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Online Redaktion, 02.11.2022 15:21

OÖ. Birgit Gerstorfer war von 2016 bis 2022 Landesparteivorsitzende der SPÖ. Am 10. November übergibt sie auch als Landesrätin an ihren Nachfolger Michael Lindner. Im Gespräch mit Tips-Chefredakteur Josef Gruber blickt sie zurück und auch auf ihre künftige Aufgabe.

Birgit Gerstorfer übergibt am 10. November ihr Amt als Landesrätin. (Foto: Volker Weihbold)
Birgit Gerstorfer übergibt am 10. November ihr Amt als Landesrätin. (Foto: Volker Weihbold)

Tips: Wie oft haben Sie sich seit Ihrem Wechsel in die Politik gedacht: „Wäre ich doch AMS-Chefin geblieben“?

Birgit Gerstorfer: Das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, aber ich beantworte sie immer wieder gleich. Es gibt keinen Tag und keine Sekunde, wo ich das bereut habe, auch deswegen, weil es eine abwechslungsreiche Tätigkeit ist. Jeder Tag ist unterschiedlich und das Schönste daran ist, Menschen unterstützen und Hilfe bieten zu können.

Tips: Woran ist es gelegen, dass die SPÖ in OÖ nie zu ihrer alten „Flughöhe“ zurückgefunden hat? Erich Haider war ja einmal knapp dran.

Gerstorfer: Die Situation damals war natürlich sehr stark verquickt mit der VOEST und mit der Privatisierung der VOEST. Danach ist es leider bergab gegangen – mit einem kleinen minimalistischen Aufwärtstrend bei der letzten Wahl. Die Menschen sind sehr stark von ÖVP-Personen und ÖVP-Themen dominiert. Die Öffentlichkeitsarbeit, die die ÖVP macht, unterdrückt sehr viele andere Bereiche im Bereich der SPÖ und auch von anderen Parteien. Das Machtbewusstsein der ÖVP ist sehr groß. Das ist mit ein Grund, aber natürlich geht es um die Themenstellungen und um die Fragen, die die Menschen beschäftigen. Und da sind wir ein bisschen zu wenig durchgedrungen. Das ist sicherlich selbstkritisch zu bemerken.

Tips: Warum kann die SPÖ auch im Bundesgeschehen von den aktuellen politischen Turbulenzen nicht profitieren?

Gerstorfer: Ich glaube, dass das die SPÖ auf jeden Fall tut. Die SPÖ ist in den Meinungsumfragen ganz vorn mit dabei, natürlich mal mit Schwankungen. Fakt ist, dass die ÖVP ein massives Korruptionsproblem hat und dieses jetzt auch in der Öffentlichkeit angekommen ist. Die Schlagzeilen sind ganz eindeutig dominiert von Kurz, Schmid und dem dazugehörigen Selbstbedienungsladen, den sie sich da errichtet haben. Die SPÖ macht eine seriöse Politik. Und das sieht man jetzt natürlich auch in den Umfragen.

Tips: Welche Initiativen wollen Sie als künftige Chefin der SP-Pensionisten in OÖ setzen?

Gerstorfer: Der Pensionistenverband ist eine traditionsreiche Organisation. 70 Jahre Pensionistenverband wurden vor Kurzem gefeiert. Eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Altersarmut zu bekämpfen und Menschen zu unterstützen. Das ist natürlich ein großer Schwerpunkt, dass die Daseinsvorsorge für die ältere Generation gewährleistet ist. Da geht es um die Frage der Pensionen, die Frage des Gesundheitssystems, die Frage der Pflege. Ein zweiter Schwerpunkt wird auch sein, die Gemeinschaft unter der älteren Generation zu stärken. Das machen wir mit Kultur-, mit Sportveranstaltungen, mit Bildungsangeboten. Damit der Spaß und die Gemeinschaft nicht zu kurz kommen.

Tips: Gehen Sie mit einem lachenden oder weinenden Auge, d. h., sind Sie froh über die Weitergabe der Last oder traurig über den Wechsel?

Gerstorfer: Es ist sicherlich beides, aber je näher der Zeitpunkt des Wechsels kommt, umso stärker ist die Freude auf das Neue, den neuen Lebensabschnitt und damit verbunden auch die neue Aufgabe der zukünftigen Präsidentin des Pensionistenverbands.

Tips: Wofür werden Sie sich künftig mehr Zeit nehmen?

Gerstorfer: Ganz sicher werde ich mehr Zeit haben für die Enkelkinder. Auch für meinen Garten, der ist relativ groß und braucht ordentlich viel Pflege. Da war ich manchmal sehr unzufrieden mit der Durchsetzungskraft des Unkrauts. Aber natürlich werde ich mich weiterhin für die Gemeinschaft und für die Menschen einsetzen, auf einer ehrenamtlichen Basis. Und das ist im Großen natürlich der Pensionistenverband und im Kleinen vieles andere mehr.


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