Neuausrichtung der Angebote im JugendService: psychische Gesundheit als Schwerpunkt

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Nora  Heindl Tips Redaktion Nora Heindl, 25.01.2022 15:02 Uhr

OÖ. Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten, Schlafprobleme sowie Druck und Stress: Die Nebenwirkungen der Pandemie haben vor allem bei Jugendlichen deutliche Spuren hinterlassen. Das JugendService des Landes OÖ deshalb heuer einen Schwerpunkt in psychischer Gesundheit.

Wie eine aktuelle Erhebung der Sozialversicherungen zeigt, sind insbesondere junge Menschen von den Folgen der Pandemie betroffen. Vom 1. Quartal 2020 zum 3. Quartal 2021 stieg die Anzahl der Jugendlichen in OÖ, die Antidepressiva nehmen um 40,6 Prozent. Besonders hoch ist der Anstieg bei jungen Frauen mit einem Plus von 52,3 Prozent, im Vergleich zu jungen Männern mit einem Plus von 18,1 Prozent. In Zahlen sind das aktuell 1.270 Jugendliche (900 Frauen und 370 Männer), denen Antidepressiva verschrieben wurden, im ersten Quartal 2020 waren es noch 900 Jugendliche (600 Frauen und 300 Männer). 

Einen „Weckruf“ nennt Peter Lehner, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, das Ergebnis der Erhebung und warnt davor „diese Fakten als Corona-Spezifikum abzutun“. „Corona ist nicht eine Ausnahmesituation, sondern Corona ist in vielem ein Katalysator. Das Thema wird nicht mit dem Ende der Pandemie verschwinden. Wir müssen das kurz- und langfristig angehen“, so Lehner, der darauf pocht, Gesundheitskompetenz so früh wie möglich zu fördern. „Im jugendlichen Alter wird die Basis dafür geschaffen, was gesund ist und wieviel zu viel ist. Viele der psychischen Belastungen kommen dadurch, dass die Erkenntnis des richtigen Maßes verkannt wird.“ Es gelte die Eigenverantwortung der Jugendlichen für den eigenen Körper und die eigene Gesundheit möglichst früh zu stärken. „Denn wir alle wissen, dass das ändern einer Gewohnheit im fortgeschrittenen Alter sehr schwierig ist, also gewöhnt man sich schlechte Gewohnheiten am besten gar nicht an“, erinnert Lehner.

Schwerpunkt „psychische Gesundheit“

Für Jugend-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer unterstreichen die Daten die Notwendigkeit von entsprechenden Beratungsangeboten für junge Menschen. Das Angebot des JugendService des Landes, mit 30.000 persönlich erreichten Jugendlichen pro Jahr die zentrale Anlaufstelle für junge Menschen, wird daher neu gestaltet und richtet sich heuer nach dem Schwerpunkt „psychische Gesundheit“ aus. Vier zentrale Themenbereiche wurden festgelegt:

  • Essstörungen: Vor allem bei Mädchen ist die Anzahl der Essstörungen gestiegen. Diese dienen oftmals als vermeintliche Bewältigungsstrategie bei Stress und psychischen Problemen. Verstärkend kommt hinzu, dass durch die Corona-Pandemie die Jugendlichen oftmals ihre gewohnten Tagesstrukturen verloren haben.
  • Selbstverletzendes Verhalten: Gründe sind meist verstärkter Druck bzw. eine Folge von Depressionen. Betroffene schämen sich oftmals für ihre Situation und sprechen nicht offen über das Problem der Selbstgefährdung.
  • Schlaf(-probleme): Ein weiteres Symptom psychischer Erkrankungen bzw. eine Folge aufgrund mangelnder Tagesstrukturen sind Schlafprobleme. Oftmals fehle auch das Bewusstsein für die Wichtigkeit von ausreichend Schlaf, zudem gibt es großen Einfluss durch erhöhten Medien- und Smartphone-Konsum.
  • Druck und Stress bzw. damit verbundene psychische Erkrankungen unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind stark gestiegen. Ein Grund sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Jugend: Durch die Schutzmaßnahmen gibt es weniger Möglichkeiten, mit Stress umzugehen bzw. herrscht teilweise hoher Druck durch Homeschooling und mehr Zeit im Elternhaus bzw. mit den Geschwistern. Zudem ist ein erhöhter bis exzessiver Konsum von Social Media zu beobachten, der Einsamkeitsgefühle, Panik- und Angststörungen verursacht.

„Wir nehmen die Themen der Jugend ernst. Wir sprechen sie daher offen an. Und werden auch darüber sprechen - mit den Betroffenen, aber auch in der breiten Öffentlichkeit, um zu enttabuisieren. Das sind schlichtweg die Themen, die die jungen Leute beschäftigen und wo wir sie unterstützen werden“, betont Hattmannsdorfer.

Bündelung der Maßnahmen auf www.für-dich-da.at

Alle Anlaufstellen und Fachinformationen zum Thema „psychische Gesundheit“ werden für Jugendliche auf der Plattform www.für-dich-da.at zentral zusammengefasst. Podcasts, Videos und Beiträge von Experten stellen betroffenen Jugendlichen bei Problemen erste Informationen zur Verfügung. Jugendliche finden dort zudem die wichtigsten Anlaufstellen für ihr individuelles Anliegen und können mit den Jugendberatern unkompliziert in Kontakt treten. Der Start der Plattform ist für die Semesterferien vorgesehen.

Bereits jetzt erreichen die Jugendinfo pro Jahr 30.000 Anfragen von Jugendlichen aus dem ganzen Land. Herzstück ist die zertifizierte Online-Beratung. Hier können Jugendliche mit ihrem Anliegen anonym und niederschwellig mit dem JugendService in Kontakt treten. Ausgebildete Jugendberater stehen in den 14 Infostores des JugendService als Erstanlaufstelle für die jungen Landsleute bereit. In Pandemie-Zeiten wird natürlich zudem die Vereinbarung von Face-to-Face Online-Gesprächen angeboten.

Um Lehrkräfte, Jugendarbeiter und Ehrenamtliche zu erreichen, wird das JugendService seine Angebote umfassend aufbereiten und allen Interessierten kostenlos zur Verfügung stellen. Unter dem Schwerpunkt der psychischen Gesundheit werden eigene Workshop-Formate (Rufseminare) für Schulen und Jugendzentren entwickelt und spezielle Weiterbildungen für Jugendberater organisiert. Lehrkräfte, Schüler und Jugendarbeiter erhalten über das JugendService umfassende Informationen zu den Schwerpunkt-Themen.

Das JugendService wird zudem die Vernetzung von Jugendorganisationen und Stakeholdern in diesem Bereich vorantreiben, um einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Dazu wird eine eigene Fachkonferenz zum Thema „psychische Gesundheit“ stattfinden, um breit über das Thema zu informieren und sich austauschen zu können.

„Wir nehmen die Probleme der jungen Oberösterreicherinnen und Oberöster-reich sehr ernst. Wir werden sie daher aktiv unterstützen und stehen ihnen zur Seite“, so Hattmannsdorfer abschließend.

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