Wintertourismus: Freizeitspaß ja, Après Ski nein; Weihnachtsmärkte können mit Konzept stattfinden

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 24.09.2020 11:48 Uhr

WIEN/OÖ/NÖ. Wie kann in Corona-Zeiten der Wintertourismus über die Bühne gehen - und das sicher? Die Regierung und die WKÖ haben eine Gesamtstrategie vorgelegt. Skivergnügen ja, Après Ski nein. Advent- und Weihnachtsmärkte – wichtig für den Städtetourismus – können mit Covid-Präventionskonzept stattfinden.

Bundeskanzler Sebastian Kurz, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Gundesheitsminister Rudi Anschober, WKÖ-Präsident Harald Mahrer und Tirols Landeshauptmann Günther Platter haben die Pläne präsentiert.

Kurz schickte klare Worte voraus:  „Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass viele nicht glauben wollen, dass die Infektionszahlen zu hoch sind. Wir müssen dieses Wachstum stoppen. Das führt dazu, dass wir international zumindest teilweise als Risikogebiet eingestuft werden“, so Kurz. „Reisewarnungen vernichten Arbeitsplätze.“ Wem das nicht reiche, der müsse den Blick in andere Länder richten. „Wir haben in Israel, Frankreich, Tschechien gesehen, wie schnell es gehen kann.“

Sport und Freizeit genießen, kein Après Ski

Das Ziel, das alle Beteiligten verbinde, sei einen sicheren Wintertourismus zu ermöglichen. Das Konzept zeige klar, was möglich ist, und was nicht, so Kurz. „Skifahren, Kulinarik, Natur genießen und nicht nur in den Skigebieten, sondern auch die Angebote in Städten, Kulturtourismus, Wellness ist möglich. Nicht möglich ist Après Ski in der Art und Weise, wie wir das kennen“, so Kurz.

Nur fixe Sitzplätze auch draußen

Das Konzept sei mit allen Beteiligten gemeinsam erstellt worden. Tourismusministerin Köstinger zu den Details: Es gelten die aktuell verhängten Maßnahmen: In der Gastro die Einschränkung auf zehn Personen pro Gruppe, Masken-Schutz, wenn man sich im Lokal bewegt, Konsumation nur im Sitzen – und das auch im Außenbereich. „Damit haben wir schon einen wesentlichen Teil der Lösung, wenn es das Durchmischen und klassische Tanzsituationen nicht gibt“, so Gesundheitsminister Anschober.

In Seilbahnen und beim Anstellen gilt wie in Öffis: Abstand, Maskenpflicht. Natürlich müssen bei den Abstandsregeln an die Eigenverantwortung appelliert werden. „Alles kann nicht bis ins Detail geregelt werden“, so Köstinger, die Erfahrung im Sommertourismus habe aber gezeigt, dass das schon gut funktioniert.

Skischulen müssen dafür Sorge tragen, dass die Personenanzahl der Schüler auf zehn begrenzt ist, es darf keine Durchmischung der Gruppen geben.

Dazu kommt eine Teststrategie für den Tourismus: Mitarbeiter können sich regelmäßig testen, seit 1. September gilt dies auch für die Gastro, ausgeweitet werden die Testmöglichkeiten auf Skilehrer, Fremdenführer und Reisebegleiter, „damit wir vor allem für die Gäste maximale Sicherheit gewährleisten können“, so Köstinger.   

Advent- und Weihnachtsmärkte können stattfinden

Advent- und Weihnachtsmärkte können stattfinden, die Vorgabe ist ein Sicherheits- und Präventionskonzept. „Es braucht einen Zuständigen, Besucherleitsysteme, die Möglichkeit für genügend Abstand vor allem bei der Konsumation“, so Köstinger. „Hier weiß man in der Region am besten, was es braucht“, so Anschober. „Adventmärkte sind Teil der Lebenskultur.“

„Die Märkte sind speziell für die Städte ein ganz wichtiger Faktor“, unterstreicht Köstinger.  

650.000 Vollzeitjobs hängen am Tourismus

Österreich erwirtschaftet über 15 Prozent der Wirtschaftsleistung mit Tourismus, Sport- und Freizeitwirtschaft. „Wichtig ist mir festzuhalten, dass es nicht nur um die Frage der Gesundheit, sondern um Zahl der Arbeitsplätze geht“, so Kurz.

Es gehe beim Wintertourismus nicht nur um die Skiorte, „in ganz Österreich betrifft das die Kultur, den Sport, Weihnachtsmärkte – das alles gehört zum Wintertourismus. Was Freizeit für die einen ist, ist die Existenzgrundlage für die anderen. 650.000 Vollzeitjobs hängen in Österreich am Tourismus – auch mit Handel und Zulieferern. Wir kämpfen mit dieser Strategie um jeden Job und die Existenzen der Familien“, unterstreicht WKÖ-Präsident Mahrer.

Reisewarnungen anderer Länder angesichts steigender Zahlen sind hier Hiobsbotschaften. Die große Mehrheit der Wintertouristen kommt aus dem Ausland. Mahrer: „Es wird niemand in eine Region fahren, in der unklar ist, was für die Sicherheit getan wird.“

„Eine aktuelle Umfrage unter Gästen zeigt: 80 Prozent fordern ein klares Sicherheitskonzept – das ist entscheidend, wo die Gäste ihren Urlaub verbringen. Auch wenn wir uns nicht alle über die Maßnahmen freuen – es ist richtig. Besser härtere Maßnahmen und es findet eine Saison statt, als zu laxe und wir haben keine Saison“, so Tirols Landeshauptmann Günther Platter.

Zum Wegfall der bekannten Après-Ski-Partys meint Platter: „Das macht in Tirol bei der Wertschöpfung drei Prozent aus, 97 Prozent kommen aus den anderen Tourismusbereichen. Es kann nicht sein, dass wir wegen drei Prozent 97 Prozent gefährden.“

Appell an „schwarze Schafe“

Die Beteiligten rufen einmal mehr zu Zusammenhalt auf. „Wir sind überzeugt, dass der Wintertourismus gut vereinbar ist mit einem guten Schutz vor der Pandemie. Nur wegen der aktuell strengeren Maßnahmen – Anschober erwartet sich hier positive Auswirkungen auf die Zahl der Neuinfektionen in der ersten Oktoberhälfte – werde es aber nicht funktionieren. “Wir brauchen alle, wir brauchen eine Grundstimmung wie im Frühling. Wenn wir alle am selben Strang ziehen, ist mir überhaupt nicht bange„, so Anschober. Und Mahrer: 99,99 Prozent strengen sich an. Ich appelliere an diejenigen, die bis jetzt schwarze Schafe waren, darüber nachzudenken was es für die Existenz aller bedeutet, wenn man diese Maßnahmen ignoriert.

 

 

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