Tips-Sommergespräch: Auf einen Kaffee mit Gerlinde Grünn
LINZ. Seit 15 Jahre ist Gerlinde Grünn Gemeinderätin in Linz. Im Sommergespräch mit Tips sprach die Fraktionsführerin der KPÖ unter anderem über öffentlichen Raum und ihre Erfahrung im Linzer Gemeinderat.

Tips: Wie sehen Sie Ihre Rolle bzw. jene der KPÖ im Gemeinderat?
Grünn: Ich war zwölf Jahre lang alleine Gemeinderätin, seit der vergangenen Wahl 2021 sind wir mit Michael Roth-Schmida zu zweit. Unsere Aufgabe im Gemeinderat als kleine Fraktion seh ich vor allem darin, Impulse zu geben und Anliegen der Bevölkerung einzubringen, die andere Fraktionen vielleicht nicht aufwerfen würden, weil sie als zu klein eingeschätzt werden. Und natürlich hat man als kleine Fraktion auch eine gewisse Kontrollfunktion.
Tips: Die KPÖ setzt sich für einen Raum für alle ein – was sind da Ihre konkreten Vorstellungen?
Grünn: Der öffentliche Raum gehört uns allen. Doch wir müssen beobachten, dass dieser immer mehr reglementiert, zum Beispiel durch Alkohol- oder Bettelverbote, und durch den Handel kommerzialisiert wird. Der öffentliche Raum sollte aber so gestaltet sein, dass dort jeder, ungeachtet seines Geldbörserls, Zeit verbringen kann. Menschen etwa, die kein Dach über dem Kopf haben, sind umso mehr auf den öffentlichen Raum angewiesen. Diesen sollte man immer von den Schwächsten ausgehend gestalten.
Tips: Wo gibt es dabei in Linz Verbesserungspotenzial?
Grünn: Natürlich zieht das Zentrum die meisten Menschen an, aber ich glaub auch im Linzer Süden oder in Urfahr sollte man Plätze schaffen, wo man zusammenkommen kann und die gut ausgestattet sind, zum Beispiel mit Toiletten und Sitzgruppen. Ich finde die Lösung im Volksgarten, wo Menschen zusammenkommen können, ohne im Fokus aller anderen zu stehen, gelungen. Wesentlich ist, dass die Stadtgesellschaft anerkennt, dass alle dazu gehören und dass manche Gruppen oft viel mehr auf den öffentlichen Raum angewiesen sind als andere – aber er muss für alle da sein.
Tips:Auf Ihren Antrag hin wird das Linzer Schulstartpaket verlängert. Warum ist das wichtig?
Grünn: Mir ist dieses Thema wichtig, weil gerade der Schulstart für viele Eltern mit Kindern eine große finanzielle Belastung ist – Schulmaterialien anzuschaffen kostet viel Geld. Und ich glaube, die Stadt Linz hat da schon die Aufgabe dafür zu sorgen, dass alle Kinder, ungeachtet aus welchem Elternhaus sie kommen, einen guten Start bei der Grundausbildung bekommen.
Das Schulstartpaket hat es ja letztes Jahr schon gegeben, über 4.500 Anträge sind 2023 behandelt worden. Die Eltern haben dann einen 100-Euro-Gutschein bekommen, damit sie ihren Kindern zum Schulstart eine Schulausstattung kaufen können. Die soziale Lage, von denen die weniger Geld haben, hat sich ja nicht geändert, weshalb wir gesagt haben, dass es doch gut wäre, wenn wir diese erfolgreiche Aktion wiederholen.
Tips: Sie sind nun bereits 15 Jahre Gemeinderätin – nehmen Sie Veränderungen im Gemeinderat wahr?
Grünn: Es kommt natürlich immer auf die Akteure drauf an, da gibt es leidenschaftlichere und welche die umgänglicher sind. In meiner ersten Periode war der „Swap“ ein großes Thema, also da gab es schon einen raueren Umgangston. Ab der zweiten Periode ging es dann ein bisschen ruhiger zu. Die Zeiten des kühlen Umgangs sind jetzt eigentlich vorbei, es ist definitiv umgänglicher geworden.
Was ich nicht so gut finde, ist, dass ich in den letzten Jahren eine gewisse Entdemokratisierung feststelle, weil in den letzten Jahren sehr viele Zuständigkeiten des Gemeinderates in den Stadtsenat gewandert sind. Ich fände es wichtig, dass der Gemeinderat in seiner Entscheidungsmöglichkeit gefördert wird und wieder über mehr Themen debattiert und abgestimmt werden kann.Der Gemeinderat ist ja immerhin doch das höchste demokratische Gremium – und der gehört aus meiner Sicht gestärkt. Außerdem: Der Gemeinderat ist öffentlich, der Stadtsenat nicht.
Tips: Wo halten Sie sich in Linz am liebsten auf?
Grünn: Am liebsten ist mir das Viertel rund um den Bulgariplatz, weil dort auch unser Büro ist – dort fühle ich mich sehr wohl. Und: Ich bin ja im Linzer Süden aufgewachsen – das Augebiet, die Traunauen und die Donauauen sind auch ein wunderbarer Ort, wo man alles dafür tun muss, damit man sie schützt und wieder mehr renaturiert.


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