„Jugendliche brauchen Platz im öffentlichen Raum“

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Offen Räume für Jugendliche (Foto: Kinderhilfswerk)
Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 23.06.2021 16:39 Uhr

LINZ. Die monatelange soziale Isolation, Herausforderungen im Distance-Learning, das Verbot von Vereinsaktivitäten und die Einschränkungen, sich mit Freunden unbeschwert zu treffen, wirken sich negativ auf das psychische Wohlergehen vieler Jugendlicher aus. Umso wichtiger ist es laut Kinderhilfswerk und SOS-Kinderdorf daher, ihnen mit Blick auf den Sommer Platz im öffentlichen Raum zu geben, wo sie Gleichaltrige treffen, Spaß haben und eine sorgenfreie Zeit ohne Konsumzwang verbringen können.

„Wir beobachten seit Mai 2020 einen steigenden Bedarf an unserem psychotherapeutischen Beratungsangebot“, berichtet Rudolf Fessl, der fachliche Leiter des Kinderhilfswerks. „Belastende Situationen wie Überforderung im Homeschooling, Ängste, den Anschluss in der Schule zu verlieren oder den Berufseinstieg nicht zu schaffen, der fehlende persönliche Austausch mit Freunden und das Gewaltpotenzial in den eigenen vier Wänden, besonders dort, wo der Wohnraum beengt ist, haben deutlich zugenommen. Wir sehen mit Sorge, dass sich vor allem Jugendliche vermehrt zurückziehen, zu depressiven Episoden neigen und Suizidgedanken hegen“, ergänzt der Kinder- und Jugendlichentherapeut.

Die Erfahrungen des Kinderhilfswerks bestätigen die aktuellen Zahlen von Rat auf Draht, dem Notruf von SOS-Kinderdorf für Kinder und Jugendliche. Clemens Klingan, Geschäftsleiter von SOS-Kinderdorf in OÖ erläutert: „Die Sorgen der jungen Menschen haben sich in der Corona-Krise völlig verändert. Unsere Experten führten verstärkt Gespräche zu Angstzuständen (+ 61 Prozent), Überforderung mit Homeschooling (+ 159 Prozent), Schlafstörungen (+ 64 Prozent) und Sorgen vor Arbeitslosigkeit (+ 60 Prozent).“

„Solidarität ist keine Einbahnstraße“

Es sei daher verständlich, dass bei Jugendlichen jetzt, wo sich die Situation rund um die Corona-Krise entspannt, Maßnahmen gelockert oder gar aufgehoben werden, das Bedürfnis nach Spaß und Feiern mit Gleichaltrigen besonders groß ist. Ihr Leben wurde über ein Jahr lang auf „Stopp“ gestellt, nun möchten sie ihren Alltag wieder altersgemäß verbringen. Für mediales Aufsehen sorgte unlängst aber die Eskalation zwischen Polizei und Jugendlichen im Zuge einer nächtlichen Feier am Wiener Karlsplatz.

„In den Köpfen vieler junger Menschen hat sich einiges angestaut, was nun ausgelebt werden muss. Kontakte mit Gleichaltrigen zu knüpfen und zu pflegen sowie ausgelassen zu feiern gehört dazu. Abgesehen davon dürfen wir nicht vergessen: Jugendliche treffen sich nun einmal gerade im Sommer gerne im Freien, das war auch schon vor der Corona-Krise so“, meint Peter Begsteiger. Der Vereinsgründer und Obmann des Kinderhilfswerks sowie Spiel- und Erlebnispädagoge hat jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit jungen Menschen. Damit es nicht wie in Wien zur Konfrontation mit der Polizei kommt, schlägt er daher vor: „Die Linzer Stadtpolitik, aber auch politisch Verantwortliche in anderen oö. Gemeinden, sollten das Thema offensiv angehen und sich gemeinsam mit Partnern aus der Jugendarbeit überlegen, wo im öffentlichen Raum Platz für Jugendliche geschaffen werden kann. Orte, wo sie sicher und selbstbestimmt sind, Beziehungen abseits ihrer Familie erleben und weitgehend ungestört sorgenfreie Stunden verbringen können.“

Eltern und andere Bezugspersonen seien gefordert, mit den Jugendlichen in einen Austausch auf Augenhöhe über „Fair-Play-Regeln“ des Miteinanders im öffentlichen Raum zu kommen, wenn es etwa um das Rücksicht nehmen auf Anrainer und das richtige Entsorgen des „Partymülls“ geht. „Die meisten jungen Menschen haben sich während der Corona-Krise sehr solidarisch gezeigt und Maßnahmen verantwortungsvoll mitgetragen. Und das, obwohl sie das Einschränken der sozialen Kontakte besonders hart getroffen hat. Sie brauchen das Miteinander und das Erproben in der Peer- Gruppe schlichtweg für ihre Entwicklung,“ erklärt Clemens Klingan von SOS-Kinderdorf in OÖ.

Peter Begsteiger ergänzt: „Jetzt ist es Zeit unseren Jugendlichen zu zeigen, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist, sondern dass wir Verständnis für ihre Bedürfnisse haben, dass wir gemeinsam Lösungen für ihre Anliegen suchen und im Gespräch mit ihnen bleiben. Es liegt in der Verantwortung von den Erwachsenen, jungen Menschen zu signalisieren, dass sie unsere Zukunft sind, dass wir an sie glauben und dass wir sie brauchen.“

Ausbau des psychotherapeutischen Angebots als Zukunftsinvestition

Viele Experten gehen davon aus, dass die Notwendigkeit professioneller therapeutischer und pädagogischer Unterstützung für junge Menschen in den nächsten Monaten weiter zunehmen wird, auch dann, wenn die Corona-Krise überstanden ist. Deshalb wünschen sich das Kinderhilfswerk und SOS-Kinderdorf - auch mit Blick auf das kommende Schuljahr - den Ausbau des leistbaren Psychotherapie-Angebots für alle Kinder und Jugendlichen. Denn ob ein Kind oder Jugendlicher einen Therapieplatz bekommt, darf nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängig sein. Das würde die derzeit viel zitierte Schere der sozialen Ungleichheit weiter öffnen und damit den gesellschaftlichen Frieden gefährden.

„Die gute Nachricht ist, in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen kann man bereits mit relativ wenig Ressourcen nachhaltig viel bewirken, besonders dann, wenn eine seelische Krise noch nicht zu einem chronischen Leiden geworden ist“, weiß Psychotherapeut Rudolf Fessl. „Wenn wir rechtzeitig und mit zielgerichteter Förderung in die psychische Gesundheit von jungen Menschen investieren, dann investieren wir gleichzeitig in ihre körperliche Gesundheit, in ihre sozialen Chancen, in ihren Bildungsweg und damit in ihre Zukunftsperspektiven. Ich bin überzeugt, dass das die beste Investition in unsere Gesellschaft von morgen wäre.“

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