„Wir gestalten, wir fördern, wir ermöglichen Kultur in Oberösterreich“

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 09.09.2020 08:30 Uhr

OÖ/LINZ. Seit 1. August 2020 leitet Margot Nazzal die Direktion Kultur und Gesellschaft des Landes OÖ. Die 39-jährige gebürtige Paschingerin ist seit 2007 beim Amt der OÖ. Landesregierung beschäftigt. Sie konnte schon viel Erfahrung auch in ihrer Funktion als Leiterin der Gruppe Außenbeziehungen und Protokoll sammeln. Tips-Chefredakteur Josef Gruber und Tips-Redakteurin Karin Seyringer haben sich mit Nazzal über die aktuellen Herausforderungen in ihrem neuen Amt unterhalten.

Tips: Kurz erklärt: Was macht die Direktion Kultur und Gesellschaft?

Nazzal: Wir gestalten, wir fördern, wir koordinieren und ermöglichen Kultur in Oberösterreich. Die Abteilung Gesellschaft hat natürlich noch viele weitere Themenfelder – von den Frauen zu Familien, Jugend, Sport – also wirklich alle Themen, die die Gesellschaft im positiven bewegen und wo man alle erreicht.

Tips: Wenn man sich Ihre vorherigen Positionen ansieht ist es ja nicht die logische Folge, sich als Leiterin der Direktion Kultur und Gesellschaft zu bewerben. Warum?

Nazzal: Gut, dass die Welt nicht nur logisch ist (lacht). Ich sehe schon gewisse Parallelen bei dem, was ich bisher gemacht habe und was ich jetzt gut einsetzen kann. Gerade dieses vernetzte Denken, das Präsentieren von Oberösterreich in der Region, aber auch international. Das habe ich in den Außenbeziehungen oder auch im Protokoll mit vielen Themen gehabt. Dass der Kulturbereich noch viel mehr Themen bietet, als ich bisher in der Arbeit kennengelernt habe, ist klar. Aber das ist eine wahnsinnig tolle Aufgabe, wenn man beruflich kennenlernen und weiterentwickeln darf, was das Kulturland OÖ ausmacht.

Tips: Dieses Know-how ist vielleicht auch förderlich, um die Kultur im Ausland besser zu präsentieren?

Nazzal: Alles, was ich bisher gemacht habe, werde ich mitnehmen können - ob das innengerichtet ist, damit die Organisation gut aufgestellt ist, oder ob es das Präsentieren nach außen ist.

Tips: Was wird sich in der OÖ Kultur unter Ihrer Leitung ändern? Wo werden die Schwerpunkte liegen.

Nazzal: Ich erfinde jetzt das Kulturland OÖ nicht neu. Es gibt ja schon viel Bestehendes, gute Leitveranstaltungen, Themen, die uns beschäftigen. Was sich jedenfalls heuer geändert hat, ist die neue OÖ Landes Kultur GmbH, ein neuer Player neben der Theater- und Orchestergesellschaft und der Bruckneruni. Alle Beteiligten gut mitzunehmen, damit das Kulturland sich weiterentwickeln kann, ist mal das Eine. Das Zweite ist, dass in der unmittelbar anstehenden Zukunft ohnehin auch Großprojekte angesiedelt sind, die mitgestaltet, mitgefördert werden – ob das jetzt nächstes Jahr die Landesausstellung in Steyr ist, 2024 die Europäische Kulturhauptstadt in der Region Salzkammergut oder das Brucknerjubiläum 2024.

Tips: Sind Verschränkungen mit dem Kulturhauptstadtjahr 2024 und dem Brucknerjahr 2024 geplant, für gegenseitiges Nutzen?

Nazzal: Die Chance ist da, es gibt darüber hinaus auch in St. Wolfgang ein Jubiläum, der Mariendom feiert ein Jubiläum – im 24er-Jahr müssen wir schauen, dass es für das Kulturland insgesamt ein gemeinsames Dach gibt, und wenn es Sinn macht, dass das auch gemeinsam gedacht wird.

Tips: Ist nach den Turbulenzen in der Direktion für Kultur und Gesellschaft – Stichworte Förderung KTM Motohall, Kostenexplosion Museumsdepot Linz – die Herausforderung noch größer?

Nazzal: Ich glaube wir haben 2020 insgesamt ein herausforderndes, außerordentliches Jahr. Natürlich ist es aber notwendig, hausintern für Ruhe zu sorgen und in ein gutes Arbeiten zu kommen. Aber auch von außen ist die Erwartung hoch: Merkt man nach x Prüfberichten eine Veränderung? Das wollen wir ja selbst auch, weil das natürlich auch für die Mitarbeiter im Haus nicht fein ist, wenn man negativ in den Schlagzeilen steht.

Tips: Wäre das Förderansuchen KTM Motohall anders behandelt worden, wenn Sie schon in der Situation gewesen wären?

Nazzal: Das kann ich nicht beantworten. Es hat den Prüfbericht vom Rechnungshof gegeben – und alles, was dort an Empfehlungen ausgesprochen worden ist, muss man sich anschauen und umsetzen. Zum Museumsdepot wird die Prüfung gerade abgeschlossen. Natürlich: Wo es Verbesserungsbedarf gibt, muss man aktiv werden. Das kenne ich aus meiner früheren Tätigkeit als Leiterin der Innenrevision. Deswegen ist das für mich auch nicht so negativ besetzt. Prüfungen sollen auch nachhaltig Positives bewirken.

Tips: Stichwort Landesausstellung: Es gibt Überlegungen zu neuen Konzepten, eine Auslagerung an die Landes Kultur GmbH ...

Nazzal: Für 2021 steht das Konzept im Groben, an Details wird mit vollem Elan gearbeitet. Für die Zeit danach, 2024 und 2027 sind wir in Gesprächen. Wie auch bei anderen Themen, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben, ist es hier Zeit, mal wieder darüber nachzudenken. Jetzt geht es darum, wie man es inhaltlich zukunftsfit machen kann. Hier haben Direktor Alfred Weidinger (Anm. der Redaktion: OÖ Landes Kultur GmbH) und ich den Auftrag von Landeshauptmann Stelzer bekommen, gemeinsam nachzudenken, ob das Konzept in jetziger Form noch zeitgemäß ist oder ob es hier auch andere Impulse braucht. Corona zeigt uns ja auch, dass wir flexibler sein müssen bei dem, was wir planen und vorbereiten. Vielleicht ist das ja eine der Lehren: Dass man in dem, was man tut, noch mehr Flexibilät drinnen haben muss. Wer welches Format dann letztlich in welchen Rhythmus ausrichtet, ist in einem zweiten Schritt zu beantworten.

Tips: Thema Corona: Was muss hier in der Tätigkeit, bei Planungen berücksichtigt werden?

Nazzal: Corona hat unser aller Alltag maßgeblich beeinflusst, in beiden Bereichen Kultur und Gesellschaft. Veranstaltungen wurden abgesagt, verschoben, redimensioniert. Das führt auch dazu, dass Unterstützungsmaßnahmen vom Land OÖ notwendig geworden sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es hier noch weitere Notwendigkeiten gibt - je nachdem, wie sich die Gesamtsituation verändert. Man muss schauen, was die großen Bedarfe unsere Kunden – Kulturbetriebe oder einzelne Kunstschaffende - sind. Das sind große Herausforderungen. Bei Veranstaltungen ist zu schauen, in welcher Form man diese durchführen kann - sodass sich auch die Gäste wohlfühlen. Man sieht ja, dass das Bedürfnis aller da ist.

Tips: Sie sind auch sehr sprachbegabt, Arabisch ist auch darunter. Eher ungewöhnlich ...

Nazzal: Sprachen haben mich immer schon interessiert, wie mich auch das Internationale immer schon interessiert hat. Ich war unter anderem in der Schulzeit zwei Jahre im Ausland, das hat mich sehr geprägt. Das Arabische hat mich interessiert, weil es auch eine andere Schriftart ist. Dazu ist dann auch ein persönlicher Bezug gekommen.

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