Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

LINZ. Die Landwirtschaft in und rund um Linz steht vor großen Herausforderungen: weniger Betriebe, steigende Kosten, mehr Wetterextreme und wachsender Druck auf landwirtschaftliche Flächen. Bezirksbäuerin Michaela Sommer spricht über wirtschaftliche Zwänge, neue Rollen für Bäuerinnen – und warum Landwirtschaft für die Gesellschaft unverzichtbar bleibt. Die UNO hat für 2026 das Internationale Jahr der Bäuerin ausgerufen.

Die Linzer Bezirksbäuerin Michaela Sommer (Foto: Dominik Derflinger)
Die Linzer Bezirksbäuerin Michaela Sommer (Foto: Dominik Derflinger)

Die Landwirtschaft in Linz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Im Jahr 2000 gab es noch 99 landwirtschaftliche Betriebe, im Jahr 2024 waren es nur noch 62. Auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist in diesem Zeitraum zurückgegangen – von rund 1.770 auf etwa 1.536 Hektar. Der Rückgang zeigt, dass der Strukturwandel auch im städtisch geprägten Bezirk längst Realität ist. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Biobetriebe zu: Während im Jahr 2000 erst sechs Höfe biologisch wirtschafteten, waren es 2024 bereits 16. Die landwirtschaftlichen Flächen werden im Bezirk überwiegend als Acker genutzt. Rund 1.108 Hektar entfallen derzeit auf Ackerflächen, etwa 425 Hektar auf Grünland.

Schwierige Marktbedingungen

Für viele landwirtschaftliche Betriebe sind vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer großen Herausforderung geworden. „Der wirtschaftliche Druck durch die hohen Betriebsmittelkosten – etwa bei den Düngemittelpreisen – und die niedrigen Preise für Getreide, Zucker oder Mais schmerzt in der Ackerbauregion natürlich enorm“, erklärt Bezirksbäuerin Michaela Sommer. Hinzu komme, dass die Anforderungen an die landwirtschaftliche Produktion in Österreich hoch seien. „Wir haben sehr strenge Auflagen – sowohl am Acker als auch im Tierbereich. Gleichzeitig sollen wir am freien Markt preislich mit Importen aus Ländern mithalten, die wesentlich niedrigere Standards haben.“ Diese Situation führe zu einem schwierigen Spannungsfeld. „Der Konsument wünscht sich beste Qualitätsstandards zu niedrigsten Preisen. Das ist so einfach nicht machbar.“

Bäuerinnen prägen die Entwicklung der Höfe

Auch innerhalb der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Besonders deutlich zeigt sich das in der Rolle der Frauen. „Die Rolle der Bäuerin auf dem Hof war schon immer eine sehr wichtige“, sagt Sommer. Früher sei sie vor allem für den großen Haushalt und für den Stall zuständig gewesen – gerade auf Höfen, auf denen noch Gesinde mitarbeitete. Heute habe sich das Aufgabengebiet deutlich erweitert. „Auch heute ist die Bäuerin die Seele des Betriebes. Je nach Wirtschaftsweise ist sie weiterhin stark in der landwirtschaftlichen Arbeit eingebunden oder sie geht zusätzlich einem außerlandwirtschaftlichen Beruf nach.“ Immer häufiger übernehmen Frauen auch selbst die Führung von landwirtschaftlichen Betrieben. „Heute wird rund ein Viertel der Höfe von einer Frau geführt“, sagt Sommer. Darüber hinaus seien es oft Bäuerinnen, die neue Ideen, Betriebszweige und Innovationen vorantreiben.

Neue Herausforderungen

Neben wirtschaftlichen Fragen macht sich auch der Klimawandel immer stärker bemerkbar. Landwirte seien besonders stark von Wetter und Natur abhängig, betont Sommer. „Extremwetterereignisse wie Sturm, Hagel, Starkregen oder Dürre treffen uns natürlich sehr und führen immer wieder zu Ernteausfällen.“ Stürme könnten nicht nur im Wald große Schäden verursachen, sondern auch auf den Feldern. „In den letzten Jahren hat Sturm sogar Maisflächen flachgelegt.“ Viele Betriebe versuchten, sich durch Versicherungen abzusichern. „Wir sind zwar so weit wie möglich versichert, aber der finanzielle Schaden wird dadurch trotzdem nicht völlig ausgeglichen.“

Agrar-Flächen unter Druck

Gerade rund um eine Stadt wie Linz geraten landwirtschaftliche Flächen zunehmend unter Druck. Der Bedarf an Baugrundstücken wächst, während landwirtschaftliche Flächen begrenzt sind. „Im Speckgürtel einer Stadt ist der Wunsch nach Baufläche natürlich höher“, sagt Sommer. Solange Neubauten wirtschaftlich attraktiver seien als die Nutzung bestehender Gebäude oder Leerstände, werde sich daran wenig ändern. Sie sieht hier ein grundlegendes gesellschaftliches Thema: „Hier ist ein generelles Umdenken notwendig. Dem Lippenbekenntnis zum Ressourcenschonen müssen auch Taten folgen – von allen Beteiligten.“

Ein Beruf mit Verantwortung

Trotz aller Herausforderungen beschreibt Sommer die Arbeit in der Landwirtschaft als erfüllend. Sie selbst war zwölf Jahre in einem außerlandwirtschaftlichen Beruf tätig und kennt daher beide Seiten. „Mein damaliger Beruf hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber für mich ist der schönste Beruf trotzdem Bäuerin“, sagt sie.

Besonders prägend sei eine Erinnerung aus ihrer Jugend gewesen. „Als ich zum ersten Mal Weizen säen durfte, hat mein Vater zu mir gesagt: Sei dir bewusst – du sorgst dafür, dass das Getreide wächst, damit viele Menschen etwas zu essen haben.“ Dieser Satz stehe für sie bis heute für die Bedeutung der Landwirtschaft. „Brot hat heute vielleicht nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher. Aber es zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist. Schließlich geht es um unser tägliches Essen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Mobbing bei Kindern erkennen und handeln: Erziehungsimpulse liefern Tipps für Eltern

Mobbing bei Kindern erkennen und handeln: Erziehungsimpulse liefern Tipps für Eltern

LINZ. Wiederholte Ausgrenzung, Beschimpfungen und Demütigungen können Kinder schwer belasten. Bei den „Erziehungsimpulsen“ des OÖ Familienbundes ...

Tips - total regionalNora Heindl
Alkoholverbot am Linzer Hauptbahnhof soll ab März 2027 gelten

Alkoholverbot am Linzer Hauptbahnhof soll ab März 2027 gelten

LINZ. Ab 1. März 2027 soll am und rund um den Hauptbahnhof ein Alkoholverbot gelten. Begleitend sind soziale Angebote geplant. Auch Videoüberwachung ...

Tips - total regionalNora Heindl
Jugendservice Campus Linz zählt mehr als 7.000 Besucher im ersten Jahr

Jugendservice Campus Linz zählt mehr als 7.000 Besucher im ersten Jahr

LINZ. Der Jugendservice Campus in Linz zieht nach einem Jahr Bilanz: Mit rund 400 Veranstaltungen und mehr als 7.000 Besuchern zeigt sich der ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Klimastreik in Linz: Verkehrsbehinderungen erwartet

Klimastreik in Linz: Verkehrsbehinderungen erwartet

LINZ. Fridays For Future ruft am Freitag, 16. Oktober, von 16 bis 18 Uhr zum Klimastreik am Linzer Pfarrplatz auf. Verkehrsteilnehmer müssen ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
JKU Linz vergibt Professuren an zwei Juristen und Ärztin

JKU Linz vergibt Professuren an zwei Juristen und Ärztin

LINZ. Sie lehren Steuerrecht und erforschen den Grünen Star: Die JKU hat zwei Juristen und eine Ärztin mit Professuren ausgezeichnet.

Tips - total regionalLeitner Birgit
Herta Steinbichl: ein Leben zwischen Pflege und Selbstfürsorge

Herta Steinbichl: ein Leben zwischen Pflege und Selbstfürsorge

LINZ. Seit einem Unfall ihres Mannes bestimmt die Pflege den Alltag von Herta Steinbichl. Die 64-jährige Pichlingerin weiß, wie schwer es sein ...

Tips - total regionalNora Heindl
Weitere Beiträge