ÖVP-Vorstoß: Urfahr soll ein neues „Generationenzentrum“ bekommen
LINZ. Mit konkreten Plänen für ein „Generationenzentrum“ am Standort des derzeitigen Volkshauses Harbach (Urfahr) ließ am Mittwoch Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP) aufhorchen. Seniorenreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing hält einen solchen „Schnellschuss“ für ein neues Seniorenzentrum vor der Wahl zwar für „nicht notwendig“, bestätigt aber, dass der Standort grundsätzlich denkbar sei.

Linz muss in den kommenden Jahren zusätzliche Plätze in Seniorenheimen schaffen, um die erwartete Nachfrage zu decken. „Vor allem ab dem Jahr 2025 wird der Bedarf an Heimplätzen stark ansteigen. Es ist also höchst an der Zeit, jetzt mit Projekten zu starten, damit zusätzliche Kapazitäten rechtzeitig zur Verfügung stehen“, begründete der ÖVP-Vizebürgermeister seine Forderung bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Seniorenzentrum, Volkshaus, Kindergarten und Café in einem Bau
Ein in vielfacher Hinsicht hochinteressantes Projekt ist der Standort des Volkshaus Harbach. An dieser Stelle kann in hybrider Bauweise ein Generationenzentrum, bestehend aus Seniorenzentrum, Volkshaus, Kinderbetreuungseinrichtung und Café errichtet werden. „Wir wollen den Menschen auch im Alter ermöglichen, weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung zu wohnen. Mit diesem modernen Konzept in Harbach können wir ein hervorragendes Angebot für den Stadtteil anbieten“, so Vize-Bürgermeister Bernhard Baier.
Baier: „Jetzt ist Urfahr an der Reihe“
In Linz gibt es derzeit zehn städtische Seniorenzentren und sieben private Seniorenheime. Insgesamt stehen in allen 17 Einrichtungen rund 1.900 Plätze zur Verfügung. Nördlich der Donau befinden sich derzeit mit dem SZ Franz Hillinger und dem SZ Dornach Auhof nur zwei Einrichtungen. „Ein Seniorenzentrum in Harbach wäre genau zwischen den beiden bestehenden Einrichtungen gelegen und würde somit das Angebot in Urfahr perfekt ergänzen und jedenfalls um 100 Plätze erweitern“, so Bernhard Baier, der betont: „Für das nächste Seniorenheim ist für uns ganz klar Urfahr dran.“
Kein einziger Baum müsste für das Vorhaben gefällt werden
Die Machbarkeitsstudie, die die Linzer ÖVP mit einem Architekturbüro erstellt hat, sieht folgende Details vor: In jenem Bereich, in dem derzeit das Volkshaus Harbach steht, soll ein neues vier- bis fünfstöckiges Gebäude entstehen. Die Geschossanzahl ist letztlich abhängig, welche zusätzlichen Nutzungen fixiert werden. Das Erdgeschoss weißt im Modell eine Bruttogeschäftsfläche von 1.320 m² auf. Hinzu kommt eine überdachte Gartenzone, die für Veranstaltungen genutzt werden kann. Im Kellergeschoss stehen 1.500 m² für die Tiefgarage zur Verfügung. Die einzelnen Obergeschosse weisen je eine Geschossfläche von 2.300 m² auf, hinzu kommt ein Dachgeschoss mit 715 m². Bei einem vierstöckigen Gebäude plus Dachgeschoss könnten so am Standort max. 12.735 m² entstehen, die für die Bedürfnisse der Bevölkerung genutzt werden können. „Für die Errichtung des neuen Gebäudes muss kein einziger Baum gefällt werden. Außerdem ist die Stadt bereits Grundstückseigentümer, was den Kauf eines zusätzlichen Grundstückes erübrigen würde“, so Baier.
Hörzing: „Standort wurde bereits geprüft“
Verwundert zeigt sich Seniorenreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing über den Vorstoß von Vizebürgermeister Baier über die Standortsuche nach einem weiteren Pflegeheim für Urfahr, konkret beim Volkshaus Harbach. „Es gibt dazu bereits Überlegungen. Bürgermeister Klaus Luger hat diesen Vorschlag sogar bereits prüfen lassen“, erklärt Hörzing. Diese Prüfung hat ergeben, dass eine Aufstockung des Volkshauses aus statischen Gründen nicht möglich ist. Das bedeutet in weiterer Folge, dass entweder mit Säulen darüber oder völlig neu gebaut werden müsste.
Ein Seniorenzentrum beim Volkshaus Harbach ist aber für die zuständige Vizebürgermeisterin grundsätzlich denkbar.
„Kein Schnellschuss vor der Wahl notwendig“
„Bevor man über konkrete Standorte diskutiert, ist es jedoch vernünftig, zuerst den genauen Bedarf noch einmal zu prüfen. Es hat sich gezeigt, dass es in den letzten Jahren zu starken Veränderungen bei den Bedarfen gekommen ist, weswegen eine Aktualisierung der Bedarfsprognose bereits in Auftrag gegeben wurde“, betont Hörzing. Deswegen zeigt die Seniorenreferentin auch Unverständnis über den Zeitpunkt der Pressekonferenz.
Keine Dringlichkeit für Standort-Entscheidung
Bei einer Bauzeit von zwei Jahren ist in den nächsten Jahren tatsächlich eine Entscheidung über den Standort zu treffen. „Auf Basis der letzten Bedarfsprognose, die Vizebürgermeister Baier durchaus bekannt ist, ist aber ein Schnellschuss 31 Tage vor der Wahl nicht notwendig“, so Hörzing. Die letzte Erhebung hat wieder gezeigt, dass die Landeshauptstadt im Vergleich mit anderen Bezirken Oberösterreichs nach wie vor die kürzeste Wartezeit auf einen Pflegeplatz verzeichnet.
Begrüßenswert findet Hörzing den Vorschlag eines Generationenhauses, wenn auch diese Idee nicht neu ist. Im kürzlich einstimmig beschlossenen neuen Linzer Sozialprogramm 2021 wurde festgehalten, dass es vermehrt zu einer Mehrfachnutzung von öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden kommen soll. „Die vorübergehende Unterbringung des Kindergartens Garnisonstraße im SZ Franckviertel hat gezeigt, dass beide Nutzergruppen davon profitierten. Deswegen sollen diese Synergien künftig mehr genutzt werden“, erklärt Hörzing. Des Weiteren ist ohnehin vorgesehen, dass die Seniorenzentren künftig vermehrt als Netzwerkzentren im Stadtteil fungieren sollen.


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