Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus

Leserartikel Margarete Frühwirth, 05.05.2015 16:00

MAUTHAUSEN/GUSEN. 5. Mai 1945: Der Ort Mauthausen wird von einer US-Panzerabteilung besetzt. Gegen Mittag werden zwei Spähwagen der US-Armee von einem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes in das Konzentrationslager geleitet. Zwei Tage später wird das Lager von Einheiten der 11. US-Panzerdivision endgültig befreit.  

Das diesjährige Gedenkjahr widmet sich dem Thema "Steinbruch und Zwangsarbeit". *Fotos: maf
  1 / 2   Das diesjährige Gedenkjahr widmet sich dem Thema "Steinbruch und Zwangsarbeit". *Fotos: maf
Zum 70. Mal jährt sich heuer das Kriegsende des Zweiten Weltkrieges und somit die Befreiung der Inhaftierten in den Konzentrationslagern. „70 Jahre Friedenszeit waren Grundlage für Fortschritt und Lebensqualität. Angesichts der weltweiten Kriege und dem Leid von Millionen von Flüchtlingen sollte das besonders bedacht werden, betonte kürzlich der Katsdorfer Bürgermeister Ernst Lehner anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten in Katsdorf. Steinbruch und ZwangsarbeitBis zum Zeitpunkt der Befreiung waren im Lagerkomplex Mauthausen rund 100.000 Häftlinge umgekommen. Das diesjährige Gedenken widmet sich dem Thema „Steinbruch und Zwangsarbeit.“ Die Steinbrüche prägten die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die im KZ Mauthausen inhaftiert waren. Ab 1939 entwickelten sich die Steinbrüche „Wiener Graben“ Mauthausen, „Kastenhof“ und „Pierbauer“ Gusen zu den größten Granitwerken der Deutschen Erd- und Steinwerke (DEST).  Die DEST und somit die SS erwirtschaftete in den Steinbrüchen enorme Gewinne: ein Motiv, die Sklavenarbeit ständig voranzutreiben. Besonders berüchtigt war die Strafkompanie des Steinbruchs. Inhaftierte Menschen, die dieser Kompanie zugeteilt waren, mussten etwa 50 kg schwere Granitsteine über die sogenannte Todesstiege hinauftragen. Niemand überlebte die Zuweisung in diese Strafkompanie. Die Todesstiege ist deshalb eines der Symbole der Unmenschlichkeit im KZ-System Mauthausen. Ab Herbst 1943 wurde die Produktion in den Steinbrüchen verringert und der Großteil der Häftlinge an die Rüstungsindustrie „vermietet“, die an Industriestandorten rund 50 Außenlager errichten ließ. Das ehemalige Außenlager Gusen war eines der größten und übertraf zeitweise den Häftlingsstand des Stammlagers Mauthausen. Für das Erinnern und gegen das Verschweigen Die SS-Wächter bemühten sich wenig darum, ihre Brutalitäten vor den Augen der Öffentli.chkeit zu verbergen. Das brutale Verhalten der Wachmannschaft richtete sich auch gegen die Zivilbevölkerung. Wenn der Name Mauthausen fällt, denkt man schnell an das Konzentrationslager. Damit die Konzentrationslager Gusen/Langenstein und die Stollenanlage in St. Georgen/Gusen im aktiven Gedenken einen entsprechenden Raum bekommen, haben sich die betroffenen Gemeinden zu dem Projekt „Bewusstseinsregion“ zusammen geschlossen. Deren oberstes Ziel ist es, die Bevölkerung in einen Diskussionsprozess einzubeziehen.  Dafür steht auch der Verein „perspektive mauthausen“, dessen Obmann Walter Hofstätter sich für die Ehrung einer verdienten Mauthausenerin eingesetzt hat.  Denkmal für engagierte MauthausenerinIn Mauthausen traf der erste große Transport von so genannten Rotspaniern im August 1940 ein. Sie mussten zu dieser Zeit ihr eigenes Gefängnis erst noch zu Ende bauen und sie waren es auch, die noch vor der Befreiung Dokumente aus dem Lager schmuggelten, die bei den Nürnberger Prozessen eine entscheidende Rolle spielten. Als „Poschacherjugend“ konnten einige von ihnen außerhalb des Lagers arbeiten, was die spektakuläre Sicherstellung der Dokumente möglich machte. Täglich führte ihr Weg am Haus von Anna Pointner vorbei. Sie nahm Kontakt mit einem jungen Häftling namens Jacinto Cortés auf. 1945 vertraute Cortés ihr eine Schachtel mit Fotos an, die sie bis zur Befreiung aufbewahrte.  Anna Pointners couragiertes Engagement während und auch nach der NS-Herrschaft wird heuer mit der Enthüllung einer Gedenktafel gewürdigt.   Begegnung von „KZ-Babys“Hana, Mark und Eva haben erst vor fünf Jahren erfahren, dass sie ein gemeinsames Schicksal teilen. Eine Geschichte, die im KZ Mauthausen beginnt: geboren unter schrecklichsten Bedingungen. Die heute 70-jährigen werden als  „Schicksalskinder“ – so der Titel des Buches, das ihre Geschichte aufzeichnet, die Befreiung mitfeiern.   Die Bedeutung des 5. Mai zeigt sich daran, dass er neben dem 1. Mai und dem 26. Oktober der dritte durch das österreichische Parlament beschlossene nationale Feiertag ist. Er soll uns dazu anhalten, über die gegenwärtige gesellschaftliche und politische Bedeutung von Nationalsozialismus nachzudenken.  GEDENKFEIERNFreitag, 8. Mai, 19 Uhr: St. Georgen/Gusen Pfarrkirche Gedenkgottesdienst Samstag, 9. Mai 2015, 14 Uhr: Mauthausen, Vormarktstraße 61Enthüllung der Gedenktafel für Anna Pointner, die sich mutig gegen den Faschismus stellte und die spanischen KZ Häftlinge unterstützte.                       15 Uhr: St. Georgen/Gusen, Eingang BergkristallEnthüllung einer Gedenktafel durch den Botschafter der Republik Polen in Anwesenheit einer polnischen und US-amerikanischen Delegation.                15:30: Uhr Mauthausen, KZ Gedenkstätte vor Baracke 1; Feministisches  antifaschistisches Frauengedenken. Zur Erinnerung an die Verfolgung, Ermordung, Zwangsprostitution und den Widerstand von Frauen im NS Faschismus.                        17 Uhr: Gusen/Langenstein, Memorial GusenGedenk- und Befreiungsfeier zum Thema „Zwangsarbeit im Steinbruch und in der Rüstungsindustrie“. Ansprachen: ehemalige Häftlinge                         Sonntag, 10. Mai: Internationale Befreiungsfeier KZ-Gedenkstätte Mauthausen 9 Uhr: Gedenkfeier für Roma und Sinti 9:30 Uhr: Ökumenischer Wortgottesdienst (Kapelle) 10 Uhr: Kundgebungen bei den nationalen Denkmälern, Gedenken an Richard Bernaschek 10:30 Uhr: Internationale Jugendgedenkkundgebung im Steinbruch des ehem. KZ Mauthausen 11 Uhr: Gedenkzug über den AppellplatzAnlässlich des 70-Jahre-Jubiläums wird der Gedenkzug von verschiedenen Internationalen Chören under der Leitung von Alfred Hochedlinger sowie der Militärmusik OÖ musikalisch umrahmt16 Uhr:Ried/Riedmark, Gedenkstein.Gedenkfeier mit Willi Mernyi, Vorsitzender MKÖAusstellung im Heimatmuseum St. Georgen:Zwangsarbeit der Messerschmittwerke in Regensburg und Gusen mit Zeichnungen des polnischen Häftlings F. Znamirowski und in Gusen geheim entstandener Bilder. Geöffnet am 9., 10., 16., 17. Mai, jeweils 9 bis 17 Uhr oder gegen Voranmeldung 07237 39 46.

Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden