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BEZIRKE PERG/FREISTADT. Hat der Wolf seinen schlechten Ruf den Brüdern Grimm und ihren Märchen zu verdanken, oder ist er doch ein realer Gefährder? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Fest steht: „Der Wolf ist nach Oberösterreich zurückgekehrt – und mit ihm neue Herausforderungen für Mensch, Tier und unsere Kulturlandschaft“, betont Agrar- und Jagd-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP). Aktuelle Zahlen bestätigen, dass sich die Wolfspopulation im Wachstum befindet.

Die Zahl der Wölfe steigt. (Foto: stock.adobe.com/michal)
Die Zahl der Wölfe steigt. (Foto: stock.adobe.com/michal)

Im vergangenen Jahr 2025 konnten in ganz Österreich 121 Wölfe nachgewiesen werden. Im Jahr 2024 waren es noch 102 Tiere. Die Schwerpunkte des Vorkommens liegen aktuell in Kärnten, Tirol, Niederösterreich sowie im Mühlviertel in Oberösterreich. Mit Blick auf die kommenden Jahre und die vorliegenden Zahlen sei davon auszugehen, dass die Wolfspopulation in Oberösterreich weiter wachsen wird.

„Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu einer wachsenden Population. Das ist aus Sicht des Artenschutzes ein Erfolg, bringt aber gleichzeitig enorme Herausforderungen mit sich“, erklärt Langer-Weninger. „Denn für mich hat die Sicherheit der Menschen am Land, unserer bäuerlichen Familienbetriebe sowie der Weide- und Almwirtschaft oberste Priorität.“

Schafherde in Schönau durch Wolf getötet

Das Wolfsmanagement des Landes Oberösterreich führt eine öffentlich zugängliche Dokumentation aktueller Wolfssichtungen, Rissereignisse und Verdachtsfälle. Im Jahr 2025 gingen in Oberösterreich knapp 100 Meldungen über Wolfssichtungen ein, wobei nicht in allen Fällen bestätigt werden konnte, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelte. Die Rissbegutachter rückten insgesamt 48-mal aus. Letztlich konnten im vergangenen Jahr 17 gerissene Tiere eindeutig einem Wolf zugerechnet werden, darunter auch eine Schafherde mit zehn gerissenen Tieren in Schönau im Mühlkreis.

Wolfsaktivitäten durch Fotonachweise bestätigt

Für das Jahr 2026 sind in den Bezirken Perg und Freistadt bereits 17 Wolf-Meldungen erfasst. In einigen dokumentierten Fällen konnte (noch) nicht festgestellt werden, ob tatsächlich eine Aktivität des Wolfs vorliegt. Risse gibt es 2026 bis dato nicht. Einzelne Rissverdachtsfälle ordnete man nach einer DNA-Analyse dem Fuchs zu. In sieben gemeldeten Fällen aus dem Bezirk Freistadt konnte das Wolfsvorkommen durch Fotonachweise bestätigt werden (Stand 30.4.).

„Risikowolf“ in St. Georgen am Walde

Bei einer potenziellen Gefährdung von Menschen, etwa wenn zuvor Vergrämungsmaßnahmen keine Wirkung gezeigt haben, kann ein Wolf als „Risikowolf“ eingestuft und zum Abschuss freigegeben werden. Im Vorjahr waren dreimal Wölfe zum Abschuss freigegeben worden, offiziell geschossen wurde aber keines dieser Tiere. Derzeit ist ein Wolf in Oberösterreich zum Abschuss freigegeben. Das Tier hatte sich mehrfach einem Bauernhof in St. Georgen am Walde genähert und auch Vergrämungsversuche halfen nicht. Die Abschussgenehmigung gilt noch bis zum 11. Mai.

„Der Wolf muss den Menschen als Feind anerkennen“

Tips hat Klaus Schachenhofer um eine Einschätzung aus Sicht der regionalen Jägerschaft zum Thema Wolf gebeten. Er ist Forst- und Jagdberater und kommt aus St. Georgen am Walde: „Unsere Region ist aus meiner Sicht für den Wolf vergleichbar mit einem ‚McDrive‘: Die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Weidevieh verspricht ihm leicht zugängliche Nahrung. Der Wolf ist ein intelligentes Tier, er muss den Menschen als Feind anerkennen. Darum ist ein kontrollierter Wolfsbestand wichtig. Eine Ausrottung ist nicht das Ziel, aber wir müssen dem Tier zeigen, dass menschlich genutzte Kulturlandschaften keine ungefährlichen Räume für ihn sind.“

120.000 Euro für den Ausbau von Herdenschutzmaßnahmen

Das OÖ Wolfsmanagement ist nicht nur für die Dokumentation von Wolfsvorkommen sowie die Entwicklung der Population und der Rudel zuständig, sondern unterstützt auch die Landwirtschaft etwa bei Fragen des Herdenschutzes und in Schadensfällen. Seit der Einführung des Wolfsmanagements im Jahr 2023 wurden laut Landesrätin Michaela Langer-Weninger mehr als 120.000 Euro in den Ausbau von Herdenschutzmaßnahmen investiert. Zudem leistete man rund 35.000 Euro an Entschädigungszahlungen.

Aktuelle Wolfssichtungen, Rissereignisse und Verdachtsfälle in Oberösterreich: www.land-oberoesterreich.gv.at/517622.htm


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