücksichtsvoll fährt, achtet darauf, dass sein Fahrzeug in vorschriftsmäßigem Zustand ist.

KNAPPES EINORDNEN NACH ÜBERHOLVORGANG

Passives Drängeln – also ohne es zu wollen plötzlich knapp am Vordermann zu sein, nur weil sich dieser nach dem Überholen zu knapp eingeordnet hat, ist gefährlich. „Noch schlimmer ist das bei Regen, weil der Überholte dann für ihn selbst überraschend plötzlich im Blindflug unterwegs ist“, appelliert Lautner, vor allem auch in diesen Situationen auf ausreichend Abstand zu achten.

BEI BAUSTELLEN ODER UNFALLSTELLEN „SCHAUEN“

Schaulustige sind nicht nur unachtsam, sondern werden auch unberechenbar langsamer, womit nachkommende Lenker nicht unbedingt rechnen können. Auffahrunfälle durch Schaulustige sind bekanntlich keine Seltenheit.


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