Arbeiterkammer feiert 100 Jahre
OÖ/LINZ. Mit einem Festakt im Design Center Linz feierte die Arbeiterkammer OÖ 100-jähriges Bestehen. Beim Festakt warf Präsident Johann Kalliauer einen Blick zurück in die Geschichte, präsentierte aber auch die für ihn größten Herausforderungen der Zukunft. Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hielt die Festrede.

„Mit der Gründung der AK waren arbeitende Menschen nicht länger Menschen zweiter Klasse. Das ist für mich das Prägendste“, so Kalliauer beim Festakt „100 Jahre Arbeiterkammer Oberösterreich“ im Design Center Linz. Die Aufwärtsentwicklung des Landes nach 1945 sei eng verbunden mit der Sozialpartnerschaft. „Dass es unterschiedliche Interessen gibt, ist normal. Es geht immer darum, einen Ausgleich zu finden. Die Sozialpartnerschaft ist nach wie vor ein Erfolgsmodell. Sie funktioniert allerdings nur, wenn sie auf Augenhöhe erfolgt“, so Kalliauer.
Die AK OÖ habe sich im Laufe der Jahre zu einer selbstbewussten Serviceorganisation, interessenpolitischen Stimme und verlässlichen Partnerin der Gewerkschaften entwickelt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei der starke Rückhalt bei den Mitgliedern. „Ihnen sind wir verpflichtet. Sie entscheiden über die Zukunft der AK – und niemand sonst.“
In Zukunft stark beschäftigt sein werde die AK mit den Themen Digitalisierung, Ökologisierung und dem Bildungssystem. Für den AK-Präsidenten entscheidend ist auch, wie sich das Sozialsystem entwickeln wird. „Wir haben ja schon eine Zwei- oder sogar Drei-Klassen-Medizin. Die Frage ist: Gelingt es uns, einen zeitnahen Zugang für alle gesundheitlichen Leistungen für alle sicherzustellen.“ Auch der Erhalt des staatlichen Pensionssystems und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seien ein großes Anliegen.
„Land wird getragen von Institutionen wie der AK“
Grußworte kamen beim Festakt von Landeshauptmann Thomas Stelzer und dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger. Stelzer betonte das Miteinander, das stark mache. „Unser Land wird getragen von Institutionen wie der Arbeiterkammer. Mit ihren vielen guten Ideen und ihrem Engagement ist die AK aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken.“ Dass derFestakt im Design Center stattfinde, habe für Bürgermeister Luger eine besondere Bedeutung. „Das Design Center ist ein Kind der 1980er-Jahre, das war eine Zeit, in der unsere Industrie in Oberösterreich vor dem Kollaps stand. Und auch die Arbeiterkammer wurde vor 100 Jahren in einer schwierigen Zeit gegründet“, so Luger, für den die AK ein Schutzschild für all diejenigen sei, die in ihrem Job keine menschliche Behandlung erfahren.
Fischer: „Müssen uns an Spielregeln halten. Und unsere Spielregeln heißen Verfassung“
Seit ihrer Gründung habe die AK „viel Freud', aber auch viel Leid erfahren hat – genauso wie unser Land“, so der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer in seiner Festrede. „Die AK ist aber immer wieder gestärkt aus Krisen zurückgekommen.“ Zum „Erfolgsmodell“ Zweite Republik habe die Sozialpartner sehr viel beigetragen. „Das Gegenteil von Demokratie ist die Diktatur. Und die wollen wir nicht haben. Denn in einer Diktatur gibt es keine Menschenwürde. Wir müssen daher danach trachten, unsere Demokratie zu erhalten. Das heißt: Wir müssen uns an die Spielregeln halten. Und die Spielregeln heißen Verfassung“, so Fischer.


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