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LINZ. Scharfe Kritik am geplanten „1-2-3-Ticket“ der Bundesregierung kam am Dienstag von Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Markus Hein. Ihre Kritik: Dieses Ticket würde nicht nur den Linz Linien 20 Millionen Euro kosten, sondern könnte auch den wichtigen regionalen Ausbau des öffentlichen Verkehrs bremsen.

Um 1.095 Euro soll der ÖV in ganz Österreich genutzt werden können (3er-Ticket), um 730 Euro zwei Bundesländer (2er-Ticket) und um 365 Euro ein ganzes Bundesland. (Foto: volker weihbold)

Luger und Hein betonten, der Öffentliche Verkehr (ÖV) in der Region Linz sei ein Erfolgsmodell – das aktuelle 1-2-3-Ticketkonzept steht zumindest teilweise im Widerspruch zu regionalen und städtischen Interessen.

„Stark zentralisierte Ausprägung“

„Die Stadt Linz begrüßt die Initiative der Österreichischen Bundesregierung zur Erreichung der Klima-Ziele. Besonders die oberösterreichische Landeshauptstadt zeigt bereits seit vielen Jahren, dass die Stärkung des Öffentlichen Verkehrs durch stetige Angebotsverbesserungen bei gleichzeitig leistbaren Ticketpreisen maßgeblich zu einer umweltfreundlichen Verkehrsmittelwahl beiträgt. Das 1-2-3-Ticket in seiner jetzigen Form mit einer stark zentralisierten Ausprägung lässt allerdings für den Öffentlichen Verkehr in Städten wie Linz und ihren Regionen deutlich negative Auswirkungen erwarten. Diese gilt es rechtzeitig aufzuzeigen, damit der ÖV-Ausbau und damit die Mobilität der Menschen in und um Linz am Ende trotz guten Willens nicht auf der Strecke bleiben. Die Stadt Linz fordert daher finanzielle Mittel für den regionalen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Berücksichtigung regional-städtischer ÖV-Interessen gemeinsam mit der Umsetzung des 1-2-3-Tickets“, betonen Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Markus Hein.

„Linz Linien würden 20 Millionen Euro verlieren“

Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) unter Bundesministerin Leonore Gewessler arbeitet intensiv an einer stärkeren Zentralisierung des Öffentlichen Verkehrs in Österreich, was neben dem Aufbrechen bestehender Tarif- und Finanzierungs-strukturen eine Beschneidung regionaler Kompetenzen bei der Ausgestaltung des Öffentlichen Verkehrs erwarten lässt.

Symbolisch dafür steht das Projekt 1-2-3-Klimaticket, das trotz erheblicher Bedenken zahlreicher Fachexperten der ÖV-Branche eiligst umgesetzt werden soll.

Konkret sieht das BMK beim 1-2-3-Ticket vor, dass um 1.095 Euro der ÖV in ganz Österreich genutzt werden kann (3er-Ticket), um 730 Euro zwei Bundesländer (2er-Ticket) und um 365 Euro ein ganzes Bundesland. Zumindest das 3er-Ticket soll bis Mitte 2021 am Markt umgesetzt werden.

„Die Finanzierung des Erlös-Entgangs der regionalen Verkehrsunternehmen ist noch unklar. Der erwartete Erlös-Entgang durch das 1-2-3-Ticket liegt beispielsweise in der Stadt Linz in einer Größenordnung von zirka 20 Millionen Euro“, so Luger und Hein. 

Die Auslastung der Öffentlichen Verkehrsmittel ist in Städten wie Linz zu den Hauptverkehrszeiten besonders hoch – der Ausbau des ÖV demnach ein Gebot der Stunde. Derzeit fehlt eine Verknüpfung der Einführung des 1-2-3-Tickets und der Zurverfügungstellung von finanziellen Mitteln für den Ausbau des bestehenden Öffentlichen Verkehrs.

ÖVP: „Ticket nicht schon vor dessen Einführung schlechtreden“

Nicht einverstanden ist Vize-Bürgermeister Bernhard Baier von der Linzer Volkspartei mit dem Rundumschlag von SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger und dessen FPÖ-Vize Markus Hein, die das 1-2-3-Ticket für den öffentlichen Verkehr schon vor dessen Einführung schlechtreden. „Ich bin dafür, dass wir in Linz das neue Öffi-Ticket genau beobachten – und schauen, welchen Nutzen man daraus ziehen kann“, betont Baier – denn „alle Initiativen im öffentlichen Verkehr müssen für eine Stadt mit derart großen Stauproblemen willkommen sein“.

Grüne: „Steht _Linz verkehrspolitisch auf dem Abstellgleis?“

„Ich erwarte mir von Bürgermeister Luger und den für Verkehr zuständigen Vizebürgermeister Hein, dass sie sich im Sinne der Linzer konstruktiv in die gerade erst beginnenden Verhandlungen einbringen anstatt gleich einmal laut nein zu schreien. Wenn sich Linz gegen die wichtigste verkehrspolitische Innovation der vergangenen Jahre wehrt, ist das peinlich und ein beschämendes Signal. Es geht um Verbesserungen im Sinne der Fahrgäste. Linz soll Teil der Lösung sein und nicht das Problem“, hält Stadträtin Eva Schobesberger (Grüne) in ihrer Reaktion fest.


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