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"Ein Jahr des Verzichts und der Solidarität": Anschober zog Bilanz und gab Ausblick

Karin Seyringer, 29.12.2020 12:06

WIEN/OÖ/NÖ. Einen Rückblick auf das ablaufende und Ausblick auf das kommende Jahr gab Gesundheitsminister Rudi Anschober. Nach einem harten Jahr des Verzichts komme ein besseres Jahr, auch große Reformprojekte sollen 2021 angegangen werden. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 ist in Österreich unterdessen auf über 6.000 gestiegen. An den Details zum „Freitesten“ werde aktuell gearbeitet.

Gesundheitsminister Rudi Anschober zog Bilanz und gab einen Ausblick (Foto: BKA/Dragan Tatic)
Gesundheitsminister Rudi Anschober zog Bilanz und gab einen Ausblick (Foto: BKA/Dragan Tatic)

„Genau vor einem Jahr gab es die ersten Berichte über das Corona-Virus, im Februar hatten wir die ersten Fälle in Österreich, daraufhin ist die laut WHO schwerste Pandemie seit 100 Jahren entstanden“, so Anschober. „Vor einem Jahr haben wir uns noch die Hände gegeben, uns umarmt, sind anders aufeinander zugegangen, waren vielleicht auch überrascht, wenn Touristen Masken getragen haben.“

Vor rund einem Jahr auch „hatte ich die Ehre und Freude, in der Bundesregierung angelobt zu werden, gleich danach ist es losgegangen mit der Pandemie.“ Herausfordernder hätte dieses Jahr für alle, aber auch für die Bundesregierung nicht sein können, Österreich und Europa seien auf die Pandemie nicht vorbereitet gewesen.

Arbeit an Regeln nach Mitte Jänner

Mit 29. Dezember ist die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 auf über 6.000 gestiegen, 6.059 wurden gemeldet. „Hinter all den Zahlen stehen einzelne Menschen und Schicksale.“

Zu den aktuellen Debatten rund um das „Freitesten“ aus dem Lockdown und die Kontrolle dessen im Handel und in der Gastro meinte Anschober, dass aktuell an den Regeln für die Zeit nach Mitte Jänner gearbeitet werde. In der ersten Jännerwoche wolle man hier die Details bekannt geben.

Ein Jahr des Verzichts und der Solidarität

Es sei ein Jahr der Veränderung, des Verzichts, der Sorgen und Ängste, aber auch der Solidarität gewesen, zieht Gesundheitsminister Rudi Anschober weiter Bilanz. „Es gab und gibt den dritten Lockdown mit sehr gravierenden Maßnahmen, die tief in die Grundrechte hineingehen.“ Aber: Es habe auch enormes Engagement gegeben, „Solidarität wie dieses Jahr habe ich noch nie erlebt, das ist eine tolle Seite von Österreich, die ganz stark sichtbar geworden ist“, unterstreicht Anschober einmal mehr auch die Leistungen der Mitarbeiter in den Gesundheits- und Pflegeberufen.

Im Sozialministerium selbst seien 2020 149 Verordnungen erarbeitetet worden, „ja, nicht alle haben vor dem Verfassungsgericht gehalten, eine ist überhaupt nicht gelungen“, so der Minister. 676 schriftliche parlamentarische Anfragen seien beantwortet worden, 132.434 Anfragen im Bürgerservice, davon 49.000 mit konkreten Telefongesprächen, weist Anschober auch auf die immense Belastung für seine Mitarbeiter hin.

„Lessons to learn“

Jetzt aber komme 2021 und damit ein deutlich besseres Jahr. „2021 wird das Jahr des weitgehenden Zurückdrängens der Pandemie, wir werden uns in der zweiten Hälfte um die 'Lessons to learn' kümmern, was wir daraus lernen. Das wird nicht die letzte Pandemie sein, solange wir die Ursachen dafür nicht deutlich reduzieren.“

Geringe Impfbereitschaft: Ehrliche und transparente Information

In puncto Impfung hofft Anschober auf weitere Zulassungen von Impfstoffen Anfang des Jahres, von den Zulassungen würden auch die zeitlichen Details des Impfplans in Österreich abhängen. Mitte Jänner solle die Endversion des Impfplans beschlossen werden können. „Bestimmte Impfstoffe sind für verschiedene Gruppen vorgesehen. Ich glaube an eine Zulassung des Moderna-Impfstoffes in der ersten Jänner-Hälfte, nach den Zulassungen werden sich die zeitlichen Faktoren des Impfplans richten.“

Schlüssel bei den Impfungen sei jedenfalls die dezentrale Aufstellung –“wir kommen mit den Impfungen zu den Bürgern, in die Betriebe, in die Spitäler, in die Gemeinden. Und die Ärzte werden eine besondere Rolle haben, bei der Aufklärung als auch Umsetzung“, so Anschober.

Zur aktuell laut Umfragen niedrigen Impfbereitschaft meint Anschober, dass hier keine strengeren Maßnahmen geplant seien. „Wir setzen auf ehrliche, transparente Informationsarbeit. Ich sehe viele Menschen, die noch unentschlossen sind. Es gibt viele, die fix gehen wollen, und jene, die heftige Gegner sind und die wir kaum bekehren werden könne. Es geht um den großen Bereich der Mehrheit, der sich in der Mitte befindet und sich noch nicht entschieden hat. Hier geht es um Aufklärung und Information. Ich bin der Meinung, das jene, die sich für die Impfung entscheiden, deutlich im Wachsen sind“, ist Anschober optimistisch.

Große Reformprojekte warten

Durch die Pandemie sei im Jahr 2020 aber auch vieles in den Hintergrund geraten – 2021 wolle man daher große Reformprojekte – von der Pflege bis zum Tierschutz - umsetzen.

Der e-Impfpass etwa soll den derzeitigen Papier-Impfpass ersetzen. Dieser solle bis  spätestens Ende März flächendeckend ausgerollt werden. Alle Impfungen sollen dann in einem Impfregister erfasst werden.

Bei der Pflege wolle man die nächsten Monate ganz zentrale Weichen stellen, bei der Ausbildung, bei der Umschulung aber auch mit der Zurückholung von ausgebildeten Kräften.


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