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BRAUNAU. Die Kindergärten im Bezirk haben ein echtes Personalproblem, zu diesem Urteil kamen die Bürgermeister der Gemeinden Mauerkirchen, Burgkirchen und Helpfau-Uttendorf, die Caritas und Mandatsvertreter der Kindergärten bei einem gemeinsamen Austausch. Laut ihnen gibt es seit Jahren deutlich zu wenig Erzieher.

Diskutierten über Probleme in den Kindergärten (v.l.): Horst Gerner, Albert Troppmair, Josef Leimer, Lisa Beinhundner, Roswitha Nollet und Bernhard Bogenhuber.

Das Betreuungsproblem in den Kindergärten in der Region war Thema eines Meinungsaustausches in Mauerkirchen. „Wir haben in unseren Kindergärten ein echtes Personalproblem, es ist derzeit sehr schwierig, den hohen Betreuungsstandard aufrechtzuerhalten und genügend Erzieher zu finden“, sagte Mauerkirchens Bürgermeister Horst Gerner (SPÖ).

Probleme seit Jahren

Die Schwierigkeiten in den Kindertagesstätten gibt es vermehrt in den letzten fünf Jahren, seit zwei Jahren sei das Problem aber noch gravierender geworden. Dass die Situation sich in den nächsten Jahren nicht entspannen, sondern eher noch weiter verschlimmern dürfte, weiß Roswitha Nollet, sie ist Leiterin der Fachstelle für kirchliche Kindertagesstätten der Caritas: „Wir verzeichnen aktuell starke Geburtenjahrgänge und einen Zuzug wegen der vielen Jobs in der Region. Wir konnten in diesem Jahr erstmalig schon im September nach den Ferien nicht mehr alle Stellen besetzen. Das Problem mit zu wenig Erziehern gibt es aber nicht nur im Bezirk Braunau, sondern in ganz Oberösterreich.“ Beim gemeinsamen Austausch waren neben Gerner und Nollet die Bürgermeister von Burgkirchen und Helpfau-Uttendorf Albert Troppmair und Josef Leimer (beide ÖVP), der Mandatsvertreter des Kindergartens in Mauerkirchen Bernhard Bogenhuber und die Leiterin des Kindergartens in Uttendorf Lisa Beinhundner dabei. Für Letztere spielen vor allem organisatorische Aufgaben und viel Schreibarbeit eine Rolle, wieso sich immer weniger für eine Ausbildung zum Erzieher entscheiden. „Es steht häufig nicht mehr der pädagogische Aspekt unserer Arbeit im Vordergrund, das sollte sich ändern“, sagte Beinhundner.

Keine Ausbildung im Bezirk

Ein weiterer Faktor, wieso die Ausbildung derzeit so wenig attraktiv erscheint, ist die Tatsache, dass die nächsten Ausbildungsstätten in Ried und Salzburg sind, deswegen machen derzeit nur vier Jugendliche aus dem Bezirk die Ausbildung. „Es bräuchte definitiv eine Einrichtung im Bezirk, vor allem weil auch viele nach der Ausbildung nicht in die Kindergärten gehen, sondern beispielsweise noch weiterstudieren“, sagte Roswitha Nollet von der Caritas. Außerdem seien die meisten Stellen in Gemeindekindergärten auf ein Jahr befristet, was wenig Planungssicherheit bedeutet. „Der Termin heute ist eine Art Hilferuf, bevor es tatsächlich zu Schließungen kommt, unsere Erzieher arbeiten derzeit absolut am Belastungslimit“, schilderte Mandatsvertreter Bernhard Bogenhuber.

Stellen lange unbesetzt

Häufig werden freie Stellen über ein Jahr nicht besetzt, in anderen Einrichtungen gab es zum Teil mehrere Personalwechsel in einem Jahr. Um den Bedarf an Betreuern überhaupt decken zu können, werden häufig Helfer eingestellt, die meist nur eine zehntägige Ausbildung machen und demzufolge pädagogisch weit weniger geschult sind. Es sei außerdem schwierig, Bewerber zum Beispiel aus Deutschland anzulocken, da diese oft von einer Zusatzprüfung in Österreich abgeschreckt seien. Deshalb gäbe es nur wenige Grenzgänger, beklagte Bogenhuber.Uttendorfs Bürgermeister Josef Leimer fordert, dass man den Stellenwert des Erziehers und der Ausbildung wieder stärken müsse, um den Beruf wieder attraktiver zu machen: „Die gesellschaftliche Stellung muss wieder besser werden, ähnlich wie es bei der Lehre gemacht wurde.“ Nur so könne die hohe Qualität in der Kinderbetreuung auch in Zukunft aufrechterhalten werden.

Viele Einschränkungen in der täglichen Arbeit

Lisa Beinhundner vom Kindergarten Uttendorf beklagte außerdem die vielen Einschränkungen, mit denen die Erzieher seit einigen Jahren zu kämpfen haben. Immer mehr Befugnisse würden reglementiert werden und auch der erhöhte Datenschutz spiele in der täglichen Arbeit eine große Rolle. Roswitha Nollet schlug in die gleiche Kerbe: „Das System ist seit einigen Jahren total überreglementiert, es ist hier im Bezirk und speziell in den drei Gemeinden aber außergewöhnlich, dass die Bürgermeister so hinter den Erziehern stehen und auf die personellen Engpässe in der Form aufmerksam machen.“ Erzieherin Beinhundner spüre lediglich die Unterstützung von Seiten der Gemeinden, nicht aber von den entsprechenden Kontrollstellen oder dem Land. Aktuell kann der Betreuungsbedarf gerade noch gestemmt und alle Kinder in die Tagesstätten aufgenommen werden. Auch mit der Qualität der Betreuung sind Eltern laut Umfragen zufrieden. Für Mauerkirchens Bürgermeister Horst Gerner, der zu dem Termin in die Gemeinde eingeladen hatte, sei das Ganze aber ein Aufschrei auf Bürgermeister-ebene. „Ich wollte nochmal eindringlich auf die vorherrschende Situation aufmerksam machen und die Pädagogen und Erzieher nicht im Regen stehen lassen.“


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