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LINZ. Der Linzer Mobilitätsreferent Martin Hajart (ÖVP) will den Fußgängern in der Stadt mehr Aufmerksamkeit widmen, dazu wird gerade ein Masterplan „Gehen“ erstellt, der im Frühjahr 2025 vorliegen soll. In Linz besteht großes Potential, derzeit werden noch viele kurze Wege mit dem Auto zurückgelegt.

Eine Stadt, in der man auch an heißen Sommertagen und im Alter seine Ziele gut zu Fuß erreichen kann - Lösungsansätze soll der Masterplan "Gehen" unter anderem dafür liefern. (Foto: Volker Weihbold)

Linz bekommt einen Masterplan fürs Gehen. Dieser wird derzeit von Rosinak und Partner erstellt und soll bis zum Frühjahr 2025 vorliegen. Der Masterplan (wie auch die Fahrradstrategie) sind laut Vizebürgermeister Martin Hajart Voraussetzung dafür, dass man sich entsprechende Projekte bis zu 50 Prozent vom Bund fördern lassen könne.

Mehr Sitzmöglichkeiten und Beschattung

Die zwei Kernthemen sind Sicherheit und Aufenthaltsqualität, was mehr Fußwege, aber auch mehr Sitzgelegenheiten für die zunehmend älter werdende Gesellschaft bedeutet. Bei den Sitzmöglichkeiten sieht Hajart ein besonderes Manko, er will mehr davon und dabei auch an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Altersstufen denken. Als Beispiel nennt er eine innovative Sitzbank der Firma velovio, die Sitzstufen, eine integrierte Radbox und die Möglichkeit zur Beschattung enthält.

Fokus auf ältere Bevölkerung

Was die Zielgruppen angeht wird ein besonderes Augenmerk auf die Senioren gelegt. Erstens wächst der Anteil der älteren Bevölkerung, zweitens sind die Senioren jene Gruppe, welche die meisten Wege zu Fuß zurücklegt. Und: die Sommerhitze macht besonders älteren Menschen zu schaffen, auch Beschattung ist ein Thema, das im Masterplan berücksichtigt wird. Nicht zuletzt wird auch Barrierefreiheit fokussiert, auch davon profitieren viele Senioren. Aber auch an die speziellen Bedürfnisse anderer Altersgruppen soll gedacht werden: bei Kindern etwa steht die Sicherheit im Mittelpunkt. Auch soll der Masterplan „Gehen“ ein geschlechtergerechter sein, die Linzer Mobilitätsplanung hat mit Veronika Tambe eine eigene Beauftragte für Gender-Planning.

Zehn Leitprojekte, Aufenthaltsqualität beim Kiosk im Franckviertel soll gesteigert werden

Ziel ist ein Hauptwegefußnetz, das die Stadtteile und wichtige Punkte wie etwa Ärztezentren oder Kindergärten miteinander verbindet. Zehn Leitprojekte sollen entstehen, die innerhalb dieses Fußwegnetzes liegen. Eines davon wird um den Kiosk im Franckviertel entstehen, hier schwebt Hajart ein Platz rundherum vor, der zum Aufenthalten einlädt.

Ist-Analyse durchwachsen

Für den Masterplan wurde auch der Ist-Zustand und vorhandene Daten der Stadtforschung analysiert. So weiß man zum Beispiel, dass in den Stadtteilen Bindermichl-Keferfeld und Urfahr viele Senioren bei gleichzeitig hoher Bevölkerungsdichte wohnen und kann dort dementsprechend Maßnahmen setzen. Laut Andrea Weninger, Geschäftsführerin von Rosinak und Partner, habe Linz wie viele andere Städte auch den Fußverkehr bisher vernachlässigt. Es gäbe aber auch viel Positives: Eine gute Durchnetzung, verkehrsberuhigte Bereiche, die Innenstadt lade zum Gehen ein und zahlreiche Tempo 30-Zonen würden die Verkehrssicherheit erhöhen.

Die derzeitigen Schwächen und vorhandene Lösungsansätze

Was die Schwächen angeht, nennt Weninger etwa kurze Grünphasen bei Ampeln, was gerade für Ältere ein Problem darstelle. Weitere Punkte, die Rosinak und Partner herausgearbeitet hat:

— der Fußverkehr muss mit dem ruhenden Verkehr um Flächen konkurrieren: hierzu hat Hajart bereits angekündigt, dass er künftig Quartiersgaragen und Tiefgaragen forcieren möchte

— Barrierefreiheit wird noch nicht flächendeckend umgesetzt

— von Seiten der Stadt fehlen bisher klare Vorgaben zur Umsetzung von Maßnahmen

— der Straßenraum ist nicht kindergerecht gestaltet

— Gehwege und Aufenthaltsflächen sind nicht beschattet

— Bänke, öffentliche Toiletten und Trinkbrunnen fehlen

— E-Scooter-Lenker nutzen die Fußwege zum Fahren und zum Abstellen: hierzu wurde eine Vereinbarung zwischen der Stadt Linz und den Scooter-Betreibern unterzeichnet. Die nicht ordnungsgemäß abgestellte Leihroller werden künftig auf Kosten der Betreiber abgeschleppt. Scooter, die Fußgänger behindern, sollen also künftig möglichst schnell entfernt werden.

Insgesamt wurden 300 Schwachstellen gefunden, die geclustert werden sollen. Großes Potential besteht noch bei den kurzen Wegen: etwa 65 Prozent aller in Linz zurückgelegten Wege sind kürzer als fünf Kilometer, auf den motorisierten Individualverkehr entfielen 42,1 Prozent aller Wege.

Zitiert

„Sich mit dem Gehen als der natürlichsten und gesündesten Form der Fortbewegung des Menschen verstärkt auseinander zu setzen, macht Sinn. Denn wo Menschen gern und sicher gehen können, ist die Aufenthaltsqualität in einer Stadt höher. So muss dem Gehen in unserer Stadt sowohl im Hinblick auf die Motivation, mehr Fußwege im urbanen Raum zurückzulegen als auch im Hinblick auf die Sicherheit der Fußgänger*innen mehr Augenmerk als bisher geschenkt werden. Dies gilt auch im Hinblick auf unsere immer älter werdende Gesellschaft und auf Sitzgelegenheiten, die man oftmals in Linz vergebens sucht“, fasst Hajart zusammen.

FPÖ Linz begrüßt Maßnahme, fordert besseren Schutz von Fußgängern

Die FPÖ Linz begrüße es ausdrücklich, dass den Interessen der Fußgänger mehr Bedeutung zukommen solle, so der Verkehrssprecher der Partei, Manuel Matsche. „Besonders wichtig ist uns Freiheitlichen, dass bei diesem Projekt vor allem die Gefährdungen von Fußgängern durch rücksichtslose Radfahrer, oder der unsachgemäße Umgang mit E-Scooter beleuchtet und berücksichtigt werden. So erreichen uns etwa oft Beschwerden von älteren Personen, die sich am Hauptplatz oder in der Landstraße von Radfahrern bedrängt fühlen. Hier muss sich die Mobilitätsplanung etwas überlegen!“, sagt Matsche.

NEOS Linz fordert Fokus auf Barrierefreiheit

Georg Redlhammer, Fraktionsvorsitzender der NEOS Linz, fordert, dass Hajart beim Masterplan Gehen die beeinträchtigten Menschen in den Fokus stellt. „Denn dann werden überraschende Lösungen entdeckt, die auch jungen Familien  mit Kinderwagen und  älteren Menschen helfen, die Stadt mit einer neuen Leichtigkeit zu durchqueren.“, so Redlhammer.


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