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Aufgaben aus der Schatzkammer: erste Zentralmatura im Stiftsgymnasium Melk positiv erledigt

Leserartikel Ronald Baireder, 25.06.2015 16:09

MELK. Ein historisches Ereignis, die erste zentrale kompetenzorientierte Matura in den Gymnasien Österreichs, ist vor kurzem zu Ende gegangen. Der Direktor des Stiftsgymnasiums Melk, Anton Eder, zieht im Tips-Interview eine positive Bilanz.

Direktor Anton Eder zieht eine positive Bilanz über die erste Zentralmatura.
Direktor Anton Eder zieht eine positive Bilanz über die erste Zentralmatura.

Tips: Haben sich die Befürchtungen über die Zentralmatura bestätigt?

Anton Eder: Es gab auf allen Seiten die Unsicherheit, welche Aufgaben tatsächlich zur Matura kommen. Es hat sich aber herausgestellt, dass unsere Schüler gut vorbereitet waren. Bei den mündlichen Prüfungen war das Ziehen der Fragen ein gewisser Unsicherheitsfaktor, der sich allerdings als völlig unbegründet herausstellte. Die Prüfungen sind ruhig und professionell abgelaufen.

Tips: Wie ist die Matura im Stiftsgymnasium ausgefallen?

Anton Eder: Insgesamt bin ich, was unser Ergebnis betrifft, sehr zufrieden. Ein Fünftel unserer Schüler hat einen ausgezeichneten Erfolg und 30 Prozent einen guten Erfolg. Nur acht Prozent haben die Matura heuer nicht bestanden. Damit ist das Ergebnis gegenüber den vergangenen Jahren in allen Belangen besser.

Tips: Lag das vielleicht am vom Ministerium beziehungsweise BIFIE vorgegeben Anspruchsniveau der Aufgabenstellungen?

Anton Eder: Das Ministerium wollte natürlich bei der ersten Zentralmatura schon erfolgreich sein. Daher war das Niveau nicht übertrieben hoch. Aber die Aufgabenstellungen sollen ja auch nicht unschaffbar sein. Jedenfalls hat sich gezeigt, dass wir gut vorbereitet waren.

Tips: Wie war die erste Zentralmatura für die Professoren?

Anton Eder: Die Belastung für die Lehrerschaft war enorm. Das große Engagement hat zum guten Ergebnis beigetragen. Die Kompetenzorientierung bei den Aufgabenstellungen ist sehr aufwändig. Das Zusammenstellen einer kompetenzorientierten Mathematikschularbeit für die Oberstufe dauert allein bis zu zehn Stunden. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass die Lehrer noch mehr zusammenarbeiten.

Tips: Was waren für Sie die positiven Aspekte der ersten Zentralmatura?

Anton Eder: Ich halte die Vorwissenschaftliche Arbeit für sehr sinnvoll, weil die Schüler damit optimal vorbereitet in die Reifeprüfung einsteigen können. Es liegt also in ihrer eigenen Hand, ob sie den ersten Teil der Matura positiv absolvieren. Außerdem lernen sie – neben dem wissenschaftlichen Arbeiten – Kompetenzen, die allgemein von Bedeutung sind, wie Zeitmanagement oder Eigenständigkeit.

Tips: Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie für die kommenden Jahre?

Anton Eder: Es ist ein Wunsch der Direktorenkonferenz, dass die Matura teilzentral durchgeführt wird. Das heißt, dass einerseits gewisse Grundkompetenzen zentral geprüft werden und andererseits auch spezielle Aufgaben von der Schule vorgegeben werden. Damit könnten die Schultypen besser auf ihre eigenen Schwerpunkte eingehen, beispielsweise wir auf die Sprachen oder die berufsbildenden Schulen auf kaufmännische oder technische Kompetenzen.

Tips: In den kreativen Fächern gab es die Kritik, dass zu wenig Handungsspielraum für künstlerische Freiheit geschaffen wird. Was sollte man hier ändern?  

Anton Eder: In Musik und Kunst sollten die Themenkörbe für die Matura reduziert werden, weil der kreative Unterricht zulasten des Stoffdrucks im Hinblick auf die Matura zu kurz kommt. In Englisch haben wir ein anderes Problem: Hier wird rein die kommunikative Kompetenz gefordert. Die Englischmatura sollte man wieder mit Inhalten füllen, anstatt mit teilweise belanglosen Themen.

Tips: Wie hat die Organisation funktioniert?

Anton Eder: Es gab keine Probleme. Allerdings hat es bei manchen Direktoren zu Nervosität geführt, die Sicherheit der Aufgaben zu gewährleisten. Es war eine Herausforderung, diese große Menge an Aufgaben sicher zu deponieren. Allein der Stoß für die Zentralmatura am Stiftsgymnasium war fast 2,5 Meter hoch. Mit der Verwahrung haben wir uns leicht getan: Wir haben die Unterlagen in der alarmgesicherten Schatzkammer des Stiftes aufgehoben.


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