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MATTIGHOFEN. Obwohl bereits seit über zwei Jahren Flüchtlinge in Mattighofen leben, sind sie vielen Bewohnern noch nicht mal aufgefallen. Dabei würden die jungen Männer gerne mehr ins Gemeindeleben integriert werden. Auch wenn ihr Verbleib in Österreich derzeit auf der Kippe steht.

Ein schon etwas in die Jahre gekommenes Häuschen mit sieben Zimmern, nahe des Stadtplatzes in Mattighofen. Hier leben derzeit 15 Asylwerber aus Afghanistan und dem Iran. Den meisten Bewohnern fallen sie kaum auf, diese wissen oft nichtmal, dass es sie gibt. „Wir möchten daher einfach mal aufzeigen, dass Flüchtlinge hier in Mattighofen sind und wie sie leben“, erzählt Flüchtlingsbetreuerin Carmen Stoichitescu bei einem Besuch in der Asylunterkunft.

Sechs Euro pro Tag

Drei Tage pro Woche ist die Mitarbeiterin der Volkshilfe Flüchtlings- und Migrantinnenbetreuung hier, schaut nach dem Rechten, hilft bei behördlichen Formalitäten oder hat einfach nur ein offenes Ohr. Mit einem Vorurteil räumt sie gleich zu Beginn des Gesprächs mit Tips auf: „Die Flüchtlinge bekommen sechs Euro pro Tag, davon müssen sie sich selbst versorgen. Zweimal im Jahr gibt es einen Zuschuss für Kleidung. Mehr nicht.“ Die jungen Männer müssen sich im Haus außerdem eigenständig organisieren, selbst putzen, selbst einkaufen und selbst kochen. Letzteres machen sie sehr oft gemeinsam, um Geld zu sparen, erzählt Stoichitescu. Einer Erwerbstätigkeit dürfen sie, so lange sie keinen positiven Asylbescheid haben, nicht nachgehen. Dabei ist dies ihr sehnlichster Wunsch, wie bei Gesprächen mit den Bewohnern deutlich wird. Einer davon erzählt: „Es ist einfach sehr langweilig. Zuhause in Afghanistan habe ich als Installateur gearbeitet. Hier würde ich alles machen, gerne auch gemeinnützige Arbeit.“

Jede Arbeit willkommen

Doch noch zeigt sich die Gemeinde nicht dazu bereit, Flüchtlinge für Hilfsarbeiten zu beschäftigen, bedauert die Betreuerin. Bis zu 110 Euro könnten sie sich damit dazuverdienen und zudem dem eintönigen Alltag entfliehen. „Sie wollen das Gefühl haben, etwas zu leisten. Derzeit haben die meisten nicht einmal einen Grund, morgens aufzustehen. Nach über zwei Jahren ist das Nichtstun richtig frustrierend“, erzählt Stoichitescu.

Vier jugendliche Flüchtlinge hatten Glück: Sie konnten eine Lehre in einem Mangelberuf beginnen. „Ich bin Prozesstechniker im ersten Lehrjahr“, erzählt ein 18-Jähriger stolz, den ein Mattighofner Motorradhersteller aufgenommen hat. Nur Deutsch ist für den Afghanen noch etwas schwierig, aber die Kollegen unterstützen ihn sehr. Was viele nicht wissen: Flüchtlinge, die eine Lehre beginnen, fallen aus der Grundversorgung raus, müssen ihren Lebensunterhalt inklusive Unterkunft selbst vom Lehrgeld bestreiten. „Nächste Woche habe ich eine Schulung in Braunau. Das Ticket für den Zug muss ich selber zahlen. Ich bekomme 240 Euro im Monat.“ Um mehr Ruhe zum Lernen zu haben, will er sich nun gemeinsam mit einem 19-jährigen Flüchtling, der eine Lehre bei einem Tischler in Maria Schmolln macht, eine kleine Wohnung suchen. Doch das ist in Mattighofen und Umgebung alles andere als leicht. Hinzu kommt, dass er bereits einen Negativbescheid erhalten hat. Er hofft dennoch, dass er hier bleiben und seine Lehre beenden kann.

Bereits Negativbescheid

Zwei weitere Bewohner wollen ihren Pflichtschulabschluss nachholen. „Falls sie hier bleiben können, ist das natürlich eine sehr große Hilfe“, erklärt die Betreuerin. Doch dies ist ungewiss. Denn elf der 15 Bewohner im Haus haben bereits einen negativen Bescheid bekommen. Sollte dieser auch in zweiter Instanz negativ sein, droht die Abschiebung.

Willig, Deutsch zu lernen

Obwohl die Stimmung dadurch etwas gedrückt ist, sei die Willigkeit zum Deutschlernen auch weiterhin hoch, erzählt Stoichitescu. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass ab April Deutschkurse für Asylwerber nicht mehr gefördert werden.

Da es für sie mit sechs Euro am Tag schwer ist, einen Deutschkurs zu finanzieren, sind die Flüchtlinge auf die Hilfe von ehrenamtlichen Unterstützern wie Roswitha Aigner angewiesen. Die ehemalige Lehrerin kommt rund zwei Stunden die Woche in die Asylunterkunft, um mit ihren Schützlingen Deutsch zu lernen. Ebenso wie die Nachbarin der Flüchtlinge Josefine Zirknitzer. Aufgrund der beschränkten Ressourcen müssen sich die beiden natürlich mehr auf die Schwächeren konzentrieren. „Weitere Hilfe ist jederzeit willkommen“, betont Aigner, „und zwar jeder Art.“


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