Manker erlebte Terroranschlag mit
BARCELONA/MANK. Beim Terroranschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona starben am Donnerstag 13 Menschen. Unweit davon entfernt hielt sich der Manker Mathias Auer mit seiner Freundin auf. Er hat das Erlebte auf Facebook sehr anschaulich niedergeschrieben.

„Habens sicher aus Barcelona rausgeschafft“, lautet die Headline von Auers Facebook-Eintrag vom Donnerstag. Zum Zeitpunkt des Anschlags hat er mit seiner Freundin Gabriela Eder eine Free Walking Tour durch „El Raval“ gemacht. Also geschätzte 100 Meter vom Anschlagsort entfernt. Sie kamen an zwei Polizisten vorbei, die eine Kontrolle an zwei Vespafahrern durchführten.
Auszug aus dem Facebook-Eintrag
Auf Facebook schilderte Auer das so: Plötzlich hörte man einen Kollegen durch das Funkgerät schreien, als könnte er sich nicht schnell genug mitteilen, die beiden Polizisten schauten sich gegenseitig an, der jüngere wirkte auf einmal sehr blass und zittrig. Der andere deutete den Vespafahrern mit hastigen Handbewegungen, dass die Kontrolle abgebrochen ist, zog seine Pistole und repetierte sie, der Jüngere tat es ihm gleich - währenddessen schrie die Stimme am Funkgerät weiter. Mit Blaulicht fuhren sie davon. Der Tourist neben mir schaute verdutzt und meinte zu mir „Hat er seine Waffe geladen?!“
„Es muss etwas Schlimmes sein“
„Ja, es muss etwas Schlimmes sein.“ Der Guide meinte scherzhaft - nachdem kurz davor ein Taschendieb einem anderen Tourteilnehmer die Uhr runter reissen wollte und diese Gegend bekannt für Taschendiebe und Drogen ist: „Vermutlich ist das ist die gefährlichste Tour.“Im nächsten Moment rannten drei junge Frauen mit angsterfüllten Gesichtern an uns vorbei. Gabi meinte zum Guide: „Ich denke, da ist etwas falsch und wir sollten gehen!“ Die Gruppe sah sich kurz ratlos an, keiner wusste wie die Situation nun einzuschätzen sei. Weitere kamen von der La Ramblas-Kreuzung gerannt - kein normales „bei Rot über die Ampel laufen“, sondern eindeutig ein ums Leben laufen - mit Schreien. Gabi schrie ängstlich aber bestimmt: „Ich denke, wir sollten jetzt wirklich, wirklich laufen.“ Die ganze Gruppe begann wegzulaufen, ich spürte Unmengen an Adrenalin frei werden. An der Straßenecke sind einige in andere Richtungen abgebogen, haben wir nicht mehr wirklich mitbekommen. Wir sind gelaufen und gelaufen, Gabi deutete nach rund 200 Metern auf ein Geschäft in das sie reinlaufen wollte, war mir aber instinktiv noch nicht weit genug und wir liefen weiter. Immer mehr panische Menschen hinter uns. Ein etwa 18-Jähriger kam aus einer anderen Gasse herausgerannt und schrie erst auf spanisch und dann auf englisch: „Taxi! Taxi!, we must get in a Taxi and away!“ Wenige Meter weiter stand zufällig eines, wir sprangen rein, wussten noch immer nicht wovor wir eigentlich todesängstig davonlaufen. Der Junge schrie den Fahrer mit erschöpfter Stimme an: „Terrorista, Terrorista! Just drive away“ Der Taxler wurde bleich und beschleunigte sofort. (...)
Ahm Terrorista
Währenddessen haben wir die Innenstadt hinter uns gelassen, der Taxler war mit einem Auge und einer Hand auf das Fahren fixiert, parallel telefonierte er mit seiner Familie und Freunden. Der Junge steigt an einer Kreuzung aus, wir fragen noch was er weiß, er versucht auf englisch zu erklären: „ahm terrorista, big car ahm ah into people at la rambla. I heard shots.“ Ich erkläre dem Taxler er soll weiterfahren nach La Pau, zu unserem Parkplatz, er fährt weiter. Aus dem Radio überschlagen sich die Eilmeldungen, im Taxifunk alarmieren sich die Taxifahrer gegenseitig, Sirenen und Blaulicht werden immer mehr. Gabi weint. Furchtbares Gefühl, man weiß nicht ob im nächsten Moment eine Kugel durchs Fenster kommt oder man gleich von einem Laster gerammt wird, als würde man das eigene Schicksal nicht mehr beeinflussen können und nur noch von Glück oder Unglück abhängen. Ich frage den Taxler nach Neuigkeiten, aber er kann kein Englisch, wir schaffen es aber uns über Wörter ohne Grammatik zu verständigen. Seine Frau meint am Telefon sie sei froh, dass er uns nach La Pau fährt, da er dann selbst in Sicherheit sei. Er bekommt ständig Nachrichten von Freunden und Kollegen auf Whatsapp, ich versuche von der Rückbank aus mitzulesen, verstehe aber nur Bruchteile. Er bekommt ein Video und öffnet es hastig während der Fahrt. Er merkt, dass wir mitschauen wollen und schiebt die Handyhalterung weiter zur Mitte. Man sieht in den wenigen Sekunden des Videos - offenbar gefilmt aus dem Taxi eines Kollegen der am Anschlagsort stationiert war - wie Menschen regungslos am Boden liegen, Verletzte und Weinende die daneben knien, einen riesigen Trümmerhaufen, erste Polizisten mit der Waffe im Anschlag. Er meint: „safe now, here safe now.“, man merkt wie er selbst versucht daran zu glauben. Ich google teletext, orf.at, standard, zib. Nirgends noch eine Meldung zum Anschlag. Die Unwissenheit ist das Schlimmste. Wir kommen in La Pau an, verabschieden uns von ihm, wünschen uns gegenseitig hastig noch Glück. Wir zahlen so schnell es geht unser Parkticket, nebenbei läuft in einem Fernseher neben dem Automat ein spanisches Fernsehprogramm. Man erkennt, dass es um den Anschlag geht, mehr nicht. Schwiegerpaps ruft an weil erste Eilmeldungen online sind, Gabi ist zu aufgelöst zum reden, ich versuche schnell zu erzählen was geschah und, dass wir so schnell wie möglich rauswollen.
Alle wollten weg
Wir fahren los, gleich auf die Autobahn rauf, Stau weil alle wegwollen oder wegen Rushhour, geht aber dann doch schnell voran. In den Autos und auf den Straßen kann man deutlich erkennen, wer vom laufenden Anschlag weiß und wer nicht. Überall Polizei, entgegenkommend oder bei den Abfahrten stationiert. Nach zirka 100 Kilometern und unzähligen „was-wäre-gewesen-wenn“-Gesprächen fahren wir ab und parken auf einem Campingplatz in der Pampa. Überall laufen bereits die Minifernseher und die Urlauber schauen gespannt die spanischen Sondersendungen. Hab mich beim Autofahren recht fit gefühlt, merke aber wie beim Aussteigen das Adrenalin langsam wieder abklingt und werde schlagartig müde. Wir versuchen das Erlebte zu verarbeiten, Gabi mit telefonieren, ich mit schreiben. Kaufen uns ein Bier. Geht uns wieder ganz gut.“


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